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Ausgabe Nr. 19/2022 vom 10.05.2022, Fotos: www.PPS.at, Armando Gallo / Zuma / picturedesk.com
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Schauspieler Jim Carrey, 60, zieht sich zurück.
„Ich habe genug getan“
Er gilt als Blödler der Superlative. Hinter der Fassade kämpfte Jim Carrey lange Zeit gegen Depressionen. Auch weil sich seine Ex-Freundin das Leben nahm. Die Schauspielerei will Carrey, der derzeit in „Sonic the Hedgehog 2“ im Kino zu sehen ist, an den Nagel hängen.
Ich gehe in den Ruhestand. Ich meine es relativ ernst“, schockte Jim Carrey, 60, kürzlich die Filmwelt. Derzeit flimmert er noch als Bösewicht „Dr. Eggman“ in „Sonic the Hedgehog 2“ über die Leinwand. Der Film mit dem superschnellen, blauen Igel „Sonic“ aus den gleichnamigen Videospielen ist im Kino auf Erfolgskurs.
Carrey will es nun ruhiger angehen. Er lebt seit Jahren zurückgezogen, Inspiration findet er beim Malen. „Ich mag mein ruhiges Leben, und ich mag es, Farbe auf die Leinwand zu pinseln. Ich liebe mein spirituelles Dasein.“ Von seinem alten Leben braucht er Abstand, sein Besitz reicht ihm.

Als Kind Fabriksarbeiter
„Ich habe genug getan und bin mir selbst genug“, sagt der sonst für Gesichtsakrobatik bekannte Mime.
Ein Spaßvogel war der am 17. Jänner 1962 in Newmarket, Ontario, geborene Kanadier schon als Kind. „Ich schlief oft mit Steppschuhen, nur für den Fall, dass meine Eltern in der Nacht etwas Aufmunterung brauchten“, erzählt er lachend.
Als er zwölf Jahre alt war, verlor sein Vater seine Anstellung als Musiker. „Das war ein Schlag in die Magengrube. Wir haben eine Zeitlang in einem VW-Bus gelebt und alle zusammen als Sicherheitsteam und Portiere gearbeitet. Ich bin zur Schule gegangen, danach hatte ich noch einen Acht-Stunden-Tag in einer Fabrik.“

In der Schule gab er dennoch den Klassenclown. Mit seinen Lehrern traf er eine Vereinbarung. „Ich bekam täglich eine Viertelstunde Zeit, um Scherze zu treiben, wenn ich mich dafür den restlichen Tag zusammenriss.“ Mit sieben Jahren bekam Carrey einen Auftritt in der „Sesamstraße“. Drei Jahre darauf bewarb er sich bei der Sketch-Sendung „Carol Burnett Show“. Die Moderatorin Burnett sagte ihm jedoch ab mit den Worten: „Bleib in der Schule, lerne fleißig und schau weiterhin unsere Show.“

Peinlicher erster Auftritt
Doch damit wollte er sich nicht abfinden. Sein erster Komiker-Auftritt, etliche Jahre später, war jedoch ein Flop. Mit einem gelben Anzug bekleidet, versuchte er, das Publikum zum Lachen zu bringen, das ihn mit Schweigen strafte. Erst Klamauk-Filme wie „Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv“, „Dumm und dümmer“ und „Die Maske“ (alle 1994) machten Carrey zum berühmten Komiker.
In der Liebe hingegen hatte er lange Zeit nichts zu lachen. Im Jahr 1987 trat er mit der ehemaligen Kellnerin Melissa Wormer vor den Altar. Ihre gemeinsame Tochter Jane Carrey, 34, versucht sich heute vor allem als Sängerin. Die Ehe ging nach acht Jahren in die Brüche. Ehe Nummer zwei mit seiner Schauspielkollegin aus „Dumm und dümmer“, Lauren Holly, 58, hielt sogar nur neun Monate. Nach zwei teuren Scheidungen ist er auf Scheidungsanwälte schlecht zu sprechen. „Ich jage alle Rechtsanwälte von Exfrauen in die Hölle.“

Trost fand er bei der Mimin Renée Zellweger, 52. Gefunkt hatte es bei den Dreharbeiten zu „Ich, beide & sie“. Doch nach nur einem Jahr war Schluss. Vergessen konnte er die blonde Schönheit nie. „Renée Zellweger war die Liebe meines Lebens“, verriet er Jahre danach.

Selbstmord seiner Ex-Freundin
Im Jahr 2005 angelte er sich das Modell Jenny McCarthy, 49. Nach fünf Jahren ging auch diese Beziehung in die Brüche. Grund sollen Carreys Depressionen gewesen sein. „Die verrückten Hochs und seine so düsteren Tiefs waren einfach zu viel für McCarthy“, packte ein Bekannter aus.
Heute hat Carrey seine Depressionen weitgehend überwunden. „Früher hatte ich Tage, an denen ich voll unten war und mich aus dem Bett quälen musste.“ Antidepressiva halfen ihm über den Tag, außerdem sprach er regelmäßig mit einem Psychologen. Die Wurzeln seiner Probleme sah er in der Armut seiner Kindheit. „Die beste Therapie ist, wenn ich mich zum Malen in mein Atelier zurückziehe. Ich muss kreativ sein. So kann ich verarbeiten, was mir passiert. Auch wenn jemand mein Herz bricht. Das ist mir oft genug passiert.“ Heute ist er „mit sich so im Reinen wie noch nie.“

Einen Dämpfer verpasste ihm jedoch der Tod seiner Ex-Freundin Cathriona White. Mit ihr war er innerhalb von drei Jahren immer wieder zusammen. Wenige Tage nach ihrer letzten Trennung starb White im September 2015 an einer Medikamentenüberdosis. Whites Ex-Mann und ihre Mutter machten Carrey dafür verantwortlich. Er soll ihr die Medikamente besorgt haben. Außerdem soll er sie mit sexuell übertragbaren Krankheiten wie HPV und Herpes angesteckt haben.

„Ich liebte das Leben. Dann traf ich dich und du hast mir Kokain, Prostituierte, seelische Misshandlungen und Krankheiten gezeigt“, soll Carreys Ex ihm in einem Brief vorgeworfen haben, der gegen ihn verwendet wurde. Carrey stritt alles ab und sah sich als Opfer einer Intrige.
Zu seinem Glück nahm der Fall eine Wende. Denn Carreys Anwalt konnte beweisen, dass seine Ex Arzt-Atteste gefälscht hatte, laut denen sie selbst keine Geschlechtskrankheiten hatte, bevor sie ihn kennenlernte. Deswegen ersparte sich Carrey den Weg vors Gericht.
Zurück auf die Leinwand will er nicht, lässt sich aber ein Hintertürchen offen. „Wenn mir die Engel ein Drehbuch bringen würden, das mit goldener Tinte geschrieben ist und mir mitteilt, dass die Menschen den Film unbedingt sehen müssten, dann vielleicht“, witzelt er.
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