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Ausgabe Nr. 44/2021 vom 02.11.2021, Foto: ullstein bild - Martin Lengemann/WELT
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„Ich bin jetzt Gärtner“
Er war mehr als 30 Jahre lang in der Serie „Ein Fall für zwei“ der Privat-Detektiv Matula fürs Grobe. Mit dieser Rolle wurde der deutsche Darsteller Claus Theo Gärtner zum Publikumsliebling. Heute ist der 78jährige Pensionist und hat während der Corona-Pandemie seinem Namen alle Ehre gemacht. Seine junge Frau Sarah hat derweil ein Buch geschrieben.
Herr Gärtner, Ihre Frau Sarah hat über die Corona-Zeit ein Buch geschrieben: „#Staythef*ckathome – Ein Jahr dreht durch“. Sie haben die vergangenen eineinhalb Jahre fast ausschließlich in Ihrer Altbauwohnung in Berlin (D) verbracht. Selbst die größte Wohnung wird irgendwann eng. Inwieweit sind Sie sich in dieser Corona-Phase gegenseitig auf den Wecker gegangen?
Wunderbarerweise sind wir uns gar nicht auf den Wecker gegangen. Meine Frau hatte gut zu tun – mit ihrem Buch und mit Vorbereitungen auf neue Aufgaben als Regisseurin. Sie war in der Zeit alles andere als arbeitslos. Und ich habe mich aufgeführt, wie sich ein Rentner eben aufführt. Aufstehen, frühstücken, schlafen gehen.

Das Buch Ihrer Frau ist streckenweise ein bisschen depressiv. Da finden sich Zitate wie: „Mein Gemüt ist angeraut. Es hat überall blaue Flecken und muss mit Samthandschuhen angefasst werden, nicht mit der Zange.“
Natürlich ist es deprimierend, was einem da von außen aufgezwungen wird. Die Frage ist eben, was wir daraus machen, wie wir damit umgehen. Hinzu kam, dass wir Menschen kennen, die es schlimm erwischt hat. Wir wissen auch von vielen Kollegen, die die Pandemie rein wirtschaftlich nicht überstanden haben. Wer nichts zu tun hat, muss sich ja trotzdem irgendwie beschäftigen. Also hat man plötzlich das Kochen für sich entdeckt, man hat den Balkon bepflanzt, man musste irgendwie kreativ werden. Ich zum Beispiel heiße jetzt nicht nur Gärtner, ich bin jetzt Gärtner. Balkongärtner. Ich habe noch niemals zuvor einen Balkon bepflanzt. Aus lauter Langeweile habe ich mir jetzt auf dem Balkon einen kleinen Dschungel geschaffen.

Haben Sie Angst vor dem Virus,
vor der Krankheit, vor dem Tod?
Nein, ich habe ja noch viel vor. Und auf der anderen Seite kann ich sagen: Ich hatte ein wunderbares Leben. Mir ist alles Schöne widerfahren, das ich mir nur wünschen kann. Wenn ich morgen sterbe, ist es gar nicht so schlimm. Wenn der Sargdeckel zugeht, ist es auch gut so. Ich habe zwar noch viel vor, aber andererseits auch mit dem Leben abgeschlossen, irgendwie. Mit einem reichen Leben.

Wird es noch weitere „Matula“-Filme geben,
mit Ihnen als Privat-Detektiv?
Nein, ganz sicher nicht. Auch damit habe ich abgeschlossen. Mir werden zwar heute noch Fernsehrollen angeboten, aber das sind alles so ähnliche Sachen wie „Matula“. Und zu irgendwelchen Serienrollen habe ich auch keine Lust mehr, das habe ich lange genug gemacht.

Sie haben einmal versucht, Ihrer Frau zuliebe das Rauchen aufzugeben. Wie weit ist der Versuch gediehen?
Er ist kläglich gescheitert. Ich kann es nicht anders sagen. Aber ich glaube immer noch daran: Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich wirklich aufhöre. Ich rauche ja schon ein bisschen weniger, bilde ich mir ein. Ein Rennfahrerkollege, im Hauptberuf Lungenfacharzt, hat mir einmal erzählt: Mit Lungenkrebs stirbt es sich am schnellsten. Wahrscheinlich bin ich deshalb auch nicht so motiviert, wirklich aufzuhören. Ein langjähriger Pflegefall zu werden, ist mein größter Horror. Dann lieber weiter rauchen, irgendwann Lungenkrebs kriegen und schnell sterben.

Sie hatten ja schon einmal einen Schatten auf der Lunge und Verdacht auf Lungenkrebs …
Zu dumm, dass ich daran erinnert werde; ich hatte das erfolgreich verdrängt. Das ist natürlich ein Schock, wenn du so eine Diagnose kriegst