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Ausgabe Nr. 19/2022 vom 10.05.2022, Foto: Martin Hasibar/MFOCUS.AT
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Wunderkinder – Teil 4: Max Spiess, 17
„An Ziele glauben und denken wie ein Kind“. Mit dem Verkauf von „altem Klumpert“ vor dem Haus seiner Eltern in Niederösterreich hat Max Spiess als Fünfjähriger erste unternehmerische Schritte unternommen. Seine Visionen sind geblieben, immer neue Projekte hat er erfolgreich umgesetzt. Wenn er voll geschäftsfähig ist, will er die nächsten Schritte setzen.
Das Verkaufen lag schon immer in den Genen von Max Spiess. Als der Niederösterreicher fünf Jahre alt war, suchte er im Haus seiner Eltern „altes Klumpert“ zusammen, stellte ein Tischchen als Verkaufspult auf die Straße und wartete. „Das Lustige war, dass bei uns an einem normalen Tag höchstens drei Personen vorbeigekommen sind“, erinnert er sich zwölf Jahre später. „Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen aufzuhören, bevor ich etwas verkauft habe.“
Der 17jährige und seine Familie leben im kleinen Ort Groisbach in der Nähe von Alland (NÖ) mit rund hundert Einwohnern. Das ist nicht gerade der Nabel der Welt, aber groß genug, um als Unternehmer ins Wirtschaftsleben einzusteigen.

Jüngster Unternehmer unseres Landes
Wobei er auf seinen kindlichen Erfahrungen aufbauen konnte. „Damals habe ich an einem Tag im Schnitt 2,50 Euro verdient“, erinnert sich Spiess. Gelohnt hat sich sein Einsatz trotzdem. Weil er schon als Bub gelernt hat, Dinge anzupacken und dranzubleiben. Mit sieben Jahren schrieb Spiess, der auch eine künstlerische Ader hat, dann sein erstes Theaterstück, das er mit zehn Freunden im Garten aufführte.
„Ich bat meine Eltern, alle Menschen einzuladen, die wir damals kannten.“ Er selbst saß an der Kassa. Nach zwei weiteren Theaterstücken gab der Bub schließlich auch noch eine Zeitung heraus, die er regelmäßig an 20 Abonnenten in seinem Heimatort verteilte. „Ich habe mehr als hundert Ausgaben verfasst. Ich war bekannt im Ort und wenn mir die Oma ein Zwei-Euro-Stück in die Hand gedrückt hatte, wusste ich, dass es sich rentiert hat.“

Das alles führte dazu, dass der begabte Niederösterreicher schließlich als jüngster Unternehmer unseres Landes in die heimische Geschichte einging, als er mit 13 Jahren sein erstes Projekt auf Schiene brachte.

„Das konnte freilich aufgrund meines Alters nicht über mich laufen. Es ging mir auch nie um den Verdienst, sondern darum, Erfahrungen zu sammeln.“ Die Wirtschaftskammer Österreich präsentiert ihn auf ihrem Portal „Schaffen wir“ jedenfalls als CEO, was für den Geschäftsführer einer Firma steht. „Vor 20, 30 Jahren war es noch viel schwieriger, Unternehmer zu sein. Heute genügt ein Laptop und du kannst mit einer Idee praktisch gleich loslegen. Mit ,Powerpointvorlagen.at‘ produzierte Spiess Präsentationen für Firmen, zwei Jahre später eröffnete er mit einem Freund einen Internet-Markt für Technik-Artikel, den er mittlerweile stillgelegt hat. Denn der 17jährige hat ein neues unternehmerisches Baby, er nennt es „Austroklick“. Dabei verhilft er Menschen in seinem Alter auf der sozialen Plattform Instagram, sogenannte „Follower“ zu gewinnen: je mehr der Seite folgen, desto höher ist der Marktwert der Menschen, die sich dort präsentieren.

An Ziele glauben und tun, was Spaß macht
„Dieses Projekt ist von Anfang an durch die Decke gegangen“, erzählt Spiess. Und zwar derart erfolgreich, dass er sich trotz gestiegener Lebenserhaltungskosten locker allein versorgen könnte. „Ich weiß, was das Wohnen heutzutage kostet. Benzin brauche ich nicht, weil ich alles von zu Hause aus machen kann. Ich habe mit der Firma aber schnell vierstellige Monatsumsätze erzielt.“
Trotzdem ist der begabte Jungunternehmer, der in Mödling (NÖ) die „Vienna Business School“ besucht, für ein ordentliches marktwirtschaftliches Unternehmen noch zu jung. Deshalb ist seine „Firma“ als nicht gewinnorientierter Verein angemeldet, der über seine Mutter läuft. „Nachdem ich selbst noch kein Geld verdienen muss, habe ich mir überlegt, was ich damit Gutes tun kann. Vor allem, weil viele junge Menschen unter dem Internet-Hype auch leiden.“

Deshalb nutzt Spiess sein Wissen, um gemeinnützigen Projekten wie „Rat auf Draht“, einer Notrufnummer für Kinder und Jugendliche, zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. In einem Jahr, wenn er dann endlich 18 Jahre alt und damit volljährig und ebenso voll geschäftsfähig ist, will er aber offiziell der Chef seines ersten eingetragenen Unternehmens sein. Wie das gehen soll, weiß er schon. Nach der Matura wird er sich an den Strand der indonesischen Ferieninsel Bali oder einen anderen Traumstrand legen und von dort aus seine Arbeit erledigen.
„Das Schöne an der heutigen Art zu arbeiten ist, dass sie von überall erledigt werden kann. Das möchte ich ausnützen“, erklärt Spiess, der auch gerne als Vortragender gebucht wird, um anderen jungen Menschen Mut zu machen, ihre Träume zu verwirklichen.

Dann wird er oft gefragt, was das Wichtigste sei, was er in seinen Lehrjahren als Jung-Unternehmer gelernt habe. „Für mich ist das Wesentliche, nicht zu verlernen, wie ein Kind zu denken. Ein Elfjähriger sagt: Gut, dann mache ich das einmal. Egal, ob das ein Theaterstück oder eine Geschäftsidee ist. Wenn wir älter werden, denken wir zu viel über Hürden nach und trauen uns vieles nicht mehr zu. Mehr auf das Herz zu hören und weniger auf den Kopf, ist wichtig.“

Junge Menschen scheitern nicht, sie lernen – wie Max Spiess, der, bescheiden wie er ist, nicht an eine Sonderbegabung glaubt. „Die einzige Sonderbegabung, die notwendig ist, kann sich jeder aneignen. An Ziele zu glauben und das zu tun, was einem Spaß macht. So kann jeder erreichen, was er sich vorgenommen hat.“
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