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Ausgabe Nr. 17/2022 vom 26.04.2022, Foto: SPÖ/Kurt Prinz
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Wien 2019: Michael Ludwig, Pamela Rendi-Wagner. Rechts: Das Mai-Abzeichen 2022.
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Nach zwei Jahren Pause findet das „rote Hochamt“ wieder statt. Schauplatz des größten Maiaufmarsches ist der Wiener Rathausplatz. Dort will die SPÖ nicht nur eine Preis-Obergrenze für Gas und Strom fordern, sondern auch die 35-Stunden-Woche für alle.
Für Pamela Rendi-Wagner ist es der vierte „Tag der Arbeit“ als SPÖ-Chefin. „Der 1. Mai ist ein Festtag für die arbeitenden Menschen“, hält sie ihn für durchaus zeitgemäß.
„Nach zwei Jahren Corona-bedingter Pause freuen wir uns umso mehr darauf.“ Beim letzten regulären Maiaufmarsch 2019 winkten sie und Bürgermeister Michael Ludwig 12.000 „Fans“ am Wiener Rathausplatz zu. „Viele Menschen, gute Stimmung und viele rote Fahnen und Nelken“, verbindet die 50jährige mit dem 1. Mai.

Das trifft nicht auf jeden SPÖ-Chef zu. Im Jahr 2016 zeigten Buhrufe und Plakate wie „Obergrenze für Wahlniederlagen! Faymann Rücktritt jetzt!“, dem damaligen SPÖ-Kanzler Werner Faymann, was die rote Basis von seiner Politik hielt. Eine Woche später trat er zurück.

Doch die Sozialdemokraten sind derzeit im Aufwind. In Umfragen führen sie, allerdings nicht so hoch, wie es angesichts der ÖVP-Skandale zu erwarten wäre. Und Rendi-Wagners Konkurrent, der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil wird am 1. Mai nicht in Wien erwartet.
Dafür wollen die SPÖ-Granden der Regierung einiges ausrichten. Sie fordern eine Preisobergrenze für Strom und Gas. Aber auch die 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich. Finanziert werden soll das durch eine „Millionärssteuer“ für Vermögen ab einer Million Euro.

100.000 im Prater beim ersten 1. Mai
Im Jahr 1890, beim ersten Maiaufmarsch, lautete die Forderung noch, den damals utopischen Acht-Stunden-Tag einzuführen. Arbeitstage von elf Stunden und mehr waren üblich. „Die Arbeiterschaft war im Begriff zu erwachen. Es bedurfte nur des Anrufes, des Appells, dass sie sich erhebe, sich als Ganzes, als kämpfender Körper, als eine Einheit fühle“, schrieb Victor Adler später über die erste Maifeier. Der frühere Armenarzt war der erste Vorsitzende der „Sozialdemokratischen Arbeiterpartei“.

Der Termin 1. Mai wurde international in Gedenken an einen Generalstreik in den USA gewählt, der 1886 blutig endete. 400.000 Arbeiter legten damals die Arbeit nieder, um den Acht-Stunden-Tag durchzusetzen. In Chicago griff die Polizei Streikposten an und tötete sie. Die Explosion einer Bombe sorgte endgültig für Panik, die Polizisten schossen wild um sich. 17 Menschen starben.
Die Parole für den ersten „Tag der Arbeit“ im Jahr 1890 hierzulande lautete: „An diesem Tag soll die Arbeit überall ruhen, in Werkstatt und Fabrik, im Bergwerk wie in der dumpfen Kammer des Hauswebers.“ Seit 1919 ist er ein offizieller Feiertag.

Adler selbst erlebte den 1. Mai 1890 im Gefängnis. Dort war er wegen unliebsamer Berichte in der von ihm herausgegebenen Zeitung „Gleichheit“ gelandet. Doch ein Weggefährte steckte ihm ein „Maizeichen zu, das ich dann oben in der Zelle ansteckte, wenn der ,Wastl‘ weit vom Guckloch war“. Nach Versammlungen am Vormittag zogen am Nachmittag mehr als 100.000 Arbeiter in den Prater.
Die Maiabzeichen tragen die Teilnehmer der Aufmärsche nach wie vor jedes Jahr. Sie sind im ganzen Land gleich. Denn nicht nur in Wien, sondern landesweit finden die „roten Hochämter“ statt, wie Beobachter die Maifeiern immer wieder nennen.

In Graz marschieren SPÖ und KPÖ
In Linz (OÖ) wird heuer bei der zweitgrößten Maifeier des Landes auch eine Friedensfahne zum Hauptplatz getragen. In St. Pölten (NÖ) „erkraxeln“ Mutige traditionell auch den Maibaum.
In Graz (Stmk.) gehen SPÖ und KPÖ auf die Straße, allerdings getrennt. „Die arbeitenden Menschen und jene, die auf Arbeitssuche sind, brauchen gerade in Zeiten wie diesen einen solchen Tag“, sagt die Grazer KPÖ-Bürgermeisterin Elke Kahr. Der auch darauf hinweisen soll, „dass nichts an Errungenschaften vom Himmel gefallen ist. Die Arbeitsverhältnisse und das Leben der Menschen werden nicht einfacher. Sie brauchen Löhne und Gehälter, von denen sie leben können, Maßnahmen gegen die Teuerung und eine Mietpreisdeckelung.“

Die 60jährige geht seit Mitte der 70er Jahre bei den Maiaufmärschen mit und hat sie jahrzehntelang auch organisatorisch vorbereitet.
Heuer geht es bei den Kommunisten in Graz „auch um das große Thema Frieden. An der Neutralität Österreichs darf auf keinen Fall gerüttelt werden. Unser Land muss ein friedliches Land bleiben, das immer die Hand ausstreckt gegenüber jedem Menschen, der bei uns ist.“
In Graz werden dieses Mal am 1. Mai auch wieder rot-weiß-rote Fahnen im Stadtbild sichtbar sein. „Das war in den vergangenen Jahren nicht so. Ich halte es für bedeutsam, dass man stolz ist auf sein Land. Und wir müssen die Menschen in dem Land, in dem wir leben, schützen.“
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