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Ausgabe Nr. 20/2022 vom 17.05.2022, Foto: THOMAS & THOMAS
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Die deutsche Schauspielerin und Autorin Ann-Kathrin Kramer wurde am 4. April 1966 in Wuppertal (D) geboren. Bekannt wurde sie 1995 als Privatdetektivin „Caro Koslowski“ der ARD-Krimiserie „Die Partner“ und als Kommissarin Lizzy Krüger in der ZDF-Reihe „Das Duo“.

Aus ihrer Beziehung mit dem Schauspieler Jan Josef Liefers, 57, stammt Sohn Leonhard, 25. Seit dem Jahr 1999 ist sie mit dem Schauspieler Harald Krassnitzer zusammen. Das seit 2009 verheiratete Paar lebt in Wuppertal und in Krassnitzers Wahlheimat Mieming in Tirol.
„Ich wohnte in einer Fabrik“
In der Komödie „Hochzeit in Rom“ (Sa., ORF2, 9.05 Uhr) erheitert sie die Gemüter. Hier spricht die Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer, 56, über das Heiraten, das Ende der 100prozentigen Spaßgesellschaft und ihre Buch-Heldin „Matilda“. Die wohnt, wie sie selbst als Kind, in einem Haus ohne Fenster.
Frau Kramer, Sie spielen in der Komödie „Hochzeit in Rom“ an der Seite von Harald Krassnitzer, Ihrem Mann, ein Ehepaar. Wurden da Erinnerungen an die eigene Hochzeit wach?
Eher erinnere ich mich an unsere gemeinsamen Dreharbeiten in Rom (I), für mich eine der faszinierendsten Städte der Welt. In den fünf Wochen erlebte ich Rom in allen Facetten. Zum einen war an jeder Ecke die ehemalige Blüte der Stadt sichtbar, gleichzeitig war da etwas Morbides und ein gewisser Verfall zu spüren. Wenn zum Beispiel die italienischen Kollegen in der Früh zu spät kamen, weil weder die U-Bahn, noch der Bus fuhr. Bei alledem ist der Film heiter und fröhlich geworden.

Also hatten Sie gar keine romantischen Reminiszenzen an Ihre Hochzeit …
Es hat nicht so große Parallelen gegeben, zumal es doch schon eine Weile her ist und mein Mann und ich nicht in Rom, sondern in der traumhaften Wachau (NÖ), die so schön ist wie ganz Österreich, geheiratet haben.

Zieht es Sie im Urlaub eher in ländliche Gefilde?
Ich mag es, in Städte zu reisen und dort Museen zu besuchen, bin aber eher landaffin. Das ist der Arbeit geschuldet, die große Konzentration erfordert. Mein Mann und ich sind gerne in der Natur, möglichst unter nicht vielen Menschen, das sind entspannende Momente.

Entspannung brauchen wir mehr denn je. Wie gehen Sie mit den herausfordernden Umständen um?
Es ist eine harte Zeit für uns alle. Corona hat uns extrem gefordert, dann die Situation mit dem Krieg obendrauf. Ich habe das Gefühl, wir alle bewegen uns in einem Grenzbereich. Im ganz normalen Alltag, ob auf der Straße oder beim Einkaufen, bemerke ich, dass die Zündschnur bei vielen Menschen extrem kurz ist. Sie sind grantig, flippen rasch aus und sind auf Abwehr. Unser Zusammenleben ist ziemlich anstrengend geworden, weil das Entspannte, wie es einmal wahr, nicht mehr in dem Ausmaß vorhanden ist. Natürlich verstehe ich das, weil der Druck größer geworden ist. Ich wünsche mir dennoch, dass wir mehr zusammenrücken. Die Zeit der hundertprozentigen Spaßgesellschaft, in der sich jeder nur um sich selbst gekümmert hat, ist vorbei. Vielleicht finden wir eine neue Form von Verbundenheit mit Familie und Freunden, indem wir uns mehr dem „Du“ als dem „Ich“ zuwenden. Ich kann mir vorstellen, dass wir dadurch freundlicher und folglich glücklicher werden.

