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Ausgabe Nr. 18/2022 vom 03.05.2022, Fotos: Nicolas Despis
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Peter Doherty & Frédéric Lo.
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Peter Doherty hat mit dem Komponisten Frédéric Lo ein neues Album aufgenommen. Zwölf Lieder gibt‘s zu hören, gesungen mit weicherer Stimme.
„Die Welt ohne harte Drogen ist neu für mich“
Er nennt sich jetzt Peter. Ein von Drogen befreiter 43jähriger britischer Musiker, der mit dem „bösen Buben“ Pete Doherty von einst nichts mehr gemein hat. Dafür schuf er gemeinsam mit dem in Paris (Frankreich) lebenden Komponisten und Produzenten Frédéric Lo, 57, das bezaubernde Album „The Fantasy Life Of Poetry & Crime“ (bereits im Handel). Doherty lebt heute zurückgezogen mit seiner Frau an der Westküste Frankreichs. Dort hat ihn der WOCHE-Reporter Steffen Rüth per Video-Telefonie erreicht.
Herr Doherty, Ihre Anhänger mussten sich lange Zeit Sorgen um Sie machen. Jetzt sehen Sie gesund und entspannt aus. Wie geht es Ihnen?
Prächtig. Ich fühle mich ziemlich aufgeräumt, irgendwie gereinigt. Ich bin sicher nicht mehr so chaotisch und vogelwild wie in der Vergangenheit. Ich denke, ich bin zu einem anständigen Bürger geworden, der sein Leben genießt und es liebt, abends seine Konzerte zu spielen und dann ins Bett zu gehen.
Es fällt auch auf, dass Sie viel schöner singen als früher?
Das macht mich glücklich, wenn andere das so empfinden. Für mich ist das alles noch eine vollkommen neue Welt.
Sie meinen die Welt ohne harte Drogen?
Ja. Mittlerweile bin ich seit mehr als zwei Jahren „clean“. Ich bin aus meinem Gefängnis ausgebrochen, dem Gefängnis der Sucht. Früher drehten sich alle meine Aktivitäten um Beschaffung, Konsum und Rausch, es war ein anstrengendes Leben. Jetzt ist sie nicht mehr da, die Leidenschaft für harte Drogen. Ich habe die Abhängigkeit abschütteln können. Das ist in vielerlei Hinsicht eine große Befreiung.
Bereuen Sie es, nicht schon viel früher mit den Drogen aufgehört zu haben?
Ich war offenbar noch nicht bereit. Der Gedanke streifte mich immer wieder, ich hatte mir allerdings nie zugetraut, ein unabhängiges Leben frei von Drogen zu führen. Ich wusste einfach nicht, wie das funktionieren soll. Ich habe viele Entzüge gemacht, doch der Sucht-Affe klopfte mir immer wieder auf die Schulter und sagte: „Ich bin noch da.“ Jetzt habe ich ihn länger nicht gesehen. Vielleicht ist er für immer verschwunden, vielleicht taucht er irgendwann wieder auf, das weiß ich nicht.

Wie haben Sie die Drogensucht besiegt?
Ich kann nicht den Finger drauflegen und sagen, „An jenem Morgen wachte ich auf und wusste, dass es vorbei ist.“ Ich denke, ich habe mir selbst eine Chance gegeben. Ich habe aufgehört, mich zu vergiften, und seitdem erinnere ich mich stets daran, dass ich mir selbst, ohne Drogen, genug bin. „Clean“ zu sein und zu bleiben, ist ein Kampf, der nie endet. Ich sage nicht, „Ich bin kein Süchtiger mehr.“ Aber ich habe nun andere Dinge im Leben, die mich glücklich machen: Musik, im Wald zelten, die Liebe.

Sie sind sogar verheiratet. Mit Ihrer Frau, der Musikerin Katia de Vidas, leben Sie seit einigen Jahren in der Abgeschiedenheit der Normandie im Nordwesten Frankreichs, in dem Küstenörtchen Étretat?
Katia ist wunderbar. Sie ist mein Engel. Ich bin positiv überrascht, dass ich noch am Leben bin. Und Katia hat einen großen Anteil daran. Mit ihr fühle ich mich gesegnet und sicher. In der Normandie sind wir zusammen zur Ruhe gekommen. Wir haben uns dort ein kleines Leben aufgebaut und Routinen entwickelt, die uns guttun. Spazierengehen vor allem.
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