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Ausgabe Nr. 24/2022 vom 13.06.2022, Foto: Cynthia Vice Acosta/Kauck
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Weil sie nicht mehr pünktlich zu ihrer eigenen Hochzeit kamen, heirateten Pam und Jeremy Salda im Flugzeug.
Das Jawort in 12.000 Meter Höhe
Was macht ein Paar, wenn der Flug zur eigenen Hochzeit nach Las Vegas (US-Staat Nevada)gestrichen wird – es nimmt den nächsten Flieger und lässt sich hoch über den Wolken trauen. Jedenfalls, wenn ein Pastor an Bord ist, der Flugkapitän nichts dagegen hat und die Flugbegleiterinnen kreativ sind. Dieses Glück im Unglück widerfuhr im April Pam und Jeremy Salda.
Die Menschen zückten ihre Telefone, um uns zu fotografieren“, sagt Pam Salda lachend, als sie sich an den 24. April dieses Jahres erinnert. An diesem Tag rannte sie am Flughafen von Dallas (US-Bundesstaat Texas) in einem ärmellosen Brautkleid und einem zerzausten Blumenstrauß in der Hand an den wartenden Passagieren vorbei und ein Mann in dunklem Anzug versuchte, mit ihr Schritt zu halten. „Es muss eine verrückte Szene gewesen sein“, sagt die 52jährige mit verklärtem Blick.

Zu der es kam, weil sich die Mutter von zwei Kindern im Alter von 20 und 28 Jahren aus Oklahoma City in einer Partnervermittlung einschrieb. Dort stieß sie bald auf Jeremy Salda, einen ebenfalls geschiedenen Grafiker. Auch er hat zwei Kinder. „Er machte sofort einen so guten Eindruck auf mich, dass ich mich schon nach ein paar Internet-Unterhaltungen bereit erklärte, ihn persönlich zu treffen.“ Sie wusste nicht, dass ihr Auserwählter gerade dabei war, seinen Vertrag mit der Agentur zu kündigen, weil sie keinen passenden Partner gefunden hatte.

Die Begegnung der beiden wurde ein Volltreffer. „Ich mag dich. Du versprühst Nettigkeit wie Konfetti“, sagte Pam beim Abschied. „Diese Bemerkung gefiel mir“, gesteht Jeremy Salda. „Deshalb brachte ich bei unserem zweiten Treffen Konfetti mit und sagte zu Pam: ‚Lass uns die Schnipsel verstreuen, wo immer wir hingehen, damit auch andere Menschen freundlich werden.‘ Wir taten dies dann auch gleich beim Ausgehen in jener Nacht.“

Obgleich die Zuneigung beiderseits war, ließen sie ihrer Beziehung Zeit zum Reifen. Sie trafen sich Woche für Woche, gingen ins Kino, ins Theater, in Restaurants, auf kurze Reisen. Aber erst nach zwei Jahren waren sie sich sicher und beschlossen zu heiraten. „Wie wäre es mit Las Vegas (US-Bundesstaat Nevada)?“, fragte Pam. „Warum nicht“, antwortete der 49jährige schmunzelnd. „So kam es, dass ich zwei Stunden später für den nächsten Tag, den 24. April 2022, Flüge, Hotel und eine feste Uhrzeit in einer Hochzeitskapelle buchte“, sagt Jeremy Salda.

Jeremy Salda hatte alles perfekt organisiert, nur das Wetter spielte nicht mit
Der Flug von Oklahoma City nach Las Vegas begann pünktlich um 14.33 Uhr. Nach einer Zwischenlandung in Dallas war die Ankunft am Reiseziel für 19.30 Uhr anberaumt. Die Vermählung – die letzte an diesem Tag – sollte um 21.00 Uhr im Lichtermeer des Spielerparadieses stattfinden. Somit alles perfekt abgestimmt, wenn nicht … tja, wenn nicht der Anschlussflug von Dallas wegen schlechten Wetters gestrichen worden wäre. „Wir drehten beinahe durch“, erinnert sich Pam. „Wir würden unseren Hochzeitstermin verpassen.“ Ratlos standen sie in der großen Halle.

Der Zufall wollte es, dass das gestresste Paar einem Pastor auffiel, der auch nach Las Vegas unterwegs war. „Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“, fragte Chris Kligora, 46. Nachdem sie ihm ihr Problem geschildert hatten, meinte er: „Ich könnte euch vor den ‚Bellagio Fountains‘ (berühmte Wasserspiele in Las Vegas) trauen.“
Um nicht die Nacht am Flughafen verbringen zu müssen, versuchte das Trio trotzdem noch einen Anschlussflug zu ergattern. Und wurden beim Schalter von Southwest Airlines fündig, deren Flug 2690 sich etwas verspätet hatte. Kapitän Dickson Gil und eine Stewardess begrüßten die Reisenden am Eingang.

Die Stewardessen bastelten einen Altar aus Toilettenpapier
„Es sieht aus, als hätten Sie es eilig zu heiraten“, meinte der Pilot amüsiert beim Anblick des Paares. „Richtig. Wir hatten es für heute Abend geplant. Aber wir sind wohl zu spät dran.“ „Soll ich eure Trauung gleich hier an Bord vornehmen?“, schlug der Prediger vor. „Ich hätte nichts dagegen. Viel Glück“, meinte der Kapitän, bevor er im Cockpit verschwand. Da auch das Paar die Idee großartig fand, begann die Stewardess Julie Reynolds, 37, mit den Hochzeitsvorbereitungen, sobald sich das Flugzeug auf 12.000 Meter Reisehöhe befand. Aus Paketen mit Toilettenpapier bastelte sie mit ihrer Kollegin Amanda Sturm, 27, an der Cockpit-Tür einen kleinen Altar. Um eine romantische Stimmung zu schaffen, baten sie 60 Passagiere, die Lämpchen über den Sitzen einzuschalten, mit denen das Bordpersonal gerufen wird. Die Flugbegleiter schenkten Gratis-Champagner und Säfte aus und aus den Lautsprechern erklang Mendelssohns Hochzeitsmarsch. „Wie in einer Kirche schritt Pam langsam vom Flugzeugende durch den Gang zu mir am Altar. Sie war wunderschön“, erinnert sich der Bräutigam.

Während die Fluggäste begeistert Beifall klatschten und die Melodie mitsummten, nahm der Prediger die Trauung vor und Pam und Jeremy versprachen einander ewige Liebe. Über Arizona rüttelte es den Jet einmal heftig durch, als sie eine Schlechtwetterfront durchflogen. „Sollte es jemals in unserem Leben Turbulenzen geben, so sind wir ja jetzt dagegen gewappnet“, sagte Jeremy Salda zu seiner Frau, so laut, dass es alle hören konnten.
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