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Ausgabe Nr. 19/2022 vom 10.05.2022, Fotos: HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com, ruzic
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Eishockey-Tormann Bernhard Starkbaum vor der WM.
„Ich gehe 20 Kilo schwer gepanzert in jedes Spiel“
Die gegnerischen Scharfschützen nehmen ihn mit bis zu 140 km/h schnellen Pucks unter Beschuss. Um sich zu schützen, stemmt sich der rot-weiß-rote Nationaltormann Bernhard Starkbaum, 36, bei der bevorstehenden Eishockey-WM in Finnland mit einer 20 Kilo schweren Panzerung seinen Rivalen entgegen.
Ein Königreich für einen Gepäckträger. Davon träumt der Wiener Bernhard Starkbaum, 36, beinahe täglich. „Die Tasche mit meiner Ausrüstung samt Ersatzteilen, die ich jeden Tag in die Halle schleppen muss, wiegt locker 40 Kilo“, erzählt der Tormann der Vienna Capitals, der in wenigen Tagen mit dem heimischen Nationalteam bei der A-Weltmeisterschaft in Finnland (13. bis 29. Mai) antritt. „Gehe ich ins Spiel, trage ich eine Schutzausrüstung von etwa 20 Kilo am Körper, mit Schweiß vollgesogen erhöht sich dies noch um ein paar Kilo“, weiß er.

Ein Superpanzer, der unverzichtbar ist. Physiker haben errechnet, dass ein auf 140 km/h beschleunigter, 170 Gramm schwerer Puck mit dem Äquivalent eines Gewichtes von bis zu 400 Kilo auf den Körper des Torwartes auftrifft. Gleitet Starkbaum am Samstag beim ersten WM-Duell gegen Schweden aufs Eis, trägt er deshalb mehr als ein Dutzend verschiedener Teile an Schutzausrüstung am Körper. Darunter befindet sich ein Vollvisierhelm, Genitalschutz, Knieschützer, eine speziell gepolsterte Unterhose, eigene Tormannschlittschuhe, riesige Beinschoner und ein zehn Zentimeter dicker Brustpanzer. Zusätzlich kommen ein Halsschutz, ein Kehlkopfschutz aus einer Art Plexiglas sowie ein Handgelenksprotektor zum Einsatz.

„Wenn ich es ruhig angehe, brauche ich 20 bis 25 Minuten, um die gesamte Ausrüstung anzuziehen“, schildert der Athlet. Schwere Verletzungen bei Tormännern sind keineswegs selten. Alleine in den vergangenen Monaten wurden mit Weltmeister Alex Ovechkin (Russland), dem Stanleycup-Sieger Antti Raanta (Finnland), dem zum besten WM-Torhüter 2018 gewählten Frederik Andersen (Dänemark) und dem Tschechen Petr Mrázek etliche prominente Schlussmänner verletzt. Starkbaum selbst hatte hatte bisher in seiner Karriere, die ihn bis nach Schweden und in die Schweiz führte, zum Glück kaum schwere Verletzungen.

Der 91 Kilo schwere Nationalspieler liebt seine von Künstlerhand gestalteten Helme, auf denen in jeder Saison ein neues „Airbrush“-Design zu sehen ist. „Auf den meisten Helmen sind Comic-Superhelden wie Wolverine zu sehen, bei der WM trage ich ein Motiv, das meinen eigenen Werdegang und die Logos meiner bisherigen Vereine zeigt“, erzählt er.

Für die WM hat sich der Wiener angesichts hochkarätiger Gegner wie Finnland, Tschechien und der USA einiges vorgenommen, auch wenn sein Team nur dank des WM-Ausschlusses von Russland und Weißrussland infolge des Ukraine-Krieges einen Startplatz erbte. „Unsere Mannschaft hat in den Partien wie beim 0:1 gegen Schweden selbst gegen Klassegegner deutlich schneller und stärker gespielt als früher. Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind, zumindest den Klassenerhalt zu schaffen, vielleicht aber auch eine Überraschung zu liefern.“

Auf dem Eis beschreibt sich der Tormann, der rund fünf Liter Wasser pro Spiel trinkt, selbst als ruhigen Typ, der die Kontrahenten nicht wie andere niederschreien würde. „Mein Konzept ist eher, den Gegner zum Lachen zu bringen“, betont er, der, wenn das Spiel vorbei ist, gerne viel „Blödsinn“ macht. „Spaß zu haben, finde ich, ist im Leben das Wichtigste.“

Nach diesem Motto gestaltet er auch sein Privatleben, in dem der „Härtling“ seine weiche Seite zeigt. Als geschiedener Vater von Lion, 7, und Leni, 5, kümmert sich Starkbaum jeden zweiten Tag um seine Kinder. „Es ist eine große Herausforderung, die mir aber gefällt“, schildert er. Die Tochter nimmt Tanzunterricht, aber der Sohn komme ganz nach dem Vater. „Lion spielt wie ich Eishockey im Verein.“

Unsere WM-Spiele in Gruppe B
14. Mai, 11.20 Uhr Schweden – Österreich
15. Mai, 15.20 Uhr Österreich – USA
17. Mai, 15.20 Uhr Tschechien – Österreich
18. Mai, 15.20 Uhr Norwegen – Österreich
20. Mai, 19.20 Uhr Lettland – Österreich
21. Mai, 15.20 Uhr Österreich – Finnland
23. Mai, 19.20 Uhr Österreich – Großbritannien
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