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Ausgabe Nr. 20/2022 vom 17.05.2022, Foto: Stefan Reinberger
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Rituale nach den Prinzipien der Lakotas.
Die „Weiße Büffelfrau“ grüßt den Morgen
Im Einklang mit der Natur befindet sich Elisabeth Windbacher seit mehr als 20 Jahren. Dass die 48jährige dazu in Indianerkleidung schlüpft, ist nicht dem Spaß geschuldet. Wenn sie sich in die „Weiße Büffelfrau“ verwandelt, lebt sie auch die Spiritualität der amerikanischen Ureinwohner. Sie schläft in einem Tipi und kocht über offenem Feuer nach dem Speiseplan der Natur.
Wakan Tanka, ich danke dir, dass du uns wieder einen schönen Morgen geschenkt hast“, sagt die „Weiße Büffelfrau“, nachdem sie ihrem Zelt entstiegen ist. Sie hält ein bunt bemaltes, längliches Stück Holz in ihren ausgestreckten Händen, das sie langsam nach den vier Himmelsrichtungen, so wie nach oben und schließlich zur Erde hin ausrichtet, während sie bei jeder Himmelsrichtung ihre Worte andächtig wiederholt.

Bei ihrem morgendlichen Ritual trägt sie ein ledernes, weißes Fransenkleid, um die Schultern liegt eine Art Pelzumhang und in ihren langen, schwarzen Haaren steckt eine Adlerfeder. Eine Szene wie aus dem „Wilden Westen“ der Ureinwohner Nordamerikas, aber zelebriert im friedlichen Osten unseres Landes. Denn die „Weiße Büffelfrau“ heißt mit bürgerlichem Namen Elisabeth Windbacher und lebt im Bezirk Neunkirchen (NÖ). Eine waschechte Österreicherin, die sich spirituell dem Stamm der Lakotas zugehörig fühlt.

Eine Schneeeule bereitete den Weg zur „Weißen Büffelfrau“
„Wakan Tanka ist in der Sprache der Lakota unser aller Schöpfer“, erklärt die 48jährige. „Er ist immer in und um uns. Nicht als Person, sondern als unerschöpfliche Lebenskraft“, erklärt sie den Begriff. „In der Hand halte ich bei meinen Zeremonien meist die Chanunpa. Sie symbolisiert die Heilige Pfeife der Lakota“, lüftet sie auch das Geheimnis um das farbige Stück Holz. Das ihr, wie auch ihr Lakota-Name, von Wakan Tanka gegeben wurde. Wie er das gemacht hat – nun, der Reihe nach.

Windbachers Hinwendung zu einer spirituellen Lebensweise erfolgte vor mehr als 20 Jahren aufgrund eines ganz besonderen Erlebnisses. „Ich bin hier in der Gegend mit dem Auto zu einem Termin gefahren“, erinnert sich die gelernte Juwelierin. „Plötzlich sah ich am Straßenrand auf einem Baumstamm eine Schneeeule sitzen, mehr als einen halben Meter groß“, berichtet Windbacher.
„Im Rückspiegel habe ich gesehen, dass mir der Vogel nachschaut. Ich war so fasziniert, dass ich umgedreht und an der Eule langsam noch einmal vorbeigefahren bin. Und wieder hat sie den Kopf nach mir gedreht. Als ich mit einem Jäger über diese Begegnung sprach, sagte er mir, dass das nicht sein könne, weil es in dieser Region keine Schneeeulen gibt.“

Die Niederösterreicherin besorgte sich ein sogenanntes Tierbotenbuch, um in Erfahrung zu bringen, was ihr diese Erscheinung sagen wollte. Und sie wurde fündig.
„Eine Eule kündigt Veränderung an, im Sinn von Wachsen, Lernen, Reifen. Der Weg der Eule ist der des Lernens, des Erfahrens und der Einweihung“, weiß sie heute.
Es kam, wie prophezeit. Windbacher begann sich für fremde Kulturen zu interessieren, wuchs dabei und reifte. „Vor allem die Indianerstämme faszinierten mich. In ihrer Naturverbundenheit, die sich auch in ihrer Mythologie und in ihrer Religion ausdrückte, fand ich mich wieder.“

Bei ihren Recherchen stieß sie auf die Figur der „Weißen Büffelfrau“, ein Geistwesen, das dem Stamm der Lakotas die Heilige Pfeife geschenkt haben soll. „Dann fand ich in einem Bachbett einen Stein, der die Konturen eines Büffels hatte. Und in der Natur zeigte sich mir diese Figur in Form von Wolken- und Felsformationen immer wieder“, erzählt die 48jährige von den Erlebnissen, die sie veranlassten, in diese Rolle zu schlüpfen. „Es war, als hätte mich Wakan Tanka gefunden und nicht ich ihn.“

Mit Musik will sie die Botschaft eines friedlichen Zusammenlebens überbringen
Seit vielen Jahren lebt Windbacher nun schon gemeinsam mit ihrer Partnerin Sabine nach den Prinzipien dieses Naturvolkes. Wie es sich für Indianer gehört, wird, sobald es die Temperaturen zulassen, in einem Tipi übernachtet. „Das wir gerade mit einer neuen Plane bespannen. Büffelfell, wie es die Lakota verwendet haben, ist hierzulande nicht zu bekommen. Aber wir wollen die Plane zumindest mit Büffelfett imprägnieren.“

Gekocht wird nach dem Speiseplan der Natur über einer offenen Feuerstelle, Kräuter und Gemüse liefert der eigene, kleine Garten. „Früher sind oft Kinder und Jugendliche zu uns gekommen, die mit uns ums Lagerfeuer gesessen sind und ich habe ihnen von den Lakota erzählt. Sie waren ganz angetan davon, wenn sie Sabine dabei zugeschaut haben, wie sie mit einem Feuerstein den Zunder zum Brennen gebracht hat. Mit der Pandemie sind die Kontakte zu den jungen Menschen aber leider abgebrochen.“

Um sie wieder zu erreichen, hat Windbacher sogar ein Lied und ein Musikvideo auf eigene Kosten in einem Studio produziert. Mit vielen elektronischen Klängen entspricht „The Cree People“ wohl ganz dem Musikgeschmack der jungen Generation. Bei Interesse stellt die „Weiße Büffelfrau“ ihre Single auch gerne in Tanzklubs persönlich vor (Anfragen per E-Mail: kontakt0whitebuffalo@outlook.com), um ihre Botschaft eines naturverbundenen, friedlichen Zusammenlebens in Freiheit musikalisch zu überbringen. Was in Zeiten wie diesen einen Wert darstellt, an den es sich zu erinnern lohnt.
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