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Ausgabe Nr. 18/2022 vom 03.05.2022, Foto: picture alliance/dpa
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Der Kabarettist und Schauspieler Ottfried Fischer wurde am 7. November 1953 in Ornatsöd im bayerischen Landkreis Passau (D) geboren. Bekannt wurde er vor allem mit den Fernseh-Serien „Der Bulle von Tölz“ und „Pfarrer Braun“. Von 1995 bis 2012 moderierte er die Kabarett-Sendung „Ottis Schlachthof“.

Fischer hat zwei Töchter, Lara, 30, und Nina, 24, aus erster Ehe. Seit 2017 lebt er in Passau, wo er das Stadthaus seiner Großeltern geerbt hat. Im Juni 2020 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Simone Brandlmeier, 51.
„Meine Frau ist ein Engel“
Ottfried Fischer, 68, leidet seit vielen Jahren an Parkinson. Der Kabarettist und Schauspieler erzählt, wie er damit umgeht, erinnert sich an eine Zeit, in der das Wirtshaus sein bester Freund war und bedankt sich bei seiner Frau Simone, 51, die ihm, unterstützt von einem Pfleger, zur Seite steht.
Herr Fischer, was war bislang der Gipfel Ihres Lebens?
Mein ganzes Leben war ein Gipfel, aber der höchste Gipfel war wahrscheinlich meine erste Kabarett-Vorstellung. Von da an wusste ich, dass ich diesen Weg gehen werde und habe meine Leidenschaft neben dem Studium durchgezogen.

Sie haben Jus studiert. Bedauern Sie es, nicht als Rechtsanwalt gearbeitet zu haben?
Überhaupt nicht. Ich hätte vielleicht Experte für Viehhandel und Wasserrecht in Niederbayern werden können und einen Schreibtischsessel durchgesessen. Aber das war nie meine Vorstellung eines erfüllten Berufslebens.

Jahrelang waren Sie in Fernseh-Serien wie „Der Bulle von Tölz“ und „Pfarrer Braun“ erfolgreich. Gab es auch berufliche Tiefschläge?
Ich habe keine Hau-Ruck-Karriere gemacht, sondern versucht, mich Schritt für Schritt zu steigern. Jedenfalls habe ich meinen Beruf immer ernstgenommen und nie einen absoluten Tiefpunkt erlebt. Ich konnte immer als Kabarettist und Schauspieler arbeiten und es gibt nichts, was ich bereue.

Gibt es privat etwas, das Sie bereuen?
Wenn ich zurückschaue, stelle ich fest, dass mir nur wenig Zeit für ein Privatleben geblieben ist, da ich im Großen und Ganzen immer gearbeitet habe. Zudem habe ich Privates und Berufliches zu Amalgam „verplombiert“.

Katerina Jacob, die an Ihrer Seite in „Der Bulle von Tölz spielte“, sagt, sie sei damals in Sie verliebt gewesen. Wussten Sie das?
Ja, sie hat mir das einmal erzählt, aber erst später. Ich musste lachen, weil ich weiß, dass die Katerina gerne ein bisschen übertreibt.

Hätte Frau Jacob damals gleich etwas gesagt, hätte sie eine Chance bei Ihnen gehabt?
Ich hätte keine Chance gesehen, wahrscheinlich wäre es bei einer geblieben.

Im Jahr 2008 gaben Sie Ihre Parkinson-Erkrankung bekannt. Wie leben Sie heute damit?
Es ist nicht einfach. Aber aufgrund meines Lebensweges und meiner Entwicklung ist mir vieles widerfahren, was andere niemals erleben. Ich zehre noch heute davon, dass mir mein Beruf sowohl Abwechslung als auch Freude bereitet hat. Das erachte ich als die Gnade meines Lebens.

Nächstes Jahr werden Sie 70. Haben Sie schon einen Wunsch?
Ich wünsche mir, viele meiner Freunde zu treffen, bevor es zu spät ist.

