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Ausgabe Nr. 51/2021 vom 21.12.2021, Fotos: Doris Kucera, Heribert Corn/Zsolnay Verlag
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Christoph Leitl, Katharina Rogenhofer
Brauchen wir die Gasleitung „Nord Stream 2“?
Gas für 26 Millionen Haushalte soll jährlich durch „Nord Stream 2“ von Russland nach Deutschland fließen. Derzeit gibt es noch keine Genehmigung, weil „die Vorgaben des europäischen Energierechts nicht erfüllt“ sind, sagt die deutsche Grünen-Außenministerin Annalena Baerbock. Die Betreiberfirma arbeitet an dieser Umsetzung. Christoph Leitl, Präsident der europäischen Wirtschaftskammer Eurochambres, ist für das Projekt. Klimaschützer sind dagegen.
JA:
Christoph Leitl,
Ex-Wirtschaftskammer-Präsident

„Wir brauchen ,Nord Stream 2‘, weil die Gaspreise in die Höhe schießen. Die Bürger spüren das schmerzlich im Haushaltsbudget. Auch die Wirtschaft, insbesondere die energieintensive Industrie, leidet darunter erheblich. Daher müssen wir die Energieversorgung sichern, mit einer weiteren Leitung – nicht anstelle der Leitung durch die Ukraine, sondern zusätzlich. ,Nord Stream 2‘ ist fertig und soll in Betrieb genommen werden. Bis wir die erneuerbare Energie in ausreichendem Umfang ausgebaut haben, vergehen sicherlich zehn Jahre. In diesen zehn Jahren sollte das Gas geliefert werden. Wer gegen die Inbetriebnahme ist, schädigt die Bürger, die ohnedies schon unter der Inflation leiden. Ich sehe auch keine Argumente aus politischen Gründen dagegen, denn wir sollten uns bemühen, das Verhältnis zu Russland zu verbessern und nicht mutwillig weiter zu verschlechtern. Das wäre ein weiterer Affront Richtung Russland und würde die bestehenden Probleme anheizen, statt sie abzumildern. Die deutsche Außenministerin wird sicherlich Verständnis haben, dass auch ihre Wählerinnen und Wähler nicht mehr Energiekosten zahlen müssen, als unbedingt notwendig ist.“

NEIN:
Katharina Rogenhofer,
Sprecherin Klimavolksbegehren

„Die Klimakrise wird durch fossile Brennstoffe wie Öl, Kohle und Gas angeheizt. Wenn wir die Treibhausgas-Emissionen langfristig auf null reduzieren wollen, dann müssen wir aus diesen Brennstoffen aussteigen. Infrastruktur wie ,Nord Stream 2‘ fesselt uns aber an Erdgas und ,betoniert‘ langfristig die Emissionen für die Zukunft ein. Zudem macht sie uns abhängig. Einerseits von Russland, das ist wegen der politischen Lage fragwürdig und, wie wir jetzt auch in der Gaskrise sehen, ein Fehler. Andererseits binden solche Infrastruktur-Bauten auch Ressourcen. Mit dem Geld könnten wir die Energiewende vorantreiben, grüne Arbeitsplätze schaffen und Wertschöpfung in unser Land verlagern. Derweil überweisen wir Ländern wie Russland und Saudi-Arabien ungefähr neun Milliarden Euro jährlich für Importe. Man muss jetzt mutige Entscheidungen treffen und ,Pipelines‘ weder bauen noch in Betrieb nehmen und stattdessen in die Zukunft investieren. Den Kosten der Gasleitung müssen wir die Kosten der Klimakrise gegenüberstellen. Letztere werden horrend sein und uns jede Lebensqualität kosten, wenn wir keine Trendwende herbeiführen.“
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