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Ausgabe Nr. 45/2021 vom 09.11.2021, Foto: Dirk Masbaum
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Katarina Witt wurde am 3. Dezember 1965 in Berlin (Deutschland) geboren. Bereits mit 14 Jahren erreichte sie bei den Staatsmeisterschaften ihrer Heimat DDR den dritten Platz im Eiskunstlauf. Dann ging es steil bergauf. Witt wurde zwei Mal Olympiasiegerin, vier Mal Weltmeisterin und sechs Mal Europameisterin. Bereits mit 23 Jahren beendete sie ihre erfolgreiche Karriere.

Heute betreibt die in Berlin lebende Sportlerin ein Fitnessstudio, sie hat eine Stiftung zur sportlichen Förderung behinderter Kinder und sie wirbt für Eiskunstlauf-Veranstaltungen. Auch als Schauspielerin ist sie tätig.
„Ohne Sport werde ich zum Brummbär“
Was sie im Eiskunstlauf geschafft hat, ist einzigartig. Die gebürtige Berlinerin (D) Katarina Witt ist zweifache Olympiasiegerin, vierfache Weltmeisterin und sechsfache Europameisterin. Auch nach Beendigung der aktiven Karriere steht Witt nicht still.
Die 55jährige ist unter anderem Sport-Botschafterin, Produzentin und Autorin. Mit der Corona-Politik ist sie nicht zufrieden. Welche Regel in ihrem Fitnessstudio gilt, erzählte sie dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth.
Frau Witt, kommen Sie noch regelmäßig zum Eislaufen?
Im Vorjahr war ich zum ersten Mal nach langer Zeit wieder auf dem Eis, für einen Werbefilm, und es hat mir Spaß gemacht. Dann wurden während der Corona-Pandemie selbst die größten und luftigsten Eishallen geschlossen. Für diesen Winter sollte es aber keine Ausreden mehr geben.
Machen Sie jeden Tag Sport?
Ich versuche, mich täglich in irgendeiner Form zu bewegen. Ich muss mir feste Zeiten vornehmen, in denen ich mich dem Sport widme, das Mobiltelefon weglege und alle anderen Aufgaben und Verpflichtungen hintanstelle.
Was bedeutet Sport für Sie?
Sport tut mir körperlich gut und ist ganz wichtig und auch verantwortlich für mein psychisches Gleichgewicht.
Was passiert denn mit Ihnen, wenn Sie ein paar Tage nichts machen?
Dann werde ich so ein bisschen zum Brummbär (lacht).
Wie viel haben Anti-Brummbär-Sport und Leistungssport auf Olympianiveau miteinander zu tun?
Da besteht ein Riesenunterschied. Ich mache heute nur noch Wohlfühlsport. Auch für meine Mitglieder im Sport-Studio lautet die Devise, dass sie sich hinterher besser fühlen sollen als vorher. Im Leistungssport war es meistens umgekehrt (lacht). Da bin ich zum Teil aus der Eishalle gekrochen, so anstrengend war das. Ich bin dankbar für meine Zeit im Leistungssport und auch dankbar dafür, ein leidenschaftliches Team gehabt zu haben, das mich über meine Grenzen hinausgebracht hat. Denn erst dann merkst du, wie leistungsfähig du tatsächlich bist. Aber alles zu seiner Zeit. Heute ist mir der Sport vor allem wichtig, um meine Gesundheit zu erhalten.
Hält Sie der Sport auch jung?
Ja klar. Er hilft mir, mich fit, vital und stärker zu fühlen. Ich will noch lange so viel Kraft haben wie jetzt, und ich wünsche mir, dass der Körper noch möglichst lange so funktioniert, wie ich das kenne. Oft merken wir ja erst, wenn die Wehwehchen da sind, dass wir unseren funktionierenden Körper für selbstverständlich genommen haben. Unser Körper ist ein Wunder der Natur, aber wir dürfen ihm nicht nur alles abverlangen und zumuten. Wir müssen ihm etwas zurückgeben, und zwar Sport. Ohne aktiven Sport gibt es langfristig keine Gesundheit.
Sind Sie soweit zufrieden mit Ihrem Körper und Ihrer Fitness?
Bin ich. Ich habe aufgehört zu denken, dass ich alles optimieren muss, so wie das als Leistungssportlerin der Fall war. Ich bin mit meiner körperlichen Verfassung zu 95 Prozent zufrieden, und das genügt mir.
