Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 16/2022 vom 19.04.2022, Foto: danielwaschnigphotography.at
Artikel-Bild
Stollentherapie für einen freien Atem.
Stollentherapie für einen freien Atem
Das Frühjahr läutet für viele leider auch die Allergie-Saison ein. Rund die Hälfte aller Menschen in unserem Land sind Allergiker und mit knapp 25 Prozent ist die Pollenallergie die häufigste Form. Betroffene leiden unter einer rinnenden Nase und juckenden sowie tränenden Augen. Der Heilklimastollen in Bad Bleiberg (K) bietet mit seiner staub- und allergenfreien Umgebung einen Ruheort zum Durchatmen für alle Allergiker. Auch Corona-Kranke finden hier Linderung.
Während sich der Frühling von seiner schönsten Seite zeigt und die Natur zum Erblühen bringt, sorgt genau dieses Frühlingserwachen bei jedem vierten Allergiker in unserem Land für Tränen. Denn sie leiden unter einer Pollenallergie. Selbst Kinder sind davon betroffen.
„Meine vierjährige Tochter Anna gehört dazu“, berichtet die Kärntnerin Kerstin Rosmaier, 39. „Sie leidet seit einem Jahr an einer Pollenallergie, muss häufig niesen, ihre Augen sind gerötet, tränen und jucken. Ich habe ihr vermutlich diese Allergie vererbt, denn auch ich reagiere extrem allergisch auf Birkenpollen. Die Beschwerden werden zwar mit Nasenspray und Augentropfen gemildert, aber nichts hat bislang geholfen, meine Allergie loszuwerden.“

Das Sekret kann abgehustet werden
Bis sich die 39jährige entschlossen hat, tief in den Berg hineinzugehen. Und zwar in den Heilklimastollen Friedrich in Bad Bleiberg (K). Nur wenige Kilometer westlich von Villach gelegen. „Ich war im Vorjahr zum ersten Mal da und die Allergie-Symptome waren durch die Pollen danach deutlich geringer.“
Im Stollen in Bad Bleiberg herrschen konstant acht Grad Celsius und 99 Prozent Luftfeuchtigkeit, die das Berginnere zur staub- und allergenfreien Umgebung machen. Und dies das ganze Jahr über. Die reine Luft hilft beim Atmen und unterstützt beim Abhusten des Sekrets.
„Das Heilklima im Stollen bietet die besten Bedingungen, um Lungen- und Atemwegserkrankungen zu therapieren. Dazu gehören Asthma und chronische Bronchitis sowie das Post-Covid-Syndrom oder die allergische Rhinitis, besser bekannt als Heuschnupfen“, erklärt der ärztliche Leiter Dr. Michael Muntean, 49.

Ein Aufenthalt im Stollen dauert 50 Minuten. In Begleitung einer Therapeutin gehen die Kranken durch einen 100 Meter langen, großzügigen Weg ins Berginnere, wo neben dem Heilklima auch bequeme Liegen warten. Eingepackt in Decken und ausgestattet mit einer Wärmeflasche kann die reine Luft Atemzug für Atemzug wirken. „Pollenallergikern wird empfohlen, drei Mal pro Woche das Klima im Stollen zu nutzen. Mindestens zehn Einheiten hintereinander sind empfehlenswert. Die Stollentherapie ist auch für Kinder geeignet. Am häufigsten wird der Stollen bei Pollen- und Mischgräser-Allergien aufgesucht. Bei der Therapie dürfen höchstens 20 Personen im Stollen sein“, erklärt Dr. Muntean.
Der Heilstollen Friedrich ist Teil der Humanomed-Gruppe mit dem dazugehörigen Hotel Bleibergerhof. In der Regel finden sich die Stollenbesucher eine Viertelstunde vor dem entsprechenden Termin beim Eingang ein. Unbedingt mitzunehmen sind eine warme Jacke, Schuhe, Handschuhe und eine Haube.

Kerstin Rosmaier hat sich mittlerweile mit ihrer Tochter auf einer Liege eingekuschelt. „Ich finde es hier richtig angenehm. Beim vorigen Mal bin ich nach zehn Minuten eingeschlafen. Denn neben dem Klima im Berg ist es hier auch wunderbar ruhig und entspannend.“
Das kuschelige, wohlige Gefühl samt klarer Luft wird sogar auf Rezept verschrieben. Die Krankenkasse bewilligt je nach Vertrag zwei Mal jährlich zehn bis 18 Therapie-Aufenthalte im Stollen. Aber auch Tagesgäste können die Heilkraft im Berginneren nutzen. Die erste Einheit Stollentherapie kostet inklusive Schlafsack 39 Euro, jede weitere Einheit 25 Euro.
Der Heilklimastollen ist von Montag bis Freitag von 7 bis 11 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen bleibt er geschlossen. Anmeldungen sind telefonisch unter 04244/3551 oder per E-Mail unter heilklimastollen@bleib-berg.com möglich.
Die wohltuende Wirkung tritt sofort ein. Nach der knappen Therapiestunde merkt Rosmaier, dass ihre Tochter viel freier atmet.

Bei Long-Covid den Husten lindern
Was dahintersteckt, erklärt Dr. Michael Muntean. „Die kalte Luft wird eingeatmet, vom Körper aufgewärmt und entzieht dadurch Wasser aus der geschwollenen Schleimhaut des Bronchialsystems. Bei einem einstündigen Aufenthalt im Stollen werden so rund 22 Milliliter Wasser aus den Atemwegen extrahiert. Das hat den Effekt, dass die Schleimhäute der Atemwege abschwellen und der Luftstrom wieder besser fließen kann.“
Das Atmen fällt dadurch leichter, wobei freilich die Menschen unterschiedlich auf die Behandlung ansprechen. „Teilweise sind die Allergien ganz weg, aber hauptsächlich sind die Symptome abgeschwächt. Die Heilklimastollen-Therapie ist unter anderem eine wertvolle Ergänzung zu einer bestehenden medikamentösen Therapie“, meint Dr. Muntean.

Bei Long-Covid-Symptomen ist das Klima im Heilstollen Friedrich außerdem förderlich für die lokale Abwehrfunktion der Schleimhäute und für die Arbeit des gesamten Immunsystems. Long-Covid umfasst eine Reihe von Spätfolgen, die nach einer abgeklungenen Covid-19-Infektion auftreten können. Bestehen die Beschwerden länger als zwölf Wochen, bezeichnen Ärzte dies als Post-Covid-Syndrom. Vor allem Männer mittleren und höheren Alters zeigen anhaltenden Husten und Atemnot als primäre Long-Covid-Symptomatik. Der Aufenthalt im Heilklimastollen schafft hier Linderung und fördert die Heilung.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung