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Ausgabe Nr. 16/2022 vom 19.04.2022, Foto: bennytrapp - stock.adobe.com
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Bis zu 90 Dezibel laut kann der Laubfrosch dank seiner Schallblase an der Kehle quaken.
Der grüne Akrobat
„Uog, uog, uog“. Dort, wo es Laubfrösche noch gibt, sind jetzt – vor allem an lauen Abenden und in ebensolchen Nächten – ihre ohrenbetäubenden Konzerte zu hören.
Als Froschkönig wurde der Laubfrosch weltbekannt – aber ein großes Königreich hat er nicht mehr.
„Während die Tiere vor 50 Jahren noch in nahezu jeder Pfütze saßen, sind sie inzwischen heimatlos geworden. Die Landschaft, in der sich die drei bis fünf Zentimeter großen Amphibien wohlfühlen, existiert praktisch nicht mehr“, bedauert die Schweizer Biologin Silvia Zumbach, die sich bereits seit mehr als 30 Jahren mit Fröschen auseinandersetzt.

Auch in unserem Land finden die Laubfrösche fast keine Tümpel mehr, in denen ihr Nachwuchs heranwachsen kann.
„Bei uns sind bereits alle Vorkommen des Laubfrosches außerhalb des Nationalparks Donau-Auen stark gefährdet, da die verbliebenen Laichgewässer zu weit voneinander entfernt sind. Daher sind die einzelnen Vorkommen isoliert und bestehen nur aus wenigen Individuen“, heißt es von der Wiener Umweltschutzabteilung.

Auf der Suche nach der Froschkönigin
Zunehmender Straßenverkehr, landwirtschaftlicher Chemieeinsatz und das massenhafte Wegsterben von Futterinsekten machen den Tieren – die eine Lebenserwartung von bis zu fünf Jahren haben – zusätzlich das Leben schwer.
Wo die grasgrünen Laubfrösche allerdings noch in großer Zahl vorhanden sind, machen sie sich derzeit mit ohrenbetäubendem „Uog, uog, uog“-Gequake bemerkbar. Von April bis Juni ist Paarungszeit und die Männchen versuchen, mit den lautstarken Rufen die Aufmerksamkeit der stillen Weibchen zu wecken.
„Und wenn ein Frosch erst einmal begonnen hat, quaken bald auch alle anderen im Chor. Schließlich stehen sie im Wettbewerb.

Jeder will der beste sein, jeder will eine Froschkönigin haben“, sagt Silvia Zumbach lachend. Wenn Laubfrösche wollen, schaffen sie bis zu 90 Dezibel.
„Das entspricht einer Motorsäge oder einem vorbeifahrenden Lastwagen“, vergleicht die Expertin.

Quaken ist Männersache
Erzeugt wird das frühsommerliche Froschkonzert mit Hilfe der Schallblasen – den ballonartigen Hautausstülpungen im Mundhöhlenboden, die im Ruhezustand praktisch zusammengefaltet sind.
„Dabei atmen die Frösche durch die Nase ein, schließen die Nasenlöcher und pressen die Luft in die Lunge. Beim Ausatmen gelangt die Luft in die Schallblase, die sich aufbläht. Sie wirkt wie ein Lautsprecher und verstärt das Quaken, sodass es in windstillen Nächten sogar in mehr als 1.000 Metern Entfernung noch zu hören ist“, weiß Zumbach. Doch weil so ein Froschkonzert recht anstrengend ist, rufen nur jene Männchen, die sich in guter Verfassung befinden. „An der Lautstärke erkennen die Weibchen, wie fit der Rufer ist. Wer am lautesten quakt, hat die Nase vorn, daher geben die Froschmänner alles“, erklärt die Biologin.

Nach erfolgreicher Paarung legen die Laubfrosch-Damen dann bis zu 1.000 Eier in sogenannten Laichballen ab. Danach entwickeln sich die Tiere über Larven zu Kaulquappen und kraxeln schließlich ab Juli als Frösche an Land (Bild o.). Dort schlagen sie sich ihre Bäuche mit Insekten voll, die sie mit ihrer langen und klebrigen Zunge fangen. Im Herbst hocken die grünen Hüpfer aber auch gerne in Baumkronen, etwa auf Pappeln, wo sie – im Gegensatz zur Frühjahrsbalz – mit einem krächzenden Herbstquaken auf sich aufmerksam machen.

„Kommen wir ihnen dabei zu nahe, werden sie ganz ruhig – es könnte sich beim Betrachter ja um einen Fressfeind wie den Graureiher oder den Weißstorch handeln“, berichtet Silvia Zumbach.
Wird es dann im Winter kalt, ziehen sich die possierlichen Tierchen in Erdhöhlen, Laubhaufen oder Bodenspalten zurück. Dann wird‘s auch wieder eine Zeitlang totenstill rund um den Teich.
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