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Ausgabe Nr. 01/2022 vom 03.01.2022, Foto: Gerold Berthold
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Ab Juni als Hexe in „Into the Woods“, Märchen-Musical für Groß und Klein.
„Wo keine Liebe ist, nützt der Reichtum nichts“
Im Stadttheater Baden (NÖ) wünscht sie im Musical-Klassiker „Anatevka“ ihren Töchtern reiche Ehemänner. Im echten Leben sehnt sich Maya Hakvoort danach, wieder oft auf der Bühne zu sein. Ab Mai mimt sie die böse Hexe im Märchen-Singspiel „Into the Woods“. Im Sommer tritt sie einmal mehr in ihrer Paraderolle als Kaiserin Elisabeth im Schloss Schönbrunn in Wien auf.
Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder auf der Bühne zu sein“, sagt die Musical-Darstellerin Maya Hakvoort. Weihnachten und Silvester hat die zweifache Mutter mit ihrem Lebensgefährten und den Söhnen Joshua, 19, und Jason, 12, in den USA verbracht, weil ihr Erstgeborener dort sein Sozialjahr absolviert.

Geboren am 19. September 1966 in Nijmegen, ist die niederländische Frohnatur seit 27 Jahren Wahl-Österreicherin. Ab Freitag, dem 7. Jänner, agiert sie unweit ihrer Heimatgemeinde Brunn (NÖ) im Stadttheater Baden (Termine: www.buehnebaden.at). In „Anatevka“ brilliert die 55jährige als resolute Golde, verheiratet mit dem Milchmann Tevje, dargestellt vom „Russkaja“-Musiker Georgi Makazari, 47. Tevje und Golde leben mit ihren fünf Töchtern im jüdischen Schtetl „Anatevka“. Die Töchter wenden sich vom Brauchtum ab, was dem gläubigen Vater Kummer bereitet. Tevje flucht und trauert, feiert und tanzt aber, denn nie verliert er seinen Humor. Der Tradition gemäß suchen die Eltern die Ehemänner, die nichts außer reich sein sollen, für ihre Töchter aus. Doch Zeitel, die älteste, liebt einen Schneider, Hodel einen Studenten und Chavahat hat sich in einen nichtjüdischen Russen verliebt. Das Drama ist
perfekt und das Weltbild des Vaters gerät ins Wanken.

Das Stück in zwei Akten, das im Jahr 1905 mit dem Originaltitel „Fiddler on the Roof“ (dt.: „Der Fiedler auf dem Dach“) erschien, ist ein Wechselspiel aus Wehmut und Fröhlichkeit, untermalt von einprägsamen Liedern wie „Wenn ich einmal reich wär‘“, „Jente, o Jente“ oder „Ist es Liebe?“.

„Die Kinder sollen es einmal besser haben“

„In ,Anatevka‘ wird auf berührendste Weise gezeigt, wie der Mensch an seinen durch Geburt und Glauben bedingten Traditionen festhält“, sagt Maya Hakvoort. „Naturgemäß wünschen Eltern ihren Kindern das Beste. Golde lebt mit ihrem Tevje alles andere als in Reichtum. Wie ihr Mann wünscht sie sich, dass es die Kinder einmal besser haben sollen“, sagt die Künstlerin. „Auch ich, in meinem wirklichen Leben als Maya, möchte, dass es meinen beiden Söhnen gut geht. Mögen sie die Arbeit finden, die ihnen Freude macht, und die Partner bekommen, die sie lieben und mit denen sie glücklich sind. Golde hingegen wünscht sich einzig und allein, dass ihre Töchter reiche Männer, egal ob sie alt, hässlich oder unsympathisch sind, heiraten. Denn Golde weiß, was es heißt, in ärmlichen Verhältnissen zu leben.“

Ihr Vater, meint Maya Hakvoort, hätte früher, ähnlich wie der Milchmann Tevje, seine Maya auch gerne reich verheiratet gesehen. „Wogegen ich mich erfolgreich gewehrt habe“, sagt sie schmunzelnd. „Wo keine Liebe ist, nützt der ganze Reichtum nichts“, ist Hakvoort überzeugt. „Genau das wird in ,Anatevka‘ eindrucksvoll vermittelt. Die Kinder zeigen ihren Eltern, dass sie der Liebe und nicht dem Reichtum den Vorrang geben. Zeitel liebt ihren Mottel, auch wenn er nur ein Schneider ist. Mottel ist die Gutmütigkeit in Person, der zwar nie reich sein wird, aber hart arbeitet, damit seine Familie genug zum Leben hat.“

Natürlich, meint die Künstlerin, wünsche sich niemand ein Dasein, in dem genau gerechnet werden muss, ob sich das Leben überhaupt ausgeht. „Vor allem, wenn Kinder da sind, für die gesorgt werden muss. Dennoch ist Reichtum für mich in erster Linie die Gesundheit. Nur wenn ich gesund bin, kann ich arbeiten. Reichtum ist auch, in Harmonie und Frieden zu leben.“

Sie selbst sei schon als Kind zur Sparsamkeit erzogen worden. „Um gut schlafen zu können, brauche ich etwas in Reserve. Das ist vielleicht auch meinem Sternzeichen als Jungfrau geschuldet. Demgemäß bin ich eine Analytikerin, ein erdiger Typ und lebe nach dem Motto, was ich nicht habe, gebe ich nicht aus. Wenn etwas übrigbleibt, lege ich es auf die hohe Kante. Eine Strategie, die mir vor allem auch in der Pandemie-Zeit zugute gekommen ist.“ Neben „Anatevka“ freut sich Hakvoort nach den Absagen der vergangenen Monate auf ein „Herzensprojekt“. „Mit meinem Ensemble feiere ich als Intendantin der Sommerfestspiele Brunn am 25. Mai endlich die Premiere von ,Into the Woods‘, das für 2020 geplant war. Das Märchen-Musical für die ganze Familie verbindet die Handlungen von Grimm-Klassikern. Im Mittelpunkt stehen ein Bäcker und dessen Frau. Die beiden müssen einen Fluch loswerden, um das Kind zu bekommen, das sie sich sehnlich wünschen. Der Fluch ist das Werk einer bösen, beleidigten Hexe, die ich spielen darf, worauf ich mich schon freue“, meint sie schelmisch.Sie habe früher durchaus ihre Probleme gehabt, Schönheiten darzustellen. In ihrer Paraderolle als Kaiserin Elisabeth, die Hakvoort erstmals im Jahr 1994 spielte, gehe es vorrangig um das Ausstrahlen von Schönheit. „Was für mich gar nicht so einfach ist, denn schräge und skurrile Figuren darzustellen, ist mir fast lieber.“

Als „Elisabeth“ ist Maya Hakvoort ab Juni im Schloss Schönbrunn in Wien (Termine unter www.musicalvienna.at) zu sehen. „Die konzertante Veranstaltung ist für mich die Krönung jener Rolle, die ich immerhin bereits 1.056 Mal gespielt habe.“ Hakvoort hat „Botschaften an das Universum“ gesendet, „mit meiner großen Bitte, dass uns Frühling und Sommer die ersehnten Stunden mit Musik, Unterhaltung und Kulturgenuss bringen mögen.“
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