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Ausgabe Nr. 51/2021 vom 21.12.2021, Foto: Cindy Stippich
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Der Christbaum, frisch aus dem Wald
In den letzten Tagen vor Weihnachten haben Christbaumverkäufer alle Hände voll zu tun. Schließlich soll jeder Käufer seinen Wunschbaum bekommen. Gerade gewachsen, mit dichtem Astwerk. Der Landwirt Hubert Taschek bietet seit 50 Jahren eine besondere Art, zu einem Christbaum zu kommen. In seinem Wald in Abriach (K) können Familien selbst zur Säge greifen und sich ihren Wunschbaum schneiden.
Der kleine Ort Abriach bei Gallizien im südlichen Kärnten ist wunderschön winterlich verschneit. In diesem paradiesischen Winterwunderland lädt alljährlich vor Weihnachten der Landwirt Hubert Taschek (36, Tel. 0664/2326760) zum Christbaumschneiden in seinen Wald ein. Dafür reisen aus ganz Kärnten Familien mit ihren Kindern an, um sich dieses ganz besondere vorweihnachtliche Ereignis nicht entgehen zu lassen.

„Seit bereits 50 Jahren kann bei mir jeder Kunde selbst zur Säge greifen und sich seinen eigenen Christbaum schneiden“, erklärt Taschek, der die schöne Tradition von seinem Vater Ignaz fortsetzt, der mit dem Christbaumverkauf neben seiner Landwirtschaft auf kleiner Fläche begonnen hat. Heute werden auf insgesamt sieben Hektar pro Jahr 5.000 Christbäume verkauft. Sorgfältig von den Vätern, Müttern und sogar den Kindern ausgewählt.
„Papa, schau, diesen Christbaum möchte ich haben“, sagt der achtjährige Simon und zeigt aufgeregt auf eine zwei Meter große Tanne. Gemeinsam mit seinen Eltern Daniel, 39, und Barbara Oberdünhofen, 38, sowie seinen Geschwistern David, 10, und Johanna, 4, stapft der Bub durch den tiefen Schnee zu einer Nordmanntanne und sägt mit seinem Vater den Baum beherzt ab.

Aus dem Wald gezogen und ins Schutznetz
„Es ist einmalig hier“, schwärmt die dreifache Mama. „Zwischen den Bäumen durch den Schnee zu stapfen und sich einen Baum auszusuchen, ist ein wunderbares Erlebnis für die Kinder.“ Ist der Baum erst einmal in der guten Stube, gehört das gemeinsame Schmücken der immergrünen Tanne bei der Familie Oberdünhofen ebenfalls zur liebgewonnenen Tradition. „Ich habe für den Baum Christbaumschmuck aus Holz selbst gebastelt, unter anderem Sterne und Schneemänner“, erzählt David, der nun gemeinsam mit seinem Vater den Baum vorsichtig zu Hubert Taschek zieht, der um die Tanne ein Schutznetz legt. „Bei uns findet jeder den richtigen Baum, denn unsere Christbäume sind in unterschiedlichen Größen erhältlich, von einem halben Meter Höhe bis zu sieben Metern“, erklärt der Landwirt. Nach Metern abgerechnet wird auch der Preis des Baumes. Ein Meter Baumhöhe kostet 22 Euro.

Vor Weihnachten herrscht natürlich Hochbetrieb im Christbaum-Wald, da ist es gut, dass die gesamte Familie mitanpackt. So hilft Onkel Dieter Peval beim Verkauf und Einpacken der Bäume und Tascheks Frau Manuela, 38, beim Vermessen der Tannen, Fichten und Kiefern. „Die meisten Käufer wollen eine Nordmann-Tanne, wegen der lange Haltbarkeit und der weichen Nadeln. Bei der Größe liegen jene Gehölze vorne, die zwischen eineinhalb und zwei Meter groß sind“, erklärt Manuela Taschek und verweist auf das natürliche Wachstum ihres Waldes.

„Wir legen großen Wert auf die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Kultur und verwenden keinerlei Spritzmittel. Angepflanzt werden die Tannen im Frühjahr und im Herbst. Jeweils einen Quadratmeter hat ein Baum zum Wachsen Platz. Damit ihn davon auch kein Unkraut abhalten kann, setzen wir 20 Shropshire-Schafe zur Pflege unserer Christbaumkulturen ein. Sie fressen das Gras rund um die kleinen Bäume ab und geben ihnen so Licht und Raum. Das Entscheidendste beim Baumwachstum ist das erste Jahr. Es muss ausreichend regnen, damit der Baum ordentlich Wurzeln schlagen kann.“

Beim Umschneiden spielt dann sogar der Mond eine Rolle. „Am haltbarsten sind jene Bäume, die in den richtigen Mondphasen geschnitten werden. Wenn die Christbäume drei Tage vorm Vollmond oder bei Neumond abgesägt werden, halten sie besser, sie verlieren die Nadeln nicht“, erklärt Christbaum-Experte Hubert Taschek.

Für die Krankenschwester Anja Harrich, 32, die mit ihrem Mann Daniel, 35, und den Kindern Jakob, 8, sowie Felix, 5, aus Klagenfurt angereist ist, war die Mondphase nicht das Wichtigste. „Wir wollten dieses Erlebnis, im Wald nach dem geeigneten Baum zu suchen, selbst einmal genießen. Den passenden Christbaum haben die vier bald gefunden und Daniel Harrich befestigt ihn mit Bändern am Autodach. „Ich kann es kaum erwarten, den Christbaum mit bunten Kugeln, Kerzen und vielen Süßigkeiten zu schmücken“, freut sich Jakob.
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