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Ausgabe Nr. 22/2022 vom 31.05.2022, Foto: Universal Music
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Johnny Logan.
Herzinfarkt- Bruder und Vater tot
Die Erfolge in der Musik hat er immer wieder ausgeschöpft. Unter anderem, weil er zwei Mal den Song Contest gewonnen hat – in den Jahren 1980 und 1987. Das gelang keinem anderen Interpreten. Für den „politischen Sieg“ der Sänger aus der Ukraine hat er Verständnis. Singen ist zwar nach wie vor die liebste Beschäftigung des 68jährigen Iren Johnny Logan, nebenher widmet er sich jedoch mit viel Engagement einer Seniorenhilfe und sucht nach einem sonnigen Domizil. Die Zeit drängt, denn in seiner Familie gab es tödliche Herzinfarkte, wie er der WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers erzählt hat.
Herr Logan, Sie sind der König des Song Contests. Haben Sie die diesjährige Veranstaltung in Turin (Italien) mitverfolgt?
Ich sehe ihn nicht immer. Aber wenn, habe ich Spaß daran. Den Schluss spare ich allerdings immer aus. Ich kann mir die Punkteverteilung nicht anschauen, denn es bringt mich mental an einen Platz zurück, den ich mit Stress und Anspannung verbinde. Mein Herzschlag erhöht sich dann automatisch. Drei Mal habe ich das durchlitten (zwei Mal als Sänger und ein Mal als Komponist).

Aber Sie haben doch gewonnen.
Das sagt mir jeder (lacht). Aber ich musste trotzdem die elendslange Stimmenvergabe durchsitzen. Jeder Moment davon hat sich in mein Hirn gebrannt. Ein Trauma. Wenn ich den Showteil sehe, ist das zum Glück fast eine Lossagung davon.

Fanden Sie es gut, dass die Ukraine in diesem Jahr gewonnen hat?
Der Eurovision Song Contest sollte nicht politisch sein, aber diesmal habe ich Verständnis dafür. Was in der Ukraine passiert, ist so falsch. Und jeder weiß das. Deshalb war es an der Zeit, Eurovision politisch zu machen, um die Unterstützung für das Land zu demonstrieren. Ich sollte so was eigentlich nicht sagen.

Was braucht ein Siegerlied?
Es muss aus der Masse hervorstechen, sich aber auch mit den Menschen verbinden und sie berühren.

Besonders mit „Hold Me Now“ ist Ihnen das gelungen. Das Lied ist ein Balladen-Klassiker …
Ich realisierte irgendwann: Obwohl es mein Lied ist, das ich über eine unerwiderte Liebe geschrieben habe, gehört es nun allen Menschen, die Erinnerungen damit verbinden. Auch für mich bedeutet es heute etwas anderes. Meine Tante, die wie eine zweite Mutter für mich war, starb während der Pandemie. Als Kind ging ich immer nach der Schule zum Essen zu ihr. Wir haben gerade ihren Grabstein fertigen lassen. Wir ließen „We‘ll always be together“ (deutsch: „Wir werden immer zusammen sein“) eingravieren – eine Zeile aus „Hold Me Now“. Immer, wenn meine Tante betrunken war, rief sie meinen Namen, nahm mich in den Arm und sang laut „We‘ll always be together“. Ich habe das Lied bei ihrer Beerdigung mit meinem jüngsten Sohn in der Kirche auf Akustikgitarren gespielt. Plötzlich war es kein Liebeslied mehr, sondern ein Abschiedslied.

Wie leben Sie denn heute?
Wie ein Zigeuner – immer in einer anderen Stadt. So war es zumindest in den vergangenen beiden Jahren. Denn in Irland gab‘s in der Pandemie einen strengen „Lockdown“, da war es schwer mit dem Ein- und Ausreisen und arbeiten konnte ich auch nicht. Meine Managerin lebt in München (D), also habe ich den Großteil der Zeit dort verbracht. Es hat den Vorteil, dass ich immer greifbar bin, wenn es um Fernseh-Shows oder ähnliches geht. Meine Arbeitsmoral hat auch nach 42 Jahren nicht nachgelassen.

Müssen Sie noch arbeiten?
Ich hatte kürzlich ein Treffen mit meinem Buchhalter, der schaute zum ersten Mal ganz zufrieden drein. Am Anfang der Pandemie hatte ich tatsächlich darüber nachgedacht aufzuhören. Aber mein musikalisches Ich ließ das nicht zu. Ich schrieb sieben Lieder, die zu den besten gehören, die ich in den vergangenen 15 Jahren geschrieben habe. Trotzdem bin ich jetzt an dem Punkt, wo ich überlege, mir einen Platz im Sonnenschein zu schaffen.

Sie unterstützen seit eineinhalb Jahren die „LichtBlick Seniorenhilfe“ in München, warum?
Der Verein ist für Rentner da, die aus finanziellen Gründen Not leiden müssen. Altersarmut ist ein immer wichtigeres Thema, besonders für Frauen. Für mich war es eine wunderbare Erfahrung, auf die älteren Menschen zu treffen. Ich lernte eine Neunzigjährige kennen – und sie flirtete wie wild mit mir. Sie meinte: „Johnny, wenn ich 40 Jahre jünger wäre …“ Sie muss eine wunderschöne Frau mit 20 gewesen sein, denn auch mit 90 war sie noch schön. Ich habe gar nicht gewusst, dass ich bei der Zielgruppe so gefragt bin (lacht).

Welche Pläne haben Sie noch?
Ich würde gerne viel reisen. Vietnam reizt mich. Es hat kolonialen Einfluss und die Geschichte, wie sie gegen die Amerikaner kämpften. Aber mein sonniges Domizil würde ich mir gerne in Europa suchen, vielleicht in Spanien.

Was sagt Ihre Frau dazu?
Nun, Sie haben ja gefragt, was „meine“ Pläne sind. Mein Vater, ein Tenor, war 69, als er starb, und er sang bis zum letzten Tag. Ich bin jetzt 68. Mein kleiner Bruder starb vor sechs Jahren wie mein Vater an einem Herzinfarkt. Auch mein älterer Bruder hatte vor drei Jahren einen Herzinfarkt, aber überlebte. Ich habe ihn vor zwei Wochen das erste Mal seitdem wiedergesehen. Meine Schwester hatte Schilddrüsenkrebs, der aber zu 100 Prozent geheilt ist. Vielleicht sollte ich mich mit der Umsetzung meiner Pläne ein bisschen beeilen …
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