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Ausgabe Nr. 02/2022 vom 11.01.2022, Foto: Pixel-Shot - stock.adobe.com
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Etwa jede zweite Frau bekommt bis zu den Wechseljahren Myome. Manche davon machen Probleme …
Myome mit Hitze heilen
Es sind gutartige Muskelwucherungen in der Gebärmutter, die etwa jede zweite Frau bis zum Beginn der Wechseljahre entwickelt. Machen sie Probleme, wie etwa starke Blutungen, werden sie oft operativ entfernt und mit ihnen die gesamte Gebärmutter. Neue Therapien zielen auf den Erhalt der Gebärmutter wie die neue Hitze-Behandlung.
Kein Schnitt, keine Schmerzen, keine Vollnarkose, und dennoch ist es möglich, Frauen von störenden Myomen in der Gebärmutter dauerhaft zu heilen. Manch ein Gynäkologe spricht sogar von einem Durchbruch, wenn die Rede auf die neue hitzebasierte Myom-Therapie Sonata kommt.

Das Linzer Kepler Universitätsklinikum (Tel.: 05/768082-0) ist das erste Spital in unserem Land, in dem die neue Behandlung zum Einsatz kam, wie Univ.-Prof. Dr. Peter Oppelt, Spezialist für Gynäkologische Onkologie, Myome am Endometriosezentrum in Linz bestätigt. „Die Sonata-Behandlung ist eine neue, minimal-invasive Behandlung. Sie ist eine komplikationsarme und zuverlässige Alternative zu vorhandenen Verfahren, auch durch die kurze Erholungszeit, die eine schnelle Rückkehr in das private und berufliche Umfeld ermöglicht.

Strom statt Skalpell im Operations-Saal
Mit Sonata lässt sich eine Vielzahl von Myom-Arten behandeln, ohne dass ein größerer Eingriff vorgenommen werden muss. Ein großer Vorteil ist die Erhaltung der Gebärmutter“, sagt der erfahrene Gynäkologe.
Myome sind gutartige Muskelwucherungen der Gebärmutter. Sie kommen häufig vor und entstehen bei den meisten Frauen während des gebärfähigen Alters. Die Sonata-Behandlung wurde in den USA entwickelt und wird ohne Skalpell und Röntgenstrahlen durchgeführt. Die Myome werden ausschließlich durch Radiofrequenzenergie, also durch Hitze, zerstört.

Gynäkologische Blutungsstörungen können durch Myome in der Gebärmutter verursacht sein. „Myome gehören zu den hormonabhängigen Tumoren. Ihre Entstehung und ihr Wachstum sind abhängig von Östrogenen. Allgemein treten sie vor dem 25. Lebensjahr nur selten auf. Achtzig Prozent der Myome finden sich bei Frauen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr“, erläutert Prof. Oppelt. Die Ursachen, die zur Bildung einer Gebärmuttergeschwulst führen, sind bisher nicht bekannt. Es scheint allerdings festzustehen, dass genetische Faktoren eine wesentliche Rolle spielen. Gebärmuttermyome können unangenehme Symptome verursachen, darunter zu starke und zu lang dauernde Regelblutungen sowie Regelschmerzen. „Probleme verursachende Myome bewegen sich größenmäßig zwischen einer Traube und einer Grapefruit. Werden sie nicht behandelt, können sich die Symptome mit der Zeit verschlimmern. Darüber hinaus können sie ein Grund für Unfruchtbarkeit sein.“

Für die neue gebärmuttererhaltende und schonende Radiofrequenzbehandlung ist kein stationärer Aufenthalt in einem Spital notwendig. Der Eingriff findet ambulant statt. „Zu Beginn der Behandlung wird die Sonata-Sonde durch die Vagina in die Gebärmutter der Frau eingeführt. Die Lage des Myoms wird mithilfe von Ultraschallwellen der Sonde ermittelt. Im zweiten Schritt wird über die Sonde Radiofrequenzenergie in das Myom abgegeben, um es durch Erhitzen zu schrumpfen“, erklärt der Gynäkologe.

Nach vier Monaten sind die Myome weg
Möglich wird dies durch winzige Elektroden, die exakt dosierten Strom in die Myome leiten, so dass sie erhitzt und zerstört werden. Das umliegende Gewebe bleibt dabei unverletzt. Um weitere Myome zu behandeln, wird die Sonde an anderer Stelle in der Gebärmutter positioniert oder sie wird aus dem Körper der Patientin entfernt. Die Methode nimmt pro Myom 15 Minuten in Anspruch. „Das Verfahren kann auch ohne Vollnarkose durchgeführt werden“, verrät Dr. Oppelt. Nach drei bis vier Monaten sind viele derartig behandelte Myome kaum noch sichtbar. Die durch die Tumore verursachten Blutungsstörungen und Schmerzen werden so behoben. Je nach Lage der Tumore in der Gebärmutter verringern sich auch Symptome wie übermäßiger Harndrang oder Unfruchtbarkeit. So können sowohl die Entfernung der Gebärmutter als auch allgemeine Operationsrisiken für die Frauen vermieden werden.
Eine klinische Studie meldete bei neun von zehn Frauen eine Verbesserung innerhalb von vier Monaten nach der Sonata-Behandlung.

Die Kosten der neuen Myom-Behandlung werden derzeit von der Klinik übernommen. Die Übernahme der Kosten durch die ÖGK wurde beantragt, die Gespräche sind jedoch noch nicht abgeschlossen.

Neue Hormon-Therapie lindert starke Blutungen durch Myome
Symptomatische Gebärmuttermyome gehören zu gutartigen Erkrankungen der Gebärmutter, können aber starke und schmerzhafte Regelblutungen, Schmerzen im Bauchraum, Zwischenblutungen und Blutarmut verursachen. Seit Juli hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA die Relugolix-Kombinationstherapie zugelassen. Mit dieser Tablettentherapie werden mäßige bis starke Symptome von Gebärmuttermyomen bei Frauen im gebärfähigen Alter behandelt, vor allem myombedingte starke und schmerzhafte Monatsblutungen.

Studien haben gezeigt, dass betroffene Frauen mit der Behandlung im Schnitt um 84 Prozent weniger geblutet haben. Jede zweite hatte nach 24 Wochen keine Periode mehr, nach 28 Wochen waren es sogar 71 Prozent. Fast die Hälfte der Frauen, die anfangs an moderaten bis schweren Schmerzen litten, war nach 24 Wochen so gut wie schmerzfrei. Darüber hinaus zeigte sich, dass der geringere menstruelle Blutverlust bei den anfangs oft anämischen Frauen zu einem Anstieg des Hämoglobin-Wertes (= roter Blutfarbstoff) führte. Dies steigerte die Lebensqualität der Frauen erheblich.
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