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Ausgabe Nr. 24/2022 vom 13.06.2022, Foto: Horst Ossinger / dpa / picturedesk.com
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Curd Jürgens trank pro Tag „höchstens eine Flasche Whisky“.
Curd Jürgens: Lebemann & Luxusmime
Als Curd Jürgens am 18. Juni 1982 in der Wiener Rudolfstiftung seinem Herzleiden erlag, war er erst 66 Jahre alt. Auf seine Gesundheit hatte er nie geachtet, denn er wollte seinen Jahren mehr Leben geben als seinem Leben mehr Jahre. Das tat er ausschweifend.
„Ich kann auf alles verzichten“, versicherte Curd Jürgens einmal, „nur nicht auf Luxus.“ Der Spruch stammte zwar nicht von ihm, sondern vom irischen Schriftsteller Oscar Wilde (1854–1900), aber er traf auch exakt auf den Schauspieler zu. Und Jürgens hatte das Glück, dass ihm sein Schicksal ein luxuriöses Dasein praktisch von der Wiege bis zur Bahre ermöglichte.

Geboren am 13. Dezember 1915, stammte er aus einem vermögenden Elternhaus, sein Vater war ein erfolgreicher Geschäftsmann, seine Mutter eine aus Frankreich stammende Lehrerin. „Dass ich zweisprachig aufwuchs und auch Englisch-Unterricht erhielt, hat mir in meiner beruflichen Laufbahn sehr geholfen“, erinnerte sich Jürgens einmal.

Sein erstes eigenes Geld verdiente er sich nach dem Schulabschluss als Reporter eines Abendblattes. Nebenbei nahm er Schauspielunterricht. Danach landete er beim Film, wo er allerdings trotz seines attraktiven Aussehens und seiner Größe von 192 Zentimetern nur in Nebenrollen eingesetzt wurde. Nicht anders verhielt es sich bei seinen Bühnen-Engagements, etwa am Wiener Burgtheater. Curd Jürgens galt eben bei den Nazis als „politisch unzuverlässig“.

Nach dem Kriegsende kam ihm das zugute. In der Titelrolle der Verfilmung des Theaterstückes „Des Teufels General“ stieß er 1955 das Tor zu einer Weltkarriere auf. In der Folge war er öfter in internationalen Produktionen zu sehen als in deutschen und stand mit vielen, die in der Filmwelt Rang und Namen hatten, vor der Kamera. Von 1973 bis 1977 verkörperte Jürgens bei den Salzburger Festspielen den „Jedermann“.„Eine bessere Besetzung als ihn wird es nie geben“, schrieb ein Kritiker. „Schließlich spielt er ja sich selbst – einen reichen Lebemann.“

Das war Curd Jürgens tatsächlich. Von den feuchtfröhlichen Festen, die er in seiner Zeit in der Mozartstadt täglich gab, schwärmen heute noch viele, die dabei waren.
Auf Reisen ging er gern mit seinem schokoladebraunen Rolls-Royce, sein liebster Wohnsitz war sein Haus in dem südfranzösischen Ort Saint-Paul-de-Vence. Im Wohnzimmer stand inmitten einer Sitzgarnitur ein Tisch, der sich auf Knopfdruck versenken und in ein kleines Schwimmbecken verwandeln ließ. Für den Fall, dass sich weibliche Gäste zum Dessert ein wenig erfrischen wollten …
Jürgens rauchte wie ein Schlot und antwortete einem Journalisten auf die Frage, wieviel Whisky er trinke: „Pro Tag höchstens eine Flasche.“ Sein Lebensmotto lautete: „Gib deinen Jahren mehr Leben und nicht deinem Leben mehr Jahre.“

Verheiratet war der Mime fünf Mal, wobei er in jüngeren Jahren Partnerinnen bevorzugte, die auch eine Vorliebe für Frauen hatten.
Zu seinem 60. Geburtstag landete er mit dem Lied „60 Jahre und kein bisschen weise“ in den Hitparaden. Bald darauf musste ihm aufgrund von Herzproblemen ein Bypass gelegt werden. Das verlängerte sein Leben, allerdings nicht lange. Am 18. Juni 1982 versagte Curd Jürgens‘ Herz. Er wurde nur 66 Jahre alt.

„ORF-Legenden: Curd Jürgens“
Samstag, 18.6., 20.15 Uhr, ORF3

„Des Teufels General“
Samstag, 18.6., 21.05 Uhr, ORF3

„Katja, die ungekrönte Kaiserin“
Samstag, 18.6., 21.50 Uhr, SWR

„... und immer lockt das Weib“
Samstag, 18.6., 23.00 Uhr, ORF3
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