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Ausgabe Nr. 52/2021 vom 28.12.2021, Foto: Starpix / picturedesk.com
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Julia Stemberger wurde am 29. Jänner 1965 in Wien geboren. Nach der Matura studierte sie Schauspiel, Gesang und Tanz und wurde als 19jährige mit ihrem Debüt-Film „Herzklopfen“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Später kamen am Wiener Volkstheater, dem Burgtheater und bei den Salzburger Festspielen Erfolge auf der Bühne dazu.
Sie lebt in einer Partnerschaft mit einem Arzt und war bis 2007 mit dem Musiker Christian Altenburger verheiratet. Die gemeinsame Tochter Fanny, 21, ist ebenfalls Schauspielerin. Die neue sechsteilige „Sisi“-Geschichte zeigen ORF1 und RTL in Doppelfolgen am 29. und 30. Dezember, jeweils ab 20.15 Uhr. Teil eins und zwei waren am Dienstag zu sehen.
„Meine ,Sisi‘ gibt eine gute Figur ab“
Die „Sissi“-Trilogie von Ernst Marischka aus den 1950er Jahren mit Romy Schneider in der Titelrolle bewegt die Zuschauer bis heute. Und sie ist anregend. Nun wurde das Leben der jungen Kaiserin Elisabeth vom Sender RTL neu verfilmt. Verkitschte Romantik ist in „Sisi“ der Erotik und Spannung gewichen. Die Schauspielerin Julia Stemberger verkörpert in diesem Sechsteiler die Kaiserin-Mutter und spricht im Interview mit der WOCHE-Reporterin Barbara Reiter über das Erbe von Magda Schneider, die Bedeutung von Strenge und den letzten Tag des Jahres.
Frau Stemberger, die „Sissi“-Filme von Ernst Marischka aus den 1950er Jahren sind legendär. Wie haben Sie die Trilogie wahrgenommen und haben Sie sich die Filme jetzt, da Sie in der RTL-Serie Sisis Mutter spielen, noch einmal angesehen?
Bei mir ist das lange her und es war für mich wie ein Zaubermärchen, das ich mir angesehen habe. Romy Schneider in der Titelrolle ist zum Niederknien schön und charmant, besser geht es nicht. Ich habe mich aber nicht hingesetzt, um mir anzuschauen, wie Magda Schneider, die damals die Ludovika, Sissis Mutter, gespielt hat, das gemacht hat. Ich schaue mir bestehende Produktionen nie an, wenn ich eine Rolle angeboten bekomme. Sonst verliere ich den frischen Blick darauf.
„Sisi“ 2021 legt großen Wert darauf, den Ansprüchen unserer Zeit gerecht zu werden, als historisch korrekt zu sein. Sexualität spielt eine große Rolle. Wie fanden Sie das?
Ich glaube, dass niemand etwas von einem Film hat, der historisch korrekt ist, aber die Menschen nicht anspricht. Da macht man lieber eine Dokumentation. Der Umgang mit Sexualität in unserer Gesellschaft ist vordergründig ein offener, trotzdem gibt es Themen wie Scheu und Scham nach wie vor. Nur weil mehr Fleisch gezeigt wird, heißt das ja nicht, dass die Menschen ihre persönliche Scham abgelegt haben. Wir alle wollten die Menschen so packen, dass sie sagen: „Das interessiert mich. Da will ich mehr wissen.“
Sie haben gemeint, Sie hätten sich keine anderen „Sissi“-Produktionen angesehen. Vorbereiten mussten Sie sich aber. Wie sind Sie vorgegangen?
Ich habe Bücher gelesen. Wir hatten auch Etikette-Training und haben gelernt: Wie verbeugen wir uns, wie ist die Körperhaltung, wie verhältst du dich bei Tisch, wer grüßt wen? Da gab es Menschen am Set, die sich auskannten. Da hätte eine Biografie nicht geholfen. Und dann habe ich natürlich auch auf eigene Erfahrungen zurückgegriffen, die ich als Mutter gemacht habe.
Ludovika ist in der Serie, der Zeit und den Umständen geschuldet, eine recht strenge Mutter. Waren Sie das auch?
In der Serie hat Ludovika die Aufgabe, ihre Mädchen so zu erziehen, dass sie auf dem hohen, kaiserlichen Parkett eine gute Figur abgeben. Die hat schon die Zügel in der Hand, wenngleich Sisi immer ihre Wege findet. Ich habe trotzdem versucht, der Figur neben diesem Pragmatismus so viel Herz und Wärme zu verleihen, wie es möglich war. In meinem Leben als Mutter war ich nie Verfechterin einer Erziehung, wo alles möglich ist. Ich glaube, das tut Kindern nicht gut. Tatsächlich empfinde ich manche Verhaltensweisen von Kindern als Erbetteln von Grenzen, die es von Eltern aufzuzeigen gilt. Mir selbst ist das nicht immer gelungen, aber es gab Regeln, an denen ich nicht rütteln habe lassen. Da ging es um Fernsehzeiten oder den Verzicht des Mobiltelefones am Esstisch. Da müssen sich viele Eltern behaupten. Ich habe meiner Tochter Fanny, 21, als Werte mitgegeben, dass es Zeiten gibt, in denen wir miteinander sind und nicht mit den Gedanken woanders.
Welche Gedanken gehen einer Schauspielerin durch den Kopf, wenn sie in großer Robe und mit kunstvoll gefertigter Frisur vor dem Spiegel steht?
Ich kann mich noch an die erste Kostümprobe erinnern, die umwerfend war. Was unsere Schneiderinnen geleistet haben, ist große Handwerkskunst. Das hat zu einem Gefühl geführt, das eine Zeitreise erleichtert. Wann trage ich solche Kleider, wann bin ich so eingeschnürt? Es wird einem auch bewusst, dass damals niemand in der Lage war, sich allein anzukleiden oder diese kunstvollen Frisuren zu fertigen.
In wenigen Tagen geht das Jahr 2021 zu Ende. Wie werden Sie den Jahreswechsel verbringen?
Ich werde sicher nichts Unvernünftiges machen und mich in keine großen Menschenmengen begeben, auch wenn ich drei Mal geimpft bin und schon Corona hatte. Ich war vor Jahren einmal auf dem Silvesterpfad in Wien und fand es nicht schön. Durch dieses Scherbenmeer zu waten, zwischen grölenden Massen, ist nichts für mich. Am liebsten stoße ich mit Menschen auf das neue Jahr an, mit denen ich gerne zusammen bin. Ich mag auch Wachsgießen, aber eine große Feier brauche ich nicht. Wir leben in einer schwierigen Zeit, die ich als Herausforderung sehe. Das heißt für mich aber nicht, das Leben nicht weiter schön zu finden. Ich bin immer positiv, was anderes können wir uns gar nicht leisten.
Haben Sie ein Motto fürs neue Jahr?
Mach weiter so …
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