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Ausgabe Nr. 45/2021 vom 09.11.2021, Fotos: Bildgigant - stock.adobe.com, Kzenon - stock.adobe.com
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In Sóller auf der spanischen Insel Mallorca sind jetzt Orangen und Zitronen erntereif.
Im Tal der Orangen
Auf der spanischen Insel Mallorca werden jetzt die Orangen geerntet. Im Tal von Sóller gibt es eine große Plantage, in der die Zitrusfrüchte naturbelassen am Baum reifen. Das Tal liegt eingebettet hinter dem Tramuntana-Gebirge und ist mit dem „Orangenexpress“ von der Hauptstadt Palma zu erreichen.
Hinter dem Tramuntana-Gebirge auf der spanischen Insel Mallorca liegt ein kleines Tal. Dort gedeihen mitten im Herbst herrlich saftige Orangen. Die runden Früchte hängen an den knorrigen Ästen. Rings herum liegt die gewaltige Gebirgskette mit Blick auf den höchsten Gipfel der Insel, dem 1.445 Meter hohen Puig Major.
Im Tal von Sóller reifen seit mehr als 1.000 Jahren Zitrusfrüchte. Ursprünglich war der Talkessel durch das Bergmassiv vom Rest der Insel abgeschnitten. Die Orangen wurden deshalb mühsam mit Eselskarren oder per Schiff ins Landesinnere gebracht.
Mit Inbetriebnahme einer Zuglinie, die liebevoll „Orangenexpress“ genannt wird, waren die Vitaminspender auch der restlichen Inselbevölkerung zugänglich. Noch heute verbindet die Bahnlinie das Tal mit der Insel-Hauptstadt Palma.

Früher transportierte die Bahn Orangen, heute lassen sich Urlauber auf den alten Holzbänken nieder. Eine Stunde braucht der „Orangenexpress“ für die Fahrt von Palma nach Sóller. Der Zug überwindet dabei 400 Höhenmeter, passiert 13 Tunnel und einige Brücken.
In Sóller führt die Fahrt vorbei an Zitronen- und Mandelbäumen, Olivenhainen sowie Orangenplantagen. Die Früchte, allen voran die Orangen, werden in Sóller zu kulinarischen Gaumenfreuden verarbeitet, von frisch gepresstem Orangensaft, den es in jeder Bar gibt, bis hin zum Speiseeis. Dafür verantwortlich ist der Deutsche Franz Kraus, der sich vor 30 Jahren auf der Insel niederließ. Er gründete im Jahr 1994 eine Eisfabrik und zwei Jahre später den Delikatessenhandel „Fet a Sóller“. „Gemeinsam mit meiner Frau vermarkte ich die Spezialitäten der Insel“, erzählt Franz Kraus.

Ihm haben es vor allem die Orangen angetan. „Im November beginnt die Ernte der Navelina-Orange. Sie ist eine exzellente Speiseorange und für den Saft fast zu schade“, erzählt Kraus. Sie stammt von der „Navel“-Orange ab, die ab Dezember gepflückt wird. „Die Navel ist die typische Weihnachtsorange. Sie ist groß, rund und saftig. Unsere Früchte sind naturbelassen. Wir setzen keine Pestizide ein“, sagt der Deutsche.
Wer im Tal der Orangen weilt, sollte auch der Hafenstadt Sóller einen Besuch abstatten. Eine historische Straßenbahn bringt die Besucher direkt in den Ortskern.
Architektonisch prägend ist die Kirche Sant Bartomeu mit ihrer reich verzierten Fassade. Vor dem Gebäude sind prächtige Orangenbäume gepflanzt.

Die Straßenbahn fährt die Urlauber bis ans Meer. In Sóller gibt es zwei große Strandabschnitte. Beide Strände sind mit feinem weißen Sand bedeckt und gehen flach abfallend ins Meer über. Im November hat es tagsüber bis zu 20 Grad Celsius. Für ein Bad im Meer ist es jetzt etwas zu kalt, aber ein Spaziergang am Strand ist bei diesen angenehmen Temperaturen entspannend.
Am Stadtrand von Sóller gibt es auch einen schön angelegten botanischen Garten. Im Herbst blühen dort heimische Arten so richtig auf. „Wenn die Temperaturen sinken und die ersten Niederschläge fallen, erwacht die Natur aus ihrer Trockenstarre des Sommers“, erklärt Magdalena Vicens, Leiterin des Botanischen Gartens in Sóller. Auf Mallorca sprießen im Herbst der Balearen-Krokus, wilde Orchideen und Traubenhyazinthen. „Der milde Winter auf Mallorca trägt dazu bei, dass die Insel in der kühleren Jahreszeit in saftigem Grün steht“, sagt die Spanierin.

Der Herbst steht aber auch im Zeichen guten Essens. Ende November wird in Palma zur Tapas-Meisterschaft gerufen. In diesem Jahr bieten Restaurants vom 24. bis 28. November köstliche Tapas an. „Tapas sind eine Art kleine, belegte Brötchen“, erzählt Antoni Martorell, der Organisator des Festes.
Diese Häppchen gibt es auf der Insel zwar überall. Aber während des Festivals lassen die Köche ihrer Kreativität freien Lauf.

„Jeder Koch versucht, einzigartige Tapas auf die Teller zu zaubern. Im vorigen Jahr wurde sogar ein Butterkeks in das Gericht verarbeitet“, verrät der Organisator.
Die Tapas sind meist mit Fleisch oder Fisch garniert. „Dieses Jahr gibt es auch vegetarische und glutenfreie Tapas“, erzählt der Mallorquiner. Am Ende des Festes werden die besten Köche von einer internationalen Jury gekürt.
Beim Schlendern durch die größtenteils autofreie Altstadt kommen die Urlauber auch bei der Kathedrale von Palma vorbei. Gleich daneben befindet sich der sehenswerte Königspalast „La Almudaina“.
In der Altstadt liegt auch die größte Markthalle von Palma, der „Mercado Del Olivar“. „Dort gibt es die berühmte Insel-Streichwurst ,Sobrasada‘ zu kaufen. Sie besteht aus Schweinefleisch, Speck und edelsüßem Paprikapulver. Orangen gibt es am Markt natürlich auch zum Mitnehmen“, sagt Martorell.

Zitrusfrüchte naschen
„Orangenexpress“: Hin- und Rückfahrt von Palma nach Sóller kostet 25 Euro. Mehr dazu auf www.trendesoller.com

Reisetipp: 20.11.–27.11., Flug ab Wien, 7N im Strandhotel „Nixe Palace“, 760 Euro p.P. im DZ inkl. Frühstück und Hotel-Transfer
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