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Ausgabe Nr. 51/2021 vom 21.12.2021, Fotos: dimazel - stock.adobe.com, NASA/Johns Hopkins/APL(2)
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Asteroidenabwehr – Feuerwerk am Weihnachtshimmel.
Diese Raumsonde soll eines Tages die Erde retten
Vor 65 Millionen Jahren löste ein verheerender Asteroideneinschlag einen Klimawandel aus und besiegelte damit vermutlich auch das Ende der Dinosaurier. Am 15. Februar 2013 zerbarst in Russland ein Gesteinsbrocken aus dem All, dessen Druckwelle 1.500 Menschen verletzte und 3.700 Gebäude beschädigte. Solche Katastrophen sollen zukünftig verhindert werden. Die Weltraumorganisationen ESA und NASA üben für den Ernstfall. Und opfern dabei eine Sonde.
Ein riesiger Asteroid rast mit hoher Geschwindigkeit auf die Erde zu. Bis zum drohenden Aufschlag und damit der völligen Vernichtung der Menschheit bleiben nur wenige Tage.
Der US-Schauspieler Bruce Willis, 66, machte sich vor gut 23 Jahren in dem Katastrophenfilm „Armageddon“ todesgewiss auf den Weg ins All, um einen Asteroiden zu sprengen. Nun versucht die Wissenschaft zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt ein ähnliches Experiment.
Die Forscher wollen die drohende Gefahr aus dem All jedoch nicht in die Luft jagen. „Die Dinger kaputtzumachen, so wie Bruce Willis das tat, ist nicht gut, weil dann die ganzen Brösel auf die Erde fallen“, weiß Detlef Koschny von der europäischen Raumfahrtagentur (ESA).

Die Forscher wollen vielmehr die Flugbahn des Asteroiden minimal verändern, sodass er an der Erde vorbeirauscht. Bewerkstelligt werden soll diese 290 Millionen Euro teure Mission mit der etwa kühlschrankgroßen Raumsonde „Dart“, die auf dem unheilbringenden Himmelskörper einschlagen soll. „Also eine Art Asteroiden-Billard“, erklärt Koschny den geplanten kosmischen Auffahrunfall der Sonde, die bereits ihre zwölfmonatige Reise zum 150 Millionen Kilometer entfernten Doppelasteroiden „Didymos“ – griechisch für Zwilling – angetreten hat. „Der größere der beiden Brocken hat 780 Meter Durchmesser, der kleinere ist mit 160 Meter in etwa so groß wie die Cheopspyramide. Er kreist in einem Kilometer Entfernung um seinen großen Bruder, der wiederum mit 20.000 Kilometer pro Stunde durchs All rast“, berichtet der Asteroidenexperte. Und genau auf diesem „Minimond“ will die amerikanische Weltraumbehörde (NASA) die Raumsonde mit einer Geschwindigkeit von 6,5 Kilometern pro Sekunde einschlagen lassen. Tatsächlich kann auch ein kleines Raumfahrzeug einen weitaus größeren Asteroiden ablenken, wenn es mit ausreichend hoher Geschwindigkeit auf ihn trifft. „So wie eine Fliege auch einen Schwergewichtsboxer umhauen könnte – vorausgesetzt, sie fliegt so schnell wie ein Raumschiff“, liefert Koschny einen anschaulichen Vergleich.

Auf der Erde muss sich wegen des Doppelasteroiden freilich niemand Sorgen machen. „Auch nach dem Zusammenstoß mit der Sonde wird er uns um elf Millionen Kilometer verfehlen“, beruhigt der Fachmann. Damit jedoch die Sonde selbst nicht an ihrem Ziel vorbeifliegt, hat sie ein hochspezialisiertes Teleskop mit an Bord. „Es darf aber nie Richtung Sonne zeigen, sonst würde es geblendet und könnte ausfallen“, sagt Koschny. Wenn alles perfekt läuft, trifft „Dart“ ganz allein und ohne Zutun der Wissenschaftler Ende September 2022 mitten ins Schwarze. Im Jahr 2024 soll dann die ESA-Mission „Hera“ – benannt nach der griechischen Göttin – beginnen, um die Auswirkungen des Aufpralles genau zu untersuchen. „Hat die Mission Erfolg und ist die Ablenkung groß genug, hätten wir ein wirksames Instrument an der Hand, um unsere Erde im Ernstfall gegen Asteroiden zu schützen“, glaubt Koschny.

Schließlich ist die Gefahr von Asteroideneinschlägen allgegenwärtig und die Raumfahrtbehörden richten zunehmend ihr Augenmerk auf die 27.000 erdnahen Brocken, die uns eines Tages einmal auf den Kopf fallen könnten.
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