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Ausgabe Nr. 22/2022 vom 31.05.2022, Foto: stock.adobe.com
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Eine Anleitung dazu, wie Sie psychopathische Chefs überleben können.
Hilfe, mein Chef ist irre
Verhaltensauffällige Führungskräfte können die Mitarbeiter drangsalieren und in den Wahnsinn treiben. Wie sie zu „behandeln“ sind, zeigt das neue Buch „Mein Chef ist irre, Ihrer auch?“ auf. Hier ein kleiner Vorgeschmack über den Umgang mit Tyrannen und Narzissten.
Selbstdarstellerisch und Selbstverliebt:
Der narzisstische Chef …
… ist süchtig nach Bewunderung, tritt arrogant auf.
… überschätzt seine Fähigkeiten und Talente.
… reagiert auf Kritik mit Wut oder Demütigung.
… meint, seine Probleme seien so einzigartig, dass sie nur von wenigen Menschen verstanden werden.
… tritt charmant auf und gewinnt sein Gegenüber zumindest anfänglich leicht für sich.
… weist einen Mangel an Einfühlungsvermögen auf.
… wird von starkem Neid und Missgunst geplagt.

Aus dem Alltag: Da ihr Chef, ein evangelischer Pfarrer, stets einfühlsam war, sah Susanne darüber hinweg, dass der verheiratete Mittvierziger eine Affäre mit seiner Sekretärin hatte. Als die Sekretärin jedoch ihre Arbeit vernachlässigte und dadurch eine Pannenserie auslöste, sprach Susanne dies offen aus. Der Kirchenmann brüllte sie vor versammelter Belegschaft an und meinte, sie lenke nur von ihrer eigenen Unfähigkeit ab. Susanne fiel aus allen Wolken. So explosiv kannte sie ihren Chef nicht. Kritik an der Sekretärin war für ihn gleichzeitig ein Angriff auf seine Person. Der Kirchenmann mit zwei Gesichtern sorgte dafür, dass Susanne gekündigt wurde.

So sollten Sie mit Narzissten umgehen: Der Narzisst versucht, Sie kleinzuhalten, damit Sie ihn ja nicht übertrumpfen. Geben Sie ihm teilweise Recht, um ihm Wind aus den Segeln zu nehmen. Besser noch, Sie steigen in ein Gespräch gleich mit einem Lob für ihn ein. Selbst konstruktive Kritik versteht er als Angriff auf sein Ego. Lassen Sie sich nicht in seine Machtspiele hineinziehen. Natürlich können Sie sich Ihrem Vorgesetzten nicht vollständig entziehen, suchen Sie aber nicht mehr Nähe als nötig. Falls alles nichts nützt, kündigen Sie.

Aggressiv und Autoritär:
Der tyrannische Chef …
… übt mit seinem feindselig-aggressiven Verhalten Druck und Macht aus, mit der Tendenz, andere bei jeder Gelegenheit zu bestrafen und zu entwerten.
… rechtfertigt sein aggressives Verhalten nach dem Motto „Ohne meine klare Ansagen funktioniert nichts“ oder „Manche brauchen eben einen Tritt in den Hintern“.
… ist zynisch und zeigt keine Tendenz zu Selbstkritik.
… ist intolerant, verfügt jedoch, wenn es um seine eigenen Ziele geht, über ein stoisches Beharrungsvermögen.

Aus dem Alltag: „Machen Sie sich keine Hoffnungen, hier geschieht, was ich will. Und ich will, dass Sie gehen. Wenn nicht, dann mache ich Sie fertig“, sagte der Abteilungsleiter gleich in der ersten Arbeitswoche zu Frau Schmidt. Beim Auswahlverfahren hätte er sich für einen anderen Bewerber entschieden, der Geschäftsführer jedoch für Frau Schmidt. Der Druck auf die IT-Expertin war von Beginn an allgegenwärtig. Jeden Tag wurde sie ohne sachlichen Grund tyrannisiert. Er sagte ihr mehrmals deutlich, dass sie die Falsche für diese Stelle sei. Bis es ihr schließlich zuviel wurde und sie das Handtuch warf.

So sollten Sie mit Tyrannen umgehen: Wenn Sie Ihr Chef aggressiv angeht, reagieren Sie nicht näher darauf. Antworten Sie stattdessen: „Darüber muss ich mir erst einmal Gedanken machen“ und verlassen Sie ruhig und gefasst den Raum.
Ermöglichen Sie dem tyrannischen Chef, auf Argumente einzugehen, die er schon einmal als „Schwachsinn“ vom Tisch gewischt hat. Diskutieren Sie jedoch nicht mit ihm aus, wer wie, wann, was gesagt oder getan hat. Es kommt nicht auf Details an. Ist Ihre Angst vor dem Tyrannen unüberwindbar und der Leidensdruck groß, denken Sie über eine Kündigung nach.

Kontrollieren und Beherrschen:
Der zwanghafte Chef …
… beschäftigt sich übermäßig mit Regeln und Listen, sodas das Wesentliche dabei unterzugehen droht.
… delegiert Aufgaben nur widerwillig, ist handlungsschwach und arbeitet ungern mit anderen zusammen.
… ist extrem unentschlossen.
… zeigt sich selbst über die Maßen gewissenhaft, ist aber stur gegenüber allem, was von seiner festgefahrenen Wertewelt abweicht.
… ist sparsam bis geizig in Bezug auf Zeit und Geld, sofern er keinen persönlichen Vorteil hat.

Aus dem Alltag: Meine Kollegin Hanna hatte einen Arzttermin für 17 Uhr vereinbart. An diesem Tag war der Chef außer Haus, weshalb Hanna, die ihre Arbeit erledigt hatte, eine halbe Stunde früher das Büro verlassen wollte. Da kam ihr der Chef entgegen. Er fuhr sie an, warum sie schon gehe, sie habe sich wie alle anderen an Regeln zu halten. Es folgte ein Wortwechsel, woraufhin sie sich wütend an ihren Schreibtisch setzte. Hanna fühlte sich zum wiederholten Male grundlos schikaniert und kündigte.

So sollten Sie mit Zwanghaften umgehen: Informieren Sie Ihren Chef regelmäßig darüber, dass die Arbeitsvorgänge genau so laufen, wie er es sich vorstellt. Finden Sie heraus, was ihm wichtig ist und zeigen Sie ihm, dass Sie genau auf diese Punkte ein besonderes Augenmerk legen.
Legen Sie Ihrem Chef stets alle wichtigen Unterlagen vor. Vermeiden Sie ein Verhalten, bei dem er sich übergangen oder nicht eingeweiht fühlt. Dadurch kann Ihr Chef möglicherweise etwas Vertrauen in Sie gewinnen, was zu einer leichten Entspannung führt.

Ich, Ich, Ich – Und dann lange Nichts
Der egomanische Chef …
… zeigt ein extremes Ich-Suchtverhalten und lebt in ständiger Angst, stets zu kurz zu kommen.
… hat wenig bis gar kein Einfühlungsvermögen.
… überschätzt seine Fähigkeiten und erwartet, jederzeit als „herausragend“ respektiert zu werden.
… wünscht sich selbst eine bevorzugte Behandlung.
… sieht in jedem Kritiker einen Todfeind.
… ist oft intelligent genug, sich geschickt zu tarnen.
… nutzt andere für seine eigenen Ziele aus.

Aus dem Alltag: Herr Berger berichtet von seinem Abteilungsleiter, der in der Adventzeit Wochenend-Dienste anordnete. Er wollte ein für seine eigene Karriere wichtiges Projekt fertigstellen. Die Mitarbeiter beschwerten sich daraufhin, weil sie Zeit mit ihren Familien verbringen und Weihnachtsgeschenke einkaufen wollten. „Weihnachten wird überschätzt“, meinte der Abteilungsleiter daraufhin lapidar und ließ sich auf keine weitere Diskussion ein.

So sollten Sie mit Egomanen umgehen: Erwarten Sie nicht, dass er einsichtig ist und sein Verhalten ändert. Kritisieren Sie ihn nie und bieten Sie ihm keine Angriffsfläche. Machen Sie Ihre Arbeit, auch wenn Sie oft keinen Sinn in den Anweisungen sehen. Gehen Sie dem Egomanen, wenn möglich, aus dem Weg. Auch wenn er nicht über den perfiden Charme eines Narzissten verfügt, fällt es dem Egomanen leicht, andere dazu bringen, nach seiner Pfeife zu tanzen.
Nehmen Sie nichts persönlich. Das ist schwierig, aber wenn
Sie es mit einem Egomanen aushalten wollen oder müssen, sollten Sie daran arbeiten. Spätestens, wenn Sie spüren, dass Ihr Selbstbewusstsein extrem leidet, kündigen Sie ehestmöglich.
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