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Ausgabe Nr. 45/2021 vom 09.11.2021, Foto: Alex_ Photo&Footage - stock.adobe.com
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Geheimbünde - Teil 2 - Opus Dei
Das umstrittene „Werk Gottes“. Für Kritiker ist das Opus Dei, zu deutsch „Werk Gottes“, eine weltweit bis in höchste Kreise vernetzte, nach Macht strebende Geheimorganisation. Unter dem Schutzmantel der Kirche stehend, haben die Anhänger freilich ein völlig anderes Selbstbild.
Spätestens seit der Verfilmung des Romans „Der Da Vinci Code – Sakrileg“ (2006) von Dan Brown hat Opus Dei („Werk Gottes“) den Ruf eines machtbesessenen Geheimbundes. Bis heute erweist sich ein Blick in das Innere der Organisation schwierig. Die weltweit etwa 90.000 Mitglieder, zwei Prozent davon sind Priester, haben sich zum Schweigen verpflichtet.

Während Aussteiger und Abtrünnige von Verfolgung berichten, kämpft Opus Dei darum, noch mehr Einfluss in der katholischen Kirche zu bekommen. Was der Geheim-Organisation bislang am besten in Spanien, dem Ursprungsland des Opus Dei, gelungen ist. Dort sind bereits Bereiche des Justiz- und Bildungswesens von Mitgliedern des geheimen Netzwerkes unterwandert.
In unserem Land hat „das Werk Gottes“ etwa 400 Mitglieder, darunter 20 Priester. „Wenn ,geheim‘ so viel wie ,intransparent‘ bedeutet, dann trifft die Bezeichnung ,Geheim-Organisation‘ auf Opus Dei zu. Zumal auf der Internetseite (www.opusdei.org) weder eine Adresse noch Namen aktiver Mitglieder angeführt sind. Von einigen wie dem ehemaligen St. Pöltener Bischof Klaus Küng ist bekannt, dass sie dem Opus Dei angehören“, sagt Dr. Gerhard Engelmayer, Präsident des Humanistenverbandes Österreich.

Der einzige Repräsentant nach außen ist Robert Weber, 40. Der Vorarlberger ist seit vier Jahren als Regionalvikar „Chef“ des hierzulande aktiven Opus Dei. Schon mit 18 Jahren heuerte er bei Opus Dei an, studierte Theologie an der Päpstlichen Universität in Rom (Italien) und wurde 2011 zum Priester geweiht. Von Anfang an mit dem Dienst am Opus Dei verbunden, wollte er das Priesteramt nie im klassischen Sinne ausüben. Weber vertritt die These, dass „die Mitglieder in ihrer beruflichen Wirklichkeit Christus finden sollen“. Dass Opus Dei versuche, Mitglieder in Machtpositionen zu steuern, sei nicht die Realität, die er kenne.

„Dass die Aussagen der Mitglieder stark von den Fakten abweichen, ist charakteristisch für undurchsichtige Organisationen. Das Agieren im Geheimen hat mit dem streng autoritären Gefüge zu tun. Wer in der Hierarchie unten oder außerhalb steht, der bekommt keine Information. Transparenz ist ein Merkmal von demokratischen Verhältnissen, Intransparenz von autoritären. Oft wird betont, Opus Dei strebe keine politische Macht an. Dennoch war Bernhard Bonelli, der Kabinettschef im Bundeskanzleramt und damit engster Berater von Bundeskanzler Alexander Schallenberg wie auch von Ex-Kanzler Kurz, bei Opus Dei. Was er allerdings bestreitet“, sagt Engelmayer. Unbestritten sei jedoch, dass Bonelli seinen MBA-Abschluss an der Universität Barcelona (Spanien), einer Tochter-Hochschule der Universität von Navarra gemacht hat, die eine Ausbildungsstätte des Opus Dei ist.