Sie pfeifen also auf die restlichen fünf Prozent?
Also klar, das Gefühl „Drei Kilo könnten runter“, das habe ich seit 30 Jahren (lacht). Es geht halt stetig ein kleines bisschen nach oben. Aber ich muss ja keine Olympiasiegerin mehr werden.
Sie haben vor einigen Monaten auf dem sozialen Netzwerk Facebook geschrieben, ein paar Kilo zugelegt zu haben. Sind die wieder weg?
Hmm, welch uncharmante Frage (lacht). Natürlich ist es bequemer und leichter, die Kilos draufzukriegen, als sie wieder loszuwerden. Und mit köstlichem Essen lasse ich mich gern verführen. Aber alles in Maßen.
Die wenigsten Menschen haben die Pandemie, was das Wohlfühlgewicht betrifft, vermutlich unbeschadet überstanden, oder?
Zwischenzeitlich war es bei mir so, dass ich dachte, „Jetzt ist eh alles egal.“ Die Corona-Politik war für mich auch eine Form der Entmündigung. Es hat mich psychisch mitgenommen, dass ich mich als verantwortungsvolle Bürgerin komplett außen vor gefühlt habe, während eine kleine Anzahl von Politikern ihre Beschlüsse über unsere Köpfe hinweg fasste. Da wurde genüssliches Naschen so etwas wie Seelentrost für mich. Und weil einige Zeit alles geöffnet war, wo Ess- und Trinkbares gekauft werden konnte, aber alles geschlossen war, wo wir es hätten abtrainieren können, haben viele eben etwas zugelegt.
Was hat die Zeit mit Ihnen gemacht?
Mein unerschütterlicher Glaube an unsere Demokratie hat Risse bekommen und mir vor Augen geführt, wie abhängig wir von einzelnen Personen in der Politik sind. Als jemand, der aus der ehemaligen DDR stammt, den Mauerfall und die Wiedervereinigung erlebt hat, ist mir unsere Demokratie mit das wichtigste Gut. Dass wir sie nicht als Selbstverständlichkeit nehmen dürfen, empfinde ich schon länger. Ich fand, dass unsere demokratischen Rechte bis zu einem gewissen Grad ausgehebelt wurden – teilweise zurecht, teilweise haben sich die Politiker zu wenig Gedanken gemacht und nur Schwarz-Weiß gesehen.
Sie selbst sind geimpft. Welche Corona-Regeln gelten in Ihrem Sportstudio „Kurvenstar“?
Ich habe die „7-G-Regel“. Gesund, geimpft, genesen, getestet und gemeinsam gut gelaunt. Ich mache das nicht mit, dass ich Menschen ausschließe. Die Menschen, die bei mir trainieren, sind überwiegend 40 Jahre und älter. Sie wollen bewusst etwas für ihre Gesundheit, ihren ganzen Muskelapparat und ihre Abwehrkräfte tun. Das sind alles vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft, die wissen, wie wichtig es für ihre Gesundheit ist, sportlich aktiv zu sein und somit ihre Lebensqualität zu erhalten.
Haben Sie ein paar Tipps für die kalte Jahreszeit?
Bewegung, Bewegung, Bewegung. Egal, wie nass oder kalt es ist – rausgehen an die frische Luft. Fahrradfahren, laufen, walken – alles ist wichtig und gut. Schlechtes Wetter ist keine Ausrede.
Haben Sie sich je als Sex-Symbol gefühlt? Immerhin war die amerikanische Ausgabe des Männermagazins „Playboy“ aus dem Jahr 1998 mit Ihnen auf dem Titel sofort vergriffen?
Marilyn Monroe und ich – wir sind die einzigen, die weltweit ausverkauft waren. Dass mit Nacktheit so ein Aufsehen erregt werden kann, hätte ich nicht gedacht. Aber die Fotos waren wirklich schön (lacht).
Was ist denn neben Ausstrahlung und Leidenschaft wichtig, um Erfolg zu haben?
Meine Hartnäckigkeit. Mich haut so schnell nichts um, auch keine Niederlage. Beim Eislaufen landest du ständig auf dem Hintern. Und bevor du festfrierst, stehst du eben sofort wieder auf. Ich liebe es, etwas zu riskieren und auch ins kalte Wasser zu springen.
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