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Ausgabe Nr. 47/2021 vom 23.11.2021, Fotos: Sony Music
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Die Engländerin Adele, 33, hat ihr Leben umgekrempelt.
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Das Album „30“ ist das vierte von Adele.
Es ist seit letzten Freitag im Handel.
Die zwölf Lieder spiegeln Adeles meist traurige Gefühle während Ihrer Scheidung wider.
„Ich will einfach nur geliebt werden“
Ihr Name steht für Erfolg. Adele Laurie Blue Adkins, geboren in der englischen Hauptstadt London und heute 33 Jahre alt, scheint zu wissen, was die Menschen hören wollen. Seit ihrem Debutalbum „19“ im Jahr 2008 ist sie die bestimmende Frau im Musik-Geschäft.
Drei Alben hat sie bislang veröffentlicht und davon 120 Millionen Stück verkauft, dazu gewann sie bislang 15 der renommierten Musik-Preise „Grammy“ sowie einen „Oscar“ für das Titellied zum James-Bond-Film „Skyfall“. Jetzt hat sie ihr viertes Album mit dem Titel „30“ auf den Markt gebracht.
Es ist ein Werk, auf dem sie keineswegs in Selbstmitleid versinkt, weil ihr das Leben in der jüngeren Vergangenheit den einen oder anderen Stolperstein in den Weg gelegt hat. Vornehmlich ihre Scheidung vom langjährigen Partner Simon Konecki, dem Vater des gemeinsamen, neunjährigen Sohnes Angelo.

Dass Adele ihr neues Werk „30“ genannt hat, führt sie auf die damaligen Lebensumstände zurück. „Ich hatte keine Ahnung, wer ich war. Die meisten Menschen, die mich persönlich kennen, glauben, ich hätte mein Leben im Griff, weil ich eine erfolgreiche Karriere habe. Aber nur weil ich in finanziell stabilen Verhältnissen lebe, heißt das nicht, dass mein Leben auch in Ordnung ist. Und das heißt auch nicht, dass ich mich selbst mag.“
Ihre Zweifel rühren von der Kindheit her. Ihre Eltern ließen sich scheiden, da war sie gerade einmal drei Jahre alt. Die Schuld suchte sie dennoch bei sich. Und die Wunden heilten nur langsam. Mit Hilfe von Therapeuten. Seit ihrer Kindheit sucht die Künstlerin immer wieder deren Hilfe. „Zum ersten Mal nach dem Tod meines Großvaters, damals hat es ein Therapieangebot von der Schule gegeben.“

Der Opa stand ihr nahe, weil er für Adele eine wichtige Bezugsperson war. Zum Vater hatte sie nur selten Kontakt. „Ich habe viele Sommer- und Weihnachtsferien bei meinen Großeltern verbracht. Sie haben mich immer verwöhnt“, meint die 33jährige.
Ein Wendepunkt trat mit 30 Jahren ein, als ihr eine Therapeutin neue Wege zeigte. Es ging darum, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und den Kopf beim Wandern freizubekommen. „Ich müsse raus in die Natur, wurde mir geraten. Das stimmte auch. Zehn Jahre lang war ich nur in Innenräumen, in Studios, in Autos, in Flugzeugen und in Hotelzimmern.“ Adele ging wandern. Rund um Los Angeles im US-Staat Kalifornien, wo sie seit Jahren lebt.

Und sie folgte einem weiteren Rat, der Fitnessstudios beinhaltete. Am Höhepunkt ihrer Krise, der Trennung von ihrem Mann, merkte sie, dass es ihr nach dem Training stets besser ging. „Ich wurde regelrecht süchtig danach.“ Bilder gingen um die Welt, die Adele in erschlankter Figur zeigten und ihre Anhänger in Besorgnis verfallen ließ. Sie aber fühlte sich gut. „Ich habe mich selbst an die erste Stelle gesetzt.“
Wie nötig dies war, verhehlt die Sängerin nicht zu betonen. Sie sei wochenlang fast ohne Unterbrechung im Bett geblieben, derart psychisch angeschlagen sei sie gewesen, so die Künstlerin. Depressiv und desillusioniert, von Ängsten und Selbstanklagen geschüttelt, nur noch für Angelo halbwegs funktionierend. Wie sie dann den Sport – und alsbald die innere Athletin – in sich entdeckte, immer öfter wandern ging, drei Mal täglich trainierte und – ohne Diät, wie sie beteuert – mehr als vierzig Kilo verlor. Und, das erfahren wir in der köstlich betitelten, hymnenhaften Single „I Drink Wine“, wie sie nach und nach unter den Trümmern der Trennung und inmitten tiefer Verzweiflung wiederfand, was sie verloren wähnte: ihr Ich.

Die Lieder für ihr neues Album hat sie in dieser schwierigen Phase geschrieben. „Immer, wenn etwas in meinem Leben passiert, gehe ich ins Studio“, sagt die Engländerin. „Da kann mich niemand erreichen. Im Studio habe ich das Gefühl, hier kann mir nichts passieren, es ist der Ort, an dem ich mich sicher fühle.“

Ihr Album „30“, so sagt Adele, sei die künstlerische Wiederaufbereitung eines Lebens, das mit 30 Jahren in seine Einzelteile zerfiel und langsam wieder zusammengefügt werden musste. „Ich will einfach nur geliebt werden und lieben in der reinsten Form“, schmettert sie in dem sich dramatisch zuspitzenden kraftvollen Piano-Stück „To Be Loved“ hinaus.
Mit ihrem neuen Freund, dem Sportmanager und Spielerberater Rich Paul unternimmt sie diesbezüglich den nächsten Anlauf.
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