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Ausgabe Nr. 25/2022 vom 21.06.2022, Fotos: M.Dörr & M.Frommherz - stock.adobe.com
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Meist betrifft die Gesichtslähmung nur eine Seite.
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Hilfe, mein Gesicht ist „gelähmt“
Der kanadische Sänger Justin Bieber, 28, erschreckt seine Anhänger mit einem Video. Darin zeigt er, wie unbeweglich sein rechtes Gesicht ist. Tatsächlich ist eine einseitige Gesichtslähmung durch eine Beschädigung des Gesichtsnervs nicht selten. Viren, Einengungen und Bluthochdruck können Auslöser sein. Die meisten Fälle heilen alleine aus.
Beim Blick in den Spiegel ist der Schreck für Betroffene groß. Trotz Bemühens lässt sich eines der beiden Augen nicht mehr schließen, der Nasenflügel auf der selben Seite nicht mehr rümpfen und der Mundwinkel nicht zu einem hübschen Lächeln heben. Von einem Tag auf den anderen kann die eine Hälfte des Gesichtes nicht wie gewohnt bewegt werden, es ist einseitig gelähmt. Betroffene fragen sich erschrocken, „Habe ich einen Schlaganfall erlitten?“
Meist ist die ärztliche Antwort darauf „Nein“, denn eine Fazialisparese, auf Deutsch Gesichtslähmung, ist zwar eine Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskulatur, doch ein Notfall wie bei einem Schlaganfall steckt meist nicht dahinter. „Bei der peripheren Gesichtslähmung geht die Erkrankung auf die Schädigung des Nervs selbst zurück. In mehr als 60 Prozent der Fälle ist aber keine direkte Ursache für die Lähmung des Gesichtsnervs nachweisbar.

Wahrscheinlich führen verschiedene Faktoren zu einem entzündlichen Ödem des Nervs. Der Gewebsdruck im Nerven wird bei seinem Verlauf durch den knöchernen Nervenkanal erhöht, was zu diesen Lähmungssymptomen führt. Doch diese bilden sich häufig wieder vollständig zurück“, erklärt der Neurologe Dr. Michael Ackerl.

Der Gesichtsnerv ist empfindlich
Es gibt jedoch Erkrankungen, die eine periphere Gesichtslähmung wie im Fall des Sängers Justin Bieber, 28, verursachen. Dazu gehören Infektionen durch Gürtelrose-Viren, Borreliose, Masern, Mumps, Röteln, Diphtherie und HIV. Aber auch Einengungen im Nervenkanal, bedingt durch eine Mittelohrentzündung, durch Tumore der Ohrspeicheldrüse sowie Diabetes mellitus, vor allem in Verbindung mit Bluthochdruck, können schuld an der plötzlichen Gesichtslähmung sein. „Neben der peripheren gibt es die zentrale Gesichtslähmung. Sie ist die Folge einer Funktionsstörung direkt im zuständigen Hirnbereich, etwa durch einen Schlaganfall, eine Hirnblutung, entzündliche Gehirnerkrankungen oder Hirntumore.“

Ein Fall für den HNO-Arzt oder Neurologen
Die meisten Gesichtslähmungen, die durch eine direkte Störung des Nervs bedingt sind, verschwinden nach wenigen Wochen. „Selten dauert es bis zu einem halben Jahr oder länger. Ist der Nerv allerdings stark geschädigt, etwa durch Unfälle, eine Operation oder bei schweren neurologischen Erkrankungen, kann es zu einer bleibenden Lähmung kommen“, macht Dr. Ackerl aufmerksam.

Wie bei vielen Erkrankungen gilt bei der einseitigen Gesichtslähmung, je schneller eine Behandlung erfolgt, desto höher sind die Erfolgsaussichten. „Betroffene sollten Fachärzte für Neurologie oder HNO aufsuchen. Es werden Gesichtsmuskulatur, Ohr, Auge und Tränenproduktion geprüft sowie neurologische und elektrophysiologische Untersuchungen durchgeführt. Gegebenenfalls folgen Labortests wie Untersuchungen der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit und des Blutes sowie Magnetresonanz- oder Computertomographie.“

In seltenen Fällen bleibt die Lähmung
Je nach Ursache wird die Gesichtslähmung ganz gezielt behandelt. „Bei einem Fall ohne erkennbare Ursache kommen in erster Linie Kortikosteroide, das sind Entzündungshemmer, zum Einsatz. Bei einer durch Gürtelrose-Viren verursachten Gesichtslähmung gibt es Medikamente, welche die Vermehrung der Viren hemmen, in anderen Fällen helfen den Patienten Antibiotika. In jedem Fall wird bei unvollständigem Lidschluss das Auge mit Tropfen und eventuell einem ‚Uhrglasverband‘ feucht gehalten und die Hornhaut durch eine Augensalbe geschützt.

Wohltuend wirken warme Gesichtspackungen sowie sanfte Massagen der (meist nur vorübergehend) gelähmten Muskulatur. Zusätzlich sind Physio- und Elektrotherapie sowie logopädische Übungen unbedingt notwendig. In den seltenen Fällen anhaltender Gesichtslähmung können plastisch-rekonstruktive Eingriffe zur Besserung der Bewegungsstörungen im Gesicht empfohlen werden.“
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