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Ausgabe Nr. 22/2022 vom 31.05.2022, Foto: ddp
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Die Königin hadert mit der schweren Krone.
Sie fürchtet den Rollstuhl und die Krone
70 Jahre sitzt sie schon auf dem englischen Thron, so lange wie kein Monarch vor ihr. Zum Platin-Thronjubiläum von Königin Elisabeth II. herrscht in England Ausnahmezustand. Die 96jährige Monarchin hat nichts von ihrer Beliebtheit eingebüßt. Zeitgleich laufen aber bereits die Vorbereitungen für ihr Ableben.
Es wird ein Spektakel. Die Engländer ziehen für das 70jährige Thronjubiläum ihrer Königin Elisabeth II., 96, alle Register. Vier Tage lang wird ab Donnerstag, 2. Juni, auf Paraden, Partys und Konzerten durchgefeiert.
Auch die beliebte Militärparade „Trooping the Colour“, die jährlich zu Ehren des Geburstages der Königin mit 1.400 Soldaten abgehalten wird, findet nach zweijähriger Corona-Pause wieder statt. Zudem werden im gesamten Königreich 4.200 Leuchtfeuer entzündet.

Den Platz vor dem Buckingham Palast ziert der 21 Meter hohe „Baum der Bäume“. Die Skulptur trägt mehr als 350 junge, im Königreich angesiedelte Bäume und soll die Pflanzung von einer Million Jubiläumsbäumen symbolisieren. Am Samstag treten dann berühmte Musiker wie Sir Elton John, 75, und die Rockgruppe „Queen“ auf. Beim Konzert vor dem Buckingham-Palast werden 10.000 Menschen erwartet – in der Partyzone rundherum dank Live-Übertragung eine halbe Million.

Inwieweit die Königin den Feiern beiwohnt, ist ungewiss. Über ihren Gesundheitszustand wird nicht erst seit ihrer Corona-Erkrankung im Februar viel spekuliert. Zuletzt wurde bekannt, dass sie zumindest bei ihrer Geburtstagsparade „Trooping the Colour“ wohl nicht dabei sein wird. Weil sie immer schwächer wird, könnte sie nur im Rollstuhl teilnehmen. Gemäß dem Motto „Nur keine Schwäche zeigen“ lehnte sie dies aber ab. Den Rollstuhl scheut sie.

Auch die Parlamentseröffnung am 10. Mai fand ohne sie statt. Ihr Sohn und Thronfolger, Prinz Charles, 73, ließ es sich nicht nehmen, seine Mutter auf dem Königssessel zu vertreten, den seine Mutter mit nur 25 Jahren bestieg.
Als am 21. April 1926 geborene Windsor-Tochter genoss sie nur eine kurze unbeschwerte Kindheit. „Lilibet“, wie ihre Familie sie nannte, interessierte sich für das Singen und Klavierspielen mit ihrer um vier Jahre jüngeren Schwester Prinzessin Margaret († 2002) und für Pferdebücher. Ihre Mutter hielt nur wenig von Disziplin. Dafür war ihre Großmutter umso strenger. „Sie lehrte mich, nicht herumzuzappeln und ließ meine Taschen zunähen, damit ich meine Hände nicht darin verstecken konnte“, erzählte Elisabeth II. einmal.

Als ihr Vater, König George VI., am 6. Februar 1952 starb, wurde seine Tochter noch in der gleichen Nacht Königin. Ein Jahr später, am 2. Juni 1953 wurde sie in der Westminster Abbey offiziell gekrönt.
Die holprige Kutschenfahrt zur Krönung war „sehr unbequem“, wie sie später gestand. Mit der schweren Krone hat sie bis heute Probleme. Immerhin wiegt die mit Perlen, Diamanten und anderen Steinen besetzte „Imperial State Crown“ 1,28 Kilo. „Man kann damit nicht nach unten blicken, um eine Rede zu lesen. Wenn man das täte, würde das Genick brechen oder die Krone würde herunterfallen.“

Im Jahr 1947 heiratete sie Prinz Philip († 2021). Die beiden kannten sich schon im Kindesalter. Als sie 13 Jahre alt war, begegnete sie ihm wieder. Elisabeth soll sich sofort verliebt haben. 73 Jahre dauerte ihre Ehe. Vier Kinder machten das Glück perfekt. Im April 2021 starb der Herzog von Edingburgh kurz vor seinem 100. Geburtstag. Die letzten Jahre ihrer Ehe verbrachten die beiden auf ihren Wunsch aber getrennt.

Niemals trennen könnte sie sich hingegen von ihren geliebten Corgi-Hunden. Zu Spitzenzeiten besaß die Königin mehr als 30 der kurzbeinigen Tiere. Eine englische Puppenkünstlerin schuf nun 20 flauschige Corgis. Sie werden am 5. Juni am Stock durch London „Gassi geschoben“.
Ihre Tage lässt Elisabeth II. gerne vor dem Fernseher ausklingen. Die Königin liebt Seifenopern. Am Abend genießt sie auch gerne etwas Alkoholisches. Vor Jahren wurde publik, dass vom Buckingham-Palast ein unteriridischer Geheimgang zu einer ihrer Lieblings-Bars in London führt.

Die Engländer nehmen das mit Humor. Laut einer aktuellen Umfrage ist sie das beliebteste Mitglied des Königshauses. Auf dem zweiten Platz folgt ihr Enkel, Prinz William, 39, während es Prinz Charles, der sich als Bio-Bauer übt, nur auf Platz fünf schafft.

Ihre Rekord-Monarchin werden die Engländer bis in den Tod verehren. Wenn Elisabeth II. stirbt, sollen die Kirchenglocken möglichst dumpf und schwermütig läuten. Deswegen werden sie mit „Leder-Schalldämpfern“ umhüllt. Die englischen Kürschner haben daher bereits alle Hände voll zu tun. Wenn die „Queen“ stirbt, wird der ranghöchste Beamte ihres Palastes den britischen Premier Boris Johnson, 57, informieren mit den Worten, „London Bridge is down“, was bedeutet, „Die London-Brücke ist eingestürzt“.
Dann herrscht bei den Briten eine zehntägige Staatstrauer.

Das Thronjubiläum im Fernsehen:

Die „Trooping the Colour“
Parade übertragen ORF2 und 3sat am 2. Juni, ab 10.15 Uhr.

„Die Barbara Karlich Show – Der Live-Talk zum Thronjubiläum der Queen“.
Am 2. Juni, 16.00 Uhr auf ORF2.

Gottesdienst aus der St. Paul‘s Cathedral in London Coverage
Am 3. Juni, ab 12.10 Uhr auf ZDF.

Thronjubiläumskonzert live aus London.
Am 4. Juni, ab 21.05 Uhr auf ORF3.

„ZDF History – Die Windsors: Elizabeth II. – ihre ersten Jahre“.
Am 5. Juni, 23.30 Uhr, ZDF.
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