Vor ein paar Jahren lagen Sie aufgrund einer Blutvergiftung eine Weile im Koma …
Ja, mit dieser Sepsis begann meine Karriere zu Ende zu gehen. Denn danach erlitt ich einen Zusammenbruch, aus dem ich nicht mehr gut herausgekommen bin. Ich musste meinen Beruf an den Nagel hängen. Offenbar war ich zu lange auf der Überholspur des Lebens unterwegs. Ich hatte plötzlich viel Zeit und Geld war auch da. In München boten sich für mich zu viele Gelegenheiten, um zu sündigen. Die bayerische Hauptstadt war einfach nicht gut für mich.

Inwiefern haben Sie gesündigt?
In München kannst du abends ins Restaurant essen gehen oder in die ,Wirtschaft‘. Ich habe mich für die leichte Muse entschieden. Das Leben in der Großstadt ist reich an Verlockungen.

Das Wirtshaus war also Ihr bester Freund?
Das Wirtshaus war nie mein Feind.

Welches Verhältnis zum Tod haben Sie nach Ihrem Koma-Erlebnis?
Weder ein feindseliges, noch ein freundschaftliches. Aber zumindest habe ich keine Angst vor dem Tod. Ein guter Katholik weiß, dass es nach dem Tod weitergeht. Darüber hinaus empfinde ich mit zunehmendem Alter das Dasein als Nahtoderlebnis.

Seit zwei Jahren sind Sie mit Ihrer Simone standesamtlich verheiratet. Wann lassen Sie Ihre Ehe kirchlich segnen?
Wir wollten schon im vergangenen Jahr kirchlich heiraten, was aufgrund der Pandemie nicht möglich war. Also hoffen wir, dass es diesen Sommer klappt. Schließlich wissen wir nicht, wie viel Zeit uns noch auf Erden bleibt.

Sollte sich Ihr gesundheitlicher Zustand verschlimmern, möchten Sie dann zu Hause betreut werden, oder ziehen Sie ein Pflegeheim vor?
Wir haben bereits einen Pfleger. Was meine Frau täglich an Arbeit leistet, ist immens. Sie hat mit mir einen 24-Stunden-Tag. Meine Frau ist ein Engel, der mir – Gott sei Dank – zur rechten Zeit geschickt wurde. Der Pfleger unterstützt sie und macht es ihr ein wenig leichter. Ich fühle eine große Angst in mir, was mit mir geschieht, würde meiner Frau etwas zustoßen. Simone versucht liebevoll, mir diese Angst zu nehmen. Normalerweise müsste ja ich als Erster von uns beiden diese Welt verlassen.

Sind Sie auf den Rollstuhl angewiesen?
Die meiste Zeit schon, nur kurze Strecken kann ich gehen. Arthrose im Knie macht mir Probleme. Aufgrund der Pandemie habe ich mehr als ein Jahr auf die Operation gewartet. Nun habe ich ein neues Kniegelenk. Der Eingriff wurde drei Mal verschoben.

Fühlen Sie sich aufgrund Ihrer Krankheit manchmal depressiv?
Ich gebe zu, dass ich phasenweise gegen einen gewissen Hang zu Depressionen ankämpfe. Noch lässt sich jedoch alles, was meine Krankheit betrifft, gut handhaben, da ich zum Glück weder an offenen Wunden, noch an nässenden Prozessen laboriere. Also darf ich nicht jammern oder klagen.

Welche Pläne und Ziele verfolgen Sie noch?
Ich möchte unbedingt nach Wien reisen, da ich meiner Frau noch einen Besuch in der Staatsoper schuldig bin. Und damit bin ich schon mittendrin im Schlamassel.

Worin liegt das Dilemma?
Um von Passau nach Wien zu kommen, muss alles gut und genau geplant sein. Wir haben es immer geliebt, zu verreisen und Urlaub zu machen. Was für mich mittlerweile mühsam ist, allein deshalb, weil alles barrierefrei sein muss. Ich kann nur noch in einem behindertengerechten Hotel absteigen. Aber klar, auch mit einem Rollstuhl ist es natürlich möglich, nach Wien zu reisen. Jedenfalls bin ich fest entschlossen, diesen Plan nicht aufzugeben.

Haben Sie ein Testament verfasst?
Schon vor längerer Zeit, weil ich es für wichtig halte, alles geregelt zu haben, damit es keinen Streit gibt.
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