Noch ist davon kaum etwas zu merken …
Ja, was ich durchaus verstehe, denn wir reden hier von längerfristigen Prozessen. Die Zeiten, in denen wir die Welt als Selbstbedienungsladen betrachtet haben, sind vorbei. Unsere Ressourcen sind begrenzt, der Tag, an dem gewisse Dinge einfach nicht mehr gehen, wird kommen. Obwohl wir auf das eine oder andere verzichten, möchten wir ein gutes Leben haben. Wir alle wissen, worum es geht, aber wehren uns noch dagegen. Stattdessen sollten wir aufeinander zugehen und uns aus der eigenen Überzeugung heraus mit anderen absprechen. Da sind wir wieder beim Heiraten, wo sich ein bisschen der Kreis schließt. Schon etwas aus der Mode gekommen, ist das Heiraten in den vergangenen Jahren nahezu mit einer Wucht wiedergekehrt. Was auch schön ist, aber wir sollten bitte nicht in den alten Traditionalismus verfallen, sondern frisch, zugewandt und gleichberechtigt zueinander „Ja“ sagen.

Stichwort „Gleichberechtigung“. Fällt Ihnen dazu etwas in Ihrem Beruf ein beziehungsweise auf?
Es ist eindeutig so, dass für Frauen ab 30 weniger Geschichten geschrieben werden. Was auch damit zu tun hat, wer uns die Welt erzählt. 70 bis 80 Prozent der Autoren sind Männer. Dazu kommen bestimmte gesellschaftliche Bilder. Wenn zum Beispiel Schauspieler gleichen Alters ein Ehepaar verkörpern, denkt sich der Zuschauer schon, „der hat aber eine alte Frau“. Was ich wahnsinnig ärgerlich finde, denn Geschichten, die Frauen ab 45 erleben, werden nur selten erzählt. Als wäre das nicht mehr interessant. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Die Kinder sind groß, manche Männer weg und die Frauen orientieren sich neu und verwirklichen ihre Träume. Das wäre ein bunter Strauß an Geschichten, die alle nicht erzählt werden. Aber ich denke, dass sich auch in diesem Bereich etwas tun wird.

Bleibt bei alledem Ihre Leidenschaft für die Schauspielerei ungebrochen?
Ja, wobei ich es natürlich anders angehe als früher. Es ist mir nicht mehr so wichtig, alles zuzusagen oder bei jedem Fest dabei zu sein. Und neben der Schauspielerei schreibe ich auch gerne.

Gibt es eine Fortsetzung Ihrer beiden Kinderbücher? Wie viel hat Ihre Titelheldin „Matilda“, die an „Pippi Langstrumpf“ erinnert, von der „kleinen“ Ann-Kathrin?
Ein bisschen etwas von mir steckt natürlich auch in der Matilda drinnen. Auf die Idee zum Buch kam ich, als mich eine Bekannte von früher fragte, ob ich denn wisse, wie ich damals genannt wurde. Ich verneinte und sie sagte, ich sei das Mädchen aus dem Haus ohne Fenster gewesen. Wir haben tatsächlich in einem Haus gewohnt, das straßenseitig keine Fenster hatte, nur die Hinterseite war verglast. Ich bin in einer ehemaligen kleinen Fabrik, einem Backsteingebäude, aufgewachsen. Da sind sofort Bilder in meinem Kopf entstanden und damit die Idee zu „Matilda – Das Mädchen aus dem Haus ohne Fenster“. Aber wer weiß, vielleicht zieht Matilda im dritten Band ja in ein Haus mit Fenstern (lacht).

Warum schreiben Sie für Kinder?
Mich interessiert, was Kinder denken, weil ihre Sichtweisen so eindeutig sind. Da gibt es keine falschen Höflichkeiten, entweder es gefällt etwas oder es gefällt nicht. Deshalb fände ich es schön, mit dem Gedankengut der Kinder pfleglicher umzugehen, weil wir im Erwachsenenalter davon profitieren könnten.

Wie könnten Ihres Erachtens Kinder wieder mehr Gefallen am Lesen von Büchern finden?
Kinder betrachten sehr aufmerksam ihre Umwelt und finden ihre Vorbilder. Wir erreichen Kinder nicht dadurch, dass ihnen ständig gesagt wird, sie sollen doch bitte lesen. Wir können es ihnen nur vorleben. Wenn Eltern lesen, dann lesen auch die Kinder. Wenn Eltern kochen, dann kochen auch die Kinder. Weil sie bildend sind, kommen die Erfahrungen und Erlebnisse der Kindheit irgendwann zurück.
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