Dass die Organisation von höchster Stelle gefördert wird, führt der Präsident des Humanistenverbandes darauf zurück, dass der Katholizismus nie aus dem Volk, sondern von „oben herab“ gekommen sei. „1970 übertrug der damalige Erzbischof von Wien, Kardinal Franz König, den Priestern des Opus Dei die seelsorgliche Betreuung der Wiener Peterskirche. Der Hauptsitz des Opus Dei befindet sich gleich gegenüber der Kirche, am Petersplatz Nummer 6, worauf jedoch kein Schild hinweist“, kritisiert Engelmayer die Intransparenz. Opus Dei sei erzkonservativ, strebe nach Macht und besäße einen sektenhaften Charakter. Das Sektenhafte werde durch Geheimniskrämerei, die der „omerta“ (Schweigepflicht) der Mafia nahekommt, charakterisiert. Dazu komme die Unterdrückung jeglicher Kritik, Praktiken der Selbstkasteiung und Selbstgeißelung sowie eine „Geschlechter-Ordnung“, nach der sich Frauen den Männern unterzuordnen haben.

Geködert mit Ausflügen und Ferienlagern, werden vorzugsweise Jugendliche angeworben, die nach einer Gemeinschaft suchen. Auch in Bildungseinrichtungen, an denen Opus-Dei-Mitglieder als Religionslehrer arbeiten, wird Werbung gemacht. „Was an sich skandalös, aber Tatsache ist“, verweist Engelmayer auf das Beispiel einer Wiener Privatschule. Offenbar würden die Eltern darüber hinwegsehen, dass die Geschichte des Opus Dei eng mit dem spanischen Faschismus verbunden ist. Sie möchten das Fortkommen des Kindes nicht gefährden, denn ein Abschluss an dieser Schule sei eben noch immer eine Eintrittskarte in die „höhere Gesellschaft“.
Nach dem Kirchenrecht ist Opus Dei eine Personalprälatur und damit Teil der hierarchischen Struktur der römisch-katholischen Kirche. Anders als Klöster, untersteht die Organisation direkt dem Papst.

Für Spekulationen sorgt der dem „Werk Gottes“ nachgesagte Reichtum ebenso wie die sagenumwobenen Rituale der Selbstgeißelung, denen zufolge Opus-Dei-Mitglieder Bußgürtel um den Oberschenkel tragen.
Fest steht, dass die Organisation innerhalb der Kirche über Geld, gespendet von begüterten Unterstützern, und damit über Macht verfügt, um bei der Besetzung wichtiger Posten zum Zug zu kommen.
Engelmayer zweifelt nicht an, dass die umstrittene Vereinigung eine Zukunft hat. „Wenn auch von bescheidenem Ausmaß, weil die Säkularisierung unaufhaltsam fortschreitet. Im Moment ist Opus Dei eine schlafende Zeitbombe. Wäre unsere Demokratie durch eine sogenannte ,Orbanisierung‘ in Gefahr, würde das Opus Dei Oberwasser bekommen“, ist der Vorsitzende des Humanistischen Verbandes, Gerhard Engelmayer, überzeugt.

Opus Dei in unserem Land
Hierzulande begann das Opus Dei seine Tätigkeit im Jahr 1957 auf Wunsch von Kardinal Franz König (1905–2004). 1970 übertrug der damalige Erzbischof von Wien den Priestern des Opus Dei die seelsorgliche Betreuung der Wiener Peterskirche. Kardinal König sah im heiligen Josemaría Escrivá einen „Seelsorger, der Pionierarbeit in der Neuentdeckung der Rolle der christlichen Laien geleistet hat“.
Hierzulande hat Opus Dei rund 400 Mitglieder, davon sind 20 Priester. Derzeit untersteht dem Regionalvikar Robert Weber, 40, auch die pastorale Arbeit in Ungarn und Rumänien. Die Organisation betreut Bildungszentren für Berufstätige, Jugendliche und Familien in Wien, Dreistetten (NÖ), in den Landeshauptstädten Linz, Graz, Salzburg und Innsbruck sowie in Dornbirn in Vorarlberg.

Mitgliedschaft mit „gegebenem Wort“
Die meisten Mitglieder sind verheiratet und nennen sich „Supernumerarier“. Die „Numeriarier“ leben zölibatär in Zentren des Opus Dei, „Assoziierte“ leben im eigenen Zuhause. Der Beitritt, der durch eine formelle Erklärung erfolgt, gründet auf dem „gegebenen Wort“ und der „christlichen Ehrenhaftigkeit“ der beitretenden Person. Gegenstand ist, ein Leben lang gemäß dem Geist des Opus Dei um „Wachstum in der Heiligkeit“ zu ringen. Nach Angaben des Opus Dei müssen die neuen Mitglieder volljährig sein und würden über alle Konsequenzen des Beitrittes informiert werden.
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