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Ausgabe Nr. 02/2022 vom 11.01.2022, Foto: Francesco Fotia / AGF / picturedesk.com
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Silvio Berlusconi möchte der Präsident von Italien werden.
Die ihn unterstützen vergisst er niemals
Obwohl derzeit vier Gerichtsverfahren gegen ihn anhängig sind, möchte sich Silvio Berlusconi Ende Jänner zum Präsidenten Italiens wählen lassen. Mit 85 Jahren. An seiner Seite – die erst 32jährige Marta Fascina. Eine Abgeordnete seiner rechten Partei Forza Italia.
Er war vier Mal der Regierungschef in Italien, dann bekam die politische Karriere von Silvio Berlusconi einen Knick. Im Jahr 2013 wurde er wegen Steuerbetruges rechtskräftig verurteilt. Infolgedessen erhielt er ein sechsjähriges Verbot, öffentliche Ämter zu bekleiden. Es wurde 2018 vorzeitig aufgehoben und gab dem Italiener genug Zeit, sich neu zu ordnen. Damit er nun mit 85 Jahren an die Spitze des Staates zurückkehren kann. Um noch ein Mal an der Macht zu sein.
Als Silvio Berlusconi jung war, soll er zu seiner geliebten Mutter Rosa gesagt haben: „Eines Tages werde ich Staatspräsident.“ Am 24. Jänner soll die Wahl stattfinden.

Schon die Milchfrau war beeindruckt
Als schärfster Gegner Berlusconis gilt der derzeitige Regierungs-Chef Mario Draghi, 74, aber auch der Verfassungsrichter und zweimalige Ministerpräsident Giuliano Amato, 83, sowie Marta Cartabia, 58, derzeit unter Draghi Justizministerin, dürften sich der Wahl stellen.
Die schillerndste Figur ist freilich das politische Stehaufmännchen Berlusconi, der mit einem Vermögen von etwa sieben Milliarden Euro auch zu den reichsten Italienern gehört. Wobei der am 29. September 1936 geborene Berlusconi den Sinn fürs Bare bereits in seiner Kindheit entwickelt hat. Aufgewachsen hinter den Geleisen des Zentralbahnhofes der norditalienischen Metropole Mailand in einem nicht gerade vornehmen Viertel, beeindruckte er damals die Milchfrau.

„Der kleine Silvio kam immer zu uns, kaufte ein und rundete den Betrag immer zu Ungunsten seiner Mutter auf. Die Differenz zum wahren Preis behielt er für sich. Als ihn die Mutter eines Tages zur Rede stellte und fragte, ob denn die Butter jeden Tag teurer werde, lachte er nur.“ Denn er war ehrgeizig, wollte immer zur Elite gehören, ein Auserwählter sein. Die Schule der Salesianer absolvierte er mit Bestnoten.
Seine absolute Stärke aber sei gewesen, andere für sich gewinnen zu können, behauptet sein ehemaliger Mitschüler und Freund Guido Possa. „In der Schule habe ich zum Beispiel in seinem Auftrag Staubsaugerbürsten verkauft. Die waren damals gerade auf den Markt gekommen. Er zeigte mir, wie sie funktionierten und wie ich sie verkaufen soll. Leider gelang es mir nur, meiner Mutter, meiner Oma und einigen Tanten diese Bürsten zu verkaufen. Silvio dagegen ging mit achtzehn Jahren als Unterhalter aufs Schiff. Er sah gut aus und konnte ebensogut singen. Er konnte damals schon das Publikum unterhalten, sogar mit Witzen – und wurde gut bezahlt.“

Freunde, die ihn unterstützen, vergisst er nie. Das weiß Possa aus eigener Erfahrung. Er leitete sechs Jahre lang das persönliche Sekretariat Berlusconis und war in dessen zweiter Regierungszeit ab 2001 stellvertretender Forschungs- und Bildungsminister. Das Motto seines Herrn lautet: „Ich kümmere mich um dich, wenn du loyal zu mir bist.“ Das galt stets für Berlusconis Geschäftsleben, in dem er unter anderem den Fußballklub AC Mailand kaufte und dem er viele Jahre als Präsident vorstand. Seither wechselte der Besitzer mehrfach. Geblieben ist ein Medien-Imperium. Berlusconi gründete die erste private Sendergruppe, die in ganz Italien ein einheitliches Programm angeboten hat. Heute ist er am spanischen Markt ebenso beteiligt wie am deutschen durch die ProSiebenSat.1-Gruppe.

Wenn die Frauen Kurven haben, verliert er den Kopf
Und natürlich seine Vorliebe für schöne Frauen, die er für seinen Sender zuweilen selbst aussuchte. „Wenn die Frauen Kurven haben, verliert er den Kopf“, weiß ein Mitarbeiter zu berichten. Aus zwei Ehen hat er fünf Kinder, seit dem Vorjahr ist der 85jährige mit der 32jährigen Politikerin Marta Fascina liiert. Sie gehört der von ihm gegründeten Partei Forza Italia an, die bei der Parlamentswahl im Jahr 2018 auf 14 Prozent der Stimmen kam. Ein aktuelles Foto zeigt das Paar zu den Festtagen, im Hintergrund ein mit Kugeln und Watte behängter Baum. Berlusconi mit frischem Gesicht – er kam gerade von einer Schönheitsfarm.

Der Unterstützung von Fascina ist sich der Unternehmer ebenso gewiss wie jener der Kirche, denn Berlusconi sieht sich als Teil eines göttlichen Planes. Er besucht regelmäßig den Gottesdient und müht sich bei jeder Gelegenheit, den guten Katholiken zu geben. Zur Unterstützung des Vatikans hat er bereits in frühen Jahren mit barer Münze bezahlt. „Und zwar mit einer Reihe von gefälligkeiten“, wie Kritiker bemängeln. Berlusconi hat katholischen Bankiers und Geschäftsleuten Hilfen geleistet, er hat der Kirche Finanzierungen ermöglicht, Steuererleichterungen und für Verbesserungen im Verhältnis von Kirche und Staat gesorgt.
Und wenn es seinen politischen Zielen dient, kauft er sich die entsprechende Unterstützung. Einmal übernahm er die Wohnungshypothek eines linken Senators, der für ihn stimmte: mehrere hunderttausend Euro. Die Zeitung „La Repubblica“ schreibt: „Seine wirtschaftliche Übermacht erlaubt es ihm, den politischen Markt zu verzerren, er kauft einfach reihenweise Parlamentarier.“

Ob diese Vorgehensweise tauglich ist, um als Präsident in den Quirinalspalast in Rom einziehen zu können, wird sich zeigen. Gewählt wird in geheimer Abstimmung. Von Senatoren, Abgeordneten und 58 Entsandten aus den Regionen, in Summe ernennen 1.008 sogenannte Großwähler den Präsidenten. Sie versammeln sich gewöhnlich alle sieben Jahre im Palazzo Montecitorio, der Abgeordnetenkammer. Zu den ungeschriebenen Gesetzen dieser Wahl gehört, dass sich niemand selbst dafür bewirbt. Das ziemt sich nicht, das wäre eine Anmaßung.
Berlusconi setzte sich darüber hinweg, nur für die Mama.
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