Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 52/2021 vom 28.12.2021, Fotos: jes2uphoto - stock.adobe.com, mauritius images / Erik Reis / Alamy
Artikel-Bild
Vierblättrige Kleeblätter als beliebtes Neujahrsgeschen.
Das gekaufte Glück
Wer ein vierblättriges Kleeblatt geschenkt bekommt, soll im neuen Jahr viel Glück haben. Da es jedoch nur äußerst schwer zu finden ist, wird zum Jahreswechsel meist der von Natur aus vierblättrige „Glücksklee“ verschenkt.
Die Suche nach einem vierblättrigen Kleeblatt erfordert enorm viel Geduld und garantiert trotzdem keinen Erfolg. Wer also dieses seltene Pflänzchen in der freien Natur findet, darf sich wirklich glücklich schätzen.
Erstaunlich wenig weiß bis heute auch die Wissenschaft darüber. Als Ursache für die erhöhte Blattzahl wird jedoch ein Gendefekt vermutet.

„Doch warum und wie oft diese Mutationen auftreten, bleibt weiterhin ein Rätsel“, bekennen Genforscher.
Zudem gibt es bisher auch keine genauen wissenschaftlichen Untersuchungen zur Häufigkeit. Zwei Hobbyforscher aus der Schweiz haben 2017 allerdings selbst in einer Studie an 35 Orten in sechs verschiedenen europäischen Ländern gesucht. Nach ihren Funden kommt auf 5.000 dreiblättrige Kleeblätter nur ein vierblättriges.
Die Glücksjäger entdeckten dabei aber auch Pflanzen mit sechs- und achtteiligen Blättern. Im Jahr 2009 hat der Japaner Shigeo Obara sogar ein Kleeblatt gefunden, das 56 Einzelblättchen trug. Damit stellte er einen Rekord auf und wurde in das „Guinness-Buch der Rekorde“ aufgenommen.
Da aber nur die wenigsten Menschen Zeit für eine ausgiebige Suche haben, kaufen gerade zu Silvester viele den sogenannten Glücksklee im Topf. „Er bildet von Natur aus vierfach gefiederte Blätter, dessen Zentrum dunkelviolett leuchtet“, berichtet Bettina Bayer-Grilz von „Bellaflora“.

Doch was im Blumenhandel und Baumärkten als Glücksklee bezeichnet wird, ist im botanischen Sinn überhaupt kein Klee und auch nicht mit dem bei uns vorkommenden Rot- oder Weißklee verwandt. Beim käuflichen Glücksklee handelt es sich vielmehr um einen Sauerklee, der in Mexiko beheimatet ist und aus der Familie der Hülsenfrüchtler stammt.
Als Glücksbringer im Wohnzimmer lässt dieses Pflänzchen aber häufig schon nach kurzer Zeit die Köpfchen hängen, verliert seinen buschigen Wuchs und damit den dekorativen Charakter. Für viele ein Grund, sich von dem zierlichen Gewächs zu trennen. Doch das muss nicht sein. „Am idealen Standort und mit der richtigen Pflege gedeiht der Glücksklee prächtig, treibt über mehrere Jahre hinweg aus seinen Zwiebeln aus und bezaubert im Sommer sogar mit roten oder rosafarbenen Blüten“, weiß die Floristin aus Klagenfurt (K).

Prinzipiell mag es der Glücksklee zwar hell, aber nicht vollsonnig und er braucht einen kühlen Standort. Auf dem Wohnzimmertisch ist es ihm also auf Dauer zu warm. Ein guter Platz wäre zum Beispiel an einem Nordfenster in einem Raum, der mit 18 Grad Celsius nicht großartig beheizt wird.

„Je kühler die Raumtemperatur, desto kompakter ist der Wuchs“, sagt die Expertin. Dass der Glücksklee eingeht, liegt aber häufig auch daran, dass er schlichtweg „totgegossen“ wird. „Die Zwiebeln faulen schnell beim zu häufigen Griff zur Gießkanne. Auch Staunässe mag der Glücksklee gar nicht“, warnt die Fachfrau.

Wer möchte, kann das Pflänzchen ab Ende Mai auch an einen halbschattigen, windgeschützten Standort auf dem Balkon kultivieren. Hier fühlt es sich in der Regel wohler als in der warmen Wohnung. Die kalten Wintermonate verbringt der Glücksklee freilich im Haus, „wo er uns, als einzelnes Blättchen unter den Kopfpolster gelegt, sagenhafte Träume bescheren soll“, sagt Bayer-Grilz.

Ein kleines Stück vom Paradies
Die Ursprünge des Kleeblattes als Glücksbringer reichen mehr als 2.200 Jahre zurück.

Im Christentum gilt der dreiblättrige Klee als Symbol für die Dreifaltigkeit. Er taucht auch oft in biblischen Darstellungen auf.

Der vierblättrige Klee repräsentiert dagegen das Kreuz und die vier Evangelien. Es heißt, die biblische Gestalt Eva habe ein vierblättriges Kleeblatt als Andenken aus dem Garten Eden mitgebracht. Für Christen verkörpert es deshalb auch heute noch ein kleines „Stück vom Paradies“.

Damit dem „echten“ Glück nichts im Wege steht, dürfen Glücksjäger jedoch nicht aktiv nach einem vierblättrigen Kleeblatt suchen – es muss zufällig gefunden werden. Eine weitere ganz wichtige Bedingung ist, dass es verschenkt wird.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung