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Ausgabe Nr. 23/2022 vom 07.06.2022, Foto: A. Zeppelzauer
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Malerisch liegt die „Fischerhütte“ am Ufer des Sees.
Frischen Fisch im Salzkammergut genießen
Das steirische Salzkammergut birgt viele Schätze. Ein ganz besonderer ist der mystische Toplitzsee. An seinem Nordufer steht die weithin bekannte „Fischerhütte“, wo Wirt Albrecht Syen seine Gäste mit köstlichen Fischgerichten und regionalen Schmankerln verwöhnt.
Dunkel, geheimnisvoll, beinahe verwunschen liegt er da, der Toplitzsee. Gut versteckt im Wald, eingebettet zwischen Grundlsee und Kammersee. Ein wahres Naturjuwel im Ausseerland, dem steirischen Teil des Salzkammergutes. Die Zeit scheint hier stillzustehen, was daran liegen mag, dass dieses Kleinod im Naturschutzgebiet des Toten Gebirges nur zu Fuß erreichbar ist.

Vom beschaulichen Ort Gößl aus, vorbei an der mächtigen Gößler Wand und entlang des kristallklaren Toplitzbaches, führt ein rund 20-minütiger Spaziergang ans Ziel. Auch ans kulinarische, die „Fischerhütte am Toplitzsee“. „Das war ursprünglich eine kleine Jausenstation, das ,Fischerhüttl‘. Meine Mutter hat 1955 die Konzession von meiner Großmutter übernommen. Da gab es hier noch keinen Strom und kein fließendes Wasser“, erzählt der Küchenchef und Besitzer Albecht Syen, 75.

Genuss aus heimischen Gewässern
Als er dann selbst im Jahr 1975 den Betrieb übernahm, wurde das alte Blockhäuschen kurzerhand weggerissen und ein Neubau errichtet. „Ich habe aus dem Hüttl eine Hütte gemacht“, sagt der Steirer und lacht. Die Spezialisierung auf Fisch war von vornherein klar, gab es doch in der ehemaligen Jausenstation vor allem geräucherten Fisch. Der steht auch heute noch auf der Karte. Wahlweise Saibling oder Forelle, frisch geräuchert und mit Oberskren und Brot serviert (€ 0,61/dag). „Unsere Fische kommen aus der Region, von der Fischerei Ausseerland. Manchmal gibt es auch Wildfang, wenn hier am Toplitzsee oder am Grundlsee gefischt wird“, sagt Syen, für den die Frische der Produkte das Um und Auf ist.

Seit 47 Jahren ist Albrecht Syen schon Wirt, dabei hat er ursprünglich einen ganz anderen Berufsweg eingeschlagen. „Ich habe die Handelsschule gemacht und bin gelernter Industriekaufmann.“ Als Sachbearbeiter war er in Deutschland, der Schweiz und sogar in England tätig, bevor er in den 70er Jahren in seine Heimat zurückkehrte und die Hotelfachschule absolvierte.

Der Toplitzsee hat ihn schon als Kind fasziniert. „Früher war ich oft hier mit meinem Vater fischen. Der See hat eine besondere Energie, er tut einfach gut. Darum will ich oft, dass die Tür zwischen Gastraum und Küche offen bleibt, damit ich was sehe vom See“, sagt der Gastronom.
Die Wirkung des idyllischen Gewässers kann er auch bei seinen Gästen beobachten. „Ich merke, wie sich der Ausdruck in ihren Gesichtern verändert, wenn sie auf den See hinausschauen.“ Viel Zeit bleibt dem Wirt aber nicht dafür, denn bei 150 Sitzplätzen – 120 davon im traumhaften Gastgarten am See – ist der Betrieb eine große Herausforderung. „Da muss ich schauen, dass ich fertig werde und die Gäste zufrieden sind“, meint Syen. Bei 200 bis 300 Fischen pro Tag, die auf den Tellern der Gäste landen, geht das natürlich nur mit einem eingespielten Team in der Küche. Und der tatkräftigen Unterstützung durch Tochter Alexandra, 44, die den Service leitet und die Gäste fachkundig berät.

Die Speisekarte der „Fischerhütte“ punktet mit regionalen Schmankerln, etwa einer steirischen Käsecremesuppe (€ 4,30) oder einer Mostschaumsuppe von gemischtem Steirischem Apfelmost (€ 4,60) und ausgezeichneten, vorwiegend steirischen Weinen. Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den Fischspezialitäten, die nach Gewicht berechnet werden. Bei € 0,64/dag macht das etwa 22 bis 24 Euro für ein Gericht. „Am beliebtesten sind die Knoblauch- und die Mandelforelle, die wir mit Petersilerdäpfeln servieren.“ Ein Fisch, den auch er selbst am liebsten isst.

Der wahre Schatz ist die Natur
„Die Forelle ist ein bisserl gröber im Fleisch, aber mir schmeckt sie besser als der Saibling. Das ist ein bisschen so wie Kalb oder Rind“, erklärt Syen schmunzelnd.
Eine besondere Köstlichkeit ist der im Dampf, auf einem Wurzelbett gegarte „Selektion-Ausseerland“-Saibling. Auch für Fleischliebhaber hält die Karte diverse Gerichte bereit, etwa einen Krusten-Bier-Schweinsbraten mit Stöcklkraut und Erdäpfelnocken (€ 14,90).

Neben den köstlichen Fischgerichten lockt aber auch der Mythos um einen angeblich im See versenkten Nazi-Schatz viele Menschen an. Welche Geheimnisse die Tiefen des Toplitzsees tatsächlich bergen, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben.
„Gold, Geld oder Geheimakten – der wahre Schatz ist der See selbst“, ist der Küchenchef Albrecht Syen überzeugt.
„Bauern“-Forelle
Zutaten:
1 frische Forelle, 6 dünne Scheiben durchzogener Speck,
1 Zwiebel, 3 vorgekochte Erdäpfel, Butter,
Salz, Petersilie gehackt, Pflanzenöl, Mehl
Zubereitung:
Die Forelle ausnehmen, salzen und in eine Pfanne mit heißem Planzen- oder Erdnussöl geben. Auf beiden Seiten etwa sechs Minuten (je nach Größe) braten.
Den Speck kurz anbraten. Die Zwiebel in Ringe schneiden, in Mehl wenden und in heißem Öl backen. Die gebratene Forelle auf einen warmen Teller legen, den Speck und die Zwiebeln darübergeben.
Die vorgekochten, heißen Erdäpfel schälen, zerkleinern und in einer Pfanne mit Butter und Petersilie schwenken. Die Petersilienerdäpfel der Forelle beilegen.

Die Fischerhütte am Toplitzsee
Gößl 172, 8993 Grundlsee
Tel.: 03622/8296
info@toplitzsee.at
www.toplitzsee.at
Öffnungszeiten:
Mo. bis So., ab 10 Uhr
Mittwoch Ruhetag
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