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Ausgabe Nr. 01/2022 vom 03.01.2022, Fotos: Reinhard Hörmandinger
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Die „Dreikinireiter“ und Musikanten singen an jeder Station Lieder.
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Höhepunkt ist die Festmesse in der Pfarrkirche.
Die Heiligen Drei Könige hoch zu Ross
In Neukirchen bei Altmünster (OÖ) reiten die Heiligen Drei Könige von Tür zu Tür um ihren Gesang darzubieten. Aufgrund der Pandemie haben die „Dreikinireiter“ in diesem Jahr zwar Pause, aber „Caspar“ Gottfried Schachinger weiß so schöne Geschichten um dieses Brauchtum, dass sie trotzdem erzählt werden müssen …
Was einer ist, der bleibt, was er ist“, sagt Gottfried Schachinger und bringt damit gelebtes Brauchtum auf den Punkt. Jedenfalls, wenn es um das „Dreikinireiten“ geht, das in Neukirchen bei Altmünster stattfindet. Seit dem Jahr 1959 besuchen in der kleinen oberösterreichischen Gemeinde die Heiligen Drei Könige die Bauernhöfe der Region hoch zu Ross.

Zum ersten Mal schwang sich der heute 73jährige als der „schwarze“ Caspar im Jahr 1966 aufs Pferd. Ein Jahr später war für Franz Leitner, 77, als Melchior Premiere. Selbst das „Küken“ der drei Weisen aus dem Morgenland, Franz Leitners Sohn Wolfgang, 48, hat schon 25 Saisonen als Balthasar hinter sich. Und in ihren angestammten Rollen würden sie auch in diesem Jahr wieder als „Dreikinireiter“
von Haus zu Haus ziehen, wenn ihnen nicht die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

„Die Situation ist einfach zu unklar“, erklärt Schachinger, der auch Organisator der Brauchtumsveranstaltung ist. „Außer uns drei Reitern sind ja noch neun Personen mit, drei sogenannte ‚Rossweiser‘ und sechs Musikanten. Es ist Tradition, dass wir bei jeder Station Lieder singen. Da wir noch gar nicht wissen, ob das überhaupt erlaubt wäre, mussten wir unser ‚Dreikinireiten‘ absagen.“

Damit fallen die Neukirchner schon zum zweiten Mal nicht nur um einen liebgewonnenen Brauch um, es entgeht ihnen auch ein wahrer Ohrenschmaus. Denn im Lauf der vielen Jahrzehnte des Bestehens entstand durch das Wirken von ausgezeichneten musikalischen Leitern ein wohlklingender Chor, der alle Lieder in einem vierstimmigen Satz, begleitet von einem Akkordeon, einer Querflöte und zwei Gitarren darbietet. Deren Qualität sich allein aus der Tatsache ableitet, dass die „Dreikinireiter“ vor zwei Jahren zur Adventzeit im vollen Kölner Dom (D) eine Kostprobe ihrer Musikalität geben durften.

Die Mühen der Reiter entlohnt die Bevölkerung fürsorglich

Waren es anfänglich nur eine Handvoll Lieder, die, von Harmonika und Gitarre begleitet, zum Vortrag kamen, so umfasst das Repertoire heute insgesamt 27 Stücke. „Ein häufig gewünschtes Lied mit dem Titel ‚So wie Quelle dem Tale entflieht‘, stammt sogar nachweislich aus der Feder eines ortsansässigen Komponisten aus dem 18. Jahrhundert“, beschreibt Schachinger die auch übers Liedgut erkennbare Verbundenheit zur Region.

Die spärliche Besiedelung erlaubte es der Gruppe anfangs zuweilen noch, in mancher Stube einzukehren, um betagteren Bewohnern dort ihre Lieder sowie Jahreswünsche darzubieten und gleichzeitig die Geldspenden, aber auch hochprozentige Arzneien zur Virenbekämpfung entgegenzunehmen. Mittlerweile sind es mehr als 100 Sammelstellen auf einem Höhenrücken zwischen Traunsee und Attersee, die die Heiligen Drei Könige über zwei Tage verteilt, am 3. und 6. Jänner, besuchen, wo sie von wohlgesonnenen Mitbürgern erwartet werden.

„An jedem Tag legen wir mehr als 30 Kilometer im Sattel zurück“, sagt der 73jährige. Die Mühen entlohnt die Bevölkerung offenherzig und mit großer Fürsorglichkeit. „Die Gruppe wird an etlichen Gehöften beherbergt und verköstigt, teilweise schon über Generationen.“ Da es als Ehre angesehen wird, für das leibliche Wohl der Männer zu sorgen, ist der Fortbestand dieses schönen Brauchtums auf lange Zeit gesichert.

Es sind aber nicht nur die hörbaren Eindrücke, die die Herzen höher schlagen lassen. Es ist auch der Anblick der Gruppe, wenn sie durch tiefen Schnee in ihren prächtigen Gewändern angeritten kommen, um die Wartenden zu erfreuen.

Höhepunkt am Dreikönigstag ist die Festmesse

Für die ist Gottfried Schachingers Frau Maria verantwortlich, die mit Unterstützung weiterer Damen die farbenfrohen Umhänge und Kopfbedeckungen gefertigt hat. „Mittlerweile tragen wir unsere dritte Garnitur. Eigentlich gar nicht viel in 62 Jahren.“

Langjähriges Reiten bleibt nicht ohne Folge, wenn auch heiterer Art, wie sich Schachinger erinnert. „Vor etwa 15 Jahren war ich auf einem Fjordpferd unterwegs. Eigentlich eine gutmütige und ausgeglichene Rasse, nur hatte das Tier Angst vor Wasser. So sind wir jedem Rinnsal ausgewichen. Beim Queren einer Straße war aber der Asphalt so nass, dass er wie ein Fluss glitzerte. Wir waren gerade im Galopp unterwegs, als das Pferd abrupt vor der Straße stehen blieb.“

So kam es, dass ein afrikanischer König einen Salto vorwärts über den Kopf seines Pferdes machte und dabei wie ein Akrobat auf seinen Beinen landete. „Ich hatte noch das Zaumzeug in der Hand, aber das Pferd trabte vom vermeintlichen Wasser davon“, lacht Schachinger, als er vom „Kunststück“ berichtet. Da er nicht die geringste Verletzung davontrug, konnte er am Dreikönigstag auch beim Höhepunkt des Brauchtums teilnehmen, der Festmesse in der Pfarrkirche Neukirchen.
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