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Ausgabe Nr. 47/2021 vom 23.11.2021, Foto: imago images/ZUMA Press
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Schrille Modewelt in „House of Gucci“.
Die schwarze Witwe
Sie ist nicht nur „gaga“, sie kann auch böse sein. In „House of Gucci“ setzt Lady Gaga, 35, die im echten Leben Stefani Germanotta heißt, einen Auftragsmörder auf ihren Ex-mann an. Der Film ist ab zweitem Dezember im Kino zu sehen. Im echten Leben kämpft die schrille Pop-Sängerin nach einer Vergewaltigung gegen Depressionen.
Sie will Rache. Denn ihr Mann hat sie betrogen, worauf sie sich scheiden ließ und den Einfluss im Gucci-Imperium verlor. Dafür schreckt Patrizia Reggiani, 72, gespielt von Lady Gaga, 35, auch vor Mord nicht zurück. Ein „Profikiller“ soll den Modehaus-Erben Maurizio Gucci (Adam Driver, 37) zur Strecke bringen. Kein Geringerer als der Meisterregisseur Ridley Scott, 83, wagte sich an die Verfilmung dieser wahren Begebenheit. „House of Gucci“ ist ab zweitem Dezember in unseren Kinos zu sehen.
Kennengelernt hatte Reggiani ihren Mann Anfang der 70er Jahre. Genau dort knüpft der Streifen an. Maurizios Vater Rodolfo Gucci (Jeremy Irons, 73) hatte seinen Sohn gewarnt, sie habe nur Geld im Sinn – er behielt Recht. Schnell wird klar, dass Reggiani um Macht im Gucci-Imperium pokert. Sie legt sich auch mit Maurizios Onkel Aldo (Al Pacino, 81) an und sogar mit ihrem Mann.
Später lässt sie ihn in Mailand (Italien) auf offener Straße erschießen.

Mit 14 Jahren tanzte sie auf Tischen
In die Rolle der „Schwarzen Witwe“ Reggiani tauchte Lady Gaga, die eigentlich Stefani Germanotta heißt, tief ein. Sie färbte nicht nur ihr blondes Haar brünett, sondern legte sich auch privat einen italienischen Akzent zu. Monatelang studierte sie Zeitungsberichte und Aufnahmen von Reggiani. „Ich lebte und redete wie sie. Auch wenn ich nicht vor der Kamera stand, blieb ich sie“, sagt die Mimin und Sängerin, die für ihre bunten, schrillen Auftritte bekannt ist.
Eine Unterhalterin war die am 28. März 1986 in New York (USA) geborene Tochter italoamerikanischer Eltern schon als Kind. Bei jeder Gelegenheit schnappte sie sich ihren Kassettenrekorder und sang Lieder von Cyndi Lauper, 68, und Michael Jackson († 2009) nach. Salzstangen dienten ihr als Mikrofon. „Ich habe mich schon als kleines Mädchen andauernd in Szene gesetzt, und im Grunde genommen mache ich das auch heute noch“, erzählt sie schmunzelnd.

Mit vier Jahren lernte sie Klavierspielen, nur nach Gehör. Mit 13 komponierte sie ihre erste Ballade. Ein Jahr darauf tanzte sie in Lokalen auf den Tischen. In der Schule hatte sie es dafür nicht leicht. „Ich wurde gehänselt, dass ich hässlich sei, eine große Nase hätte und mit meiner Singerei nerven würde. Manchmal wollte ich gar nicht mehr in die Schule gehen.“
Lieber verbrachte sie Zeit in Lokalen. „Ich bin in jedem Klub in New York City auf der Bühne gestanden. Zunächst waren es Reinfälle, dann konnte ich die Zuschauer irgendwann für meine Show begeistern.“ Im Gegensatz zu ihren Eltern. Weil Gaga Drogen nahm, brachen sie den Kontakt zeitweise ab. Ein angefangenes Musikstudium schmiss sie hin.

Vergewaltigt vom Musikproduzenten
Zum Glück wurde eine Plattenfirma auf sie aufmerksam. Mit nur 19 Jahren bekam sie einen Vertrag. Ihren Künstlernamen verpasste sich Gaga wegen des Liedes „Radio Gaga“ der britischen Rockgruppe „Queen“.
Doch auf ihrem Weg nach oben hatte sie ein traumatisches Erlebnis. Ein Musikproduzent forderte sie mehrmals auf, sich auszuziehen und drohte damit, ihre gesamte Musik zu vernichten. Schließlich vergewaltigte er sie. „Danach hat er mich schwanger an einer Ecke ausgesetzt.“ Ob sie abgetrieben hat, darüber schweigt sie. Genau wie über den Namen des Vergewaltigers. „Ich möchte dieser Person nie wieder begegnen.“

Psychische Probleme hat sie deswegen bis heute. „Ich leide an einer chronischen Depression. Da ist etwas in meinem Gehirn, das nicht richtig zu funktionieren scheint.“ Immer wieder hat sie schwere Tage zu bewältigen. Die Depression ist ihr ständiger Begleiter.
Trost fand sie in der Musik. Im Jahr 2008 veröffentlichte sie „Just Dance“ und schaffte es mit dem Lied weltweit in die Hitparaden. Inspiration fand sie in Drogen, wie sie vor Jahren gestand. Ab und zu gönnte sie sich ein Näschen Kokain. „Durch die Drogen habe ich erst herausgefunden, welche Art von Kunst ich machen möchte. Aber immerhin habe ich es nie so weit kommen lassen, eine Überdosis zu nehmen.“ Verbotenen Substanzen hat sie heute – nach einigen Rückfällen – abgeschworen. Ihr neues Laster heißt Kaffee. „Den brauche ich, um kreativ zu sein“, schmunzelt Gaga.

Im kugelsicheren Kleid bei Joe Bidens Angelobung
Mittlerweile gehört sie zu den gefragtesten Popsängerinnen. Sogar bei der Angelobung von US-Präsident Joe Biden, 78, trat sie auf. In pompöser Robe sang sie die Nationalhymne. Dabei ging sie auf Nummer sicher. „Niemand wusste, dass ich dabei ein kugelsicheres Kleid anhatte.“
Unlängst präsentierte Gaga ihr neues Album „Love for Sale“. Es ist das zweite Album, das sie gemeinsam mit dem legendären amerikanischen Jazz-Sänger Tony Bennett, 95, aufnahm. „Es ist immer eine Ehre, mit meinem Freund Tony zu singen.“
Dass die Sängerin auch eine begnadete Schauspielerin ist, zeigt ihre „Oscar“-Nominierung im Jahr 2019 als beste Hauptdarstellerin in „A Star is born“. Die goldene Statue ergatterte sie tatsächlich, allerdings für das beste Filmlied „Shallow“ in dem Streifen. Zudem räumte sie bislang zwei „Golden Globe“-Filmpreise und zwölf „Grammy“-Musikauszeichnungen ab.

Neues Liebesglück
In der Liebe musste die Popsängerin hingegen einige Enttäuschungen hinnehmen. Fünf Jahre war sie mit dem Schauspieler Taylor Kinney, 40, zusammen. „Wir haben oft gestritten und er hat mir das Herz gebrochen.“ Auch die Beziehung mit dem Kunstvermittler Christian Carino scheiterte nach zwei Jahren. Eine Liaison mit ihrem Toningenieur Don Horton dauerte noch kürzer. Derzeit scheint es wieder besser zu laufen. Anfang des vergangenen Jahres machte sie ihre Liebe zu Michael Polansky bekannt, der eine Wohltätigkeitsorganisation leitet. „Die beiden sind mehr als vernarrt ineinander“, erzählt ein Bekannter der beiden. „Wenn sie zusammen sind, berühren sie sich die ganze Zeit, sie kichern und es ist offensichtlich, dass sie einander lieben.“ Die Sängerin soll ihn als Liebe ihres Lebens bezeichnet haben. Einen Kinderwunsch hegt sie schon lange.

„Ich möchte viele Kinder. Drei sollten es mindestens sein.“ Allerdings befürchtet sie, dass sie wegen ihrer Erkrankung an Fybromyalgie keine Kinder kriegen kann. Die chronische Erkrankung kann Schmerzen in verschiedenen Körperregionen sowie Schlafstörungen, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme verursachen. Außerdem leidet die Mimin an der Autoimmunkrankheit Lupus.

Die echte „Lady Gucci“ ist sauer
Ihre Rolle in „House of Gucci“ hat ihr einiges abverlangt. Denn die Dreharbeiten waren anstrengend. Und weil sie sich hineingesteigert hat, verlor sie irgendwann den Bezug zur Realität. „Ich hatte gegen Ende der Dreharbeiten psychische Probleme, konnte nicht mehr zwischen Filmset und Realität unterscheiden.“
Schwierigkeiten mit dem Film, der auf dem Roman „Gucci: Mode, Mord und Business“ von Sara Gay Forden basiert, und deswegen nicht ganz authentisch ist, hat vor allem aber die echte „Lady Gucci“. „Der Film beleidigt mich. Lady Gaga hätte wenigstens die Rücksicht und Sensibilität haben können, mich vorher zu treffen. Außerdem wird die Identität der Familie Gucci gestohlen, um daraus Profit zu schlagen“, sagt Reggiani.

Sie musste wegen guter Führung nur rund 17 statt 26 Jahre im Gefängnis verbüßen und lebt heute in Mailand. Den Mord an ihrem Ex hatte sie stets abgestritten. Bis sie sich 2014, kurz nach ihrer Entlassung, verriet. Ein Journalist hatte sie gefragt, warum sie ihren Ex nicht selbst umgebracht habe. Sie antwortete, „Ich sehe nicht so gut. Ich wollte nicht danebenschießen.“ Später verriet Reggiani, „Ich war wütend auf Maurizio über viele Dinge. Aber vor allem darüber, das Familienunternehmen zu verlieren. Es war dumm. Es war ein Misserfolg. Ich war voller Wut, aber es gab nichts, was ich tun konnte.“
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