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Ausgabe Nr. 20/2022 vom 17.05.2022, Foto: ddp
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Margaret Rutherford als Kult-Detektivin Miss Marple.
Margaret Rutherford starb vor 50 Jahren: Ein Leben wie ein Kriminalfilm
Ein Mord und ein Selbstmord im engsten Familienkreis – das Leben von Margaret Rutherford könnte sich die Krimi-Königin Agatha Christie ausgedacht haben. Von ihr stammt indes nur die Figur der Miss Marple, die der Darstellerin zu Ruhm verhalf.
Bereits als sie am 11. Mai 1892 geboren wurde, musste sie ein mörderisches „Binkerl“ tragen. Margaret Rutherfords Vater hatte Jahre zuvor ihren Großvater, einen für seine Armenfürsorge bekannten Geistlichen, mit einem Nachttopf erschlagen.

Da er bei der Verhandlung vor einem Geschworenengericht verwirrt wirkte und den Richter als „Pontius Pilatus“ anredete, landete er in einer psychiatrischen Anstalt für Straftäter. Nach sieben Jahren wurde er als angeblich geheilt in die Obsorge seiner Frau entlassen.

Bald danach kam Margaret auf die Welt, und die Familie wanderte nach Indien aus, wo der Vater als Kaufmann arbeitete. Als die Mutter mit einem Geschwisterchen für ihre Tochter schwanger wurde, beging sie Selbstmord.
„Ich war damals knapp zwei Jahre alt und habe das Ausmaß der Tragödie natürlich nicht erkannt“, erzählte Margaret Rutherford. „Mir fehlte meine Mama. Alles andere verstand ich nicht. Nach der Rückkehr nach Großbritannien wuchs ich den Rest meiner Kindheit und Jugend bei Tante Bessie auf, der Schwester meiner Mutter. Sie kümmerte sich rührend um mich, und ich habe an diese Zeit nur schöne Erinnerungen. Ausgenommen mein zwölftes Lebensjahr, als mir Tante Bessie schonend beibrachte, was sich in meiner Familie alles zugetragen hatte. Ich war todtraurig, doch mit der Zeit überwand ich es.“

Ihr erstes Geld verdiente sich Margaret Rutherford, die in einem Mädchenpensionat Klavierspielen gelernt hatte, als Klavierlehrerin. Mit ihrem Vater verkehrte sie nur brieflich, er starb 1921 in einer psychiatrischen Klinik. 1923 starb auch ihre Tante, und mit dem Erbe erfüllte sich Rutherford einen lange gehegten Wunsch: Sie nahm Schauspielunterricht.

„Als ich dann das erste Mal auf einer richtigen Bühne stand, war mein Glück vollkommen“, gestand sie später. Und sie bekam in der Folge viel öfter gute als schlechte Kritiken.
Berühmt machte sie allerdings erst ihre Arbeit vor der Kamera. Und da vor allem ihre Auftritte als von Agatha Christie ersonnene Detektivin Miss Marple. Mit ihrem Gesicht, das ähnlich zerknautscht war wie der Trenchcoat ihres Kollegen Columbo, war sie die Idealbesetzung für die Rolle. Den „Oscar“ erhielt sie jedoch als Nebendarstellerin in dem Drama „Hotel International“.

Bis zu ihrem Tod war Margaret Rutherford mit ihrem Schauspielkollegen Stringer Davis verheiratet, der auch ihr Partner in allen vier Miss-Marple-Filmen war.
Sie starb am 22. Mai 1972 an den Folgen einer Zahn-Operation. Fünf Jahre zuvor hatte Königin Elisabeth II. die Unverwechselbare in den Ritterstand erhoben.

„Die wahre Miss Marple – Der kuriose Fall Margaret Rutherford“
Sonntag, 22.5., 9.35 Uhr, ORF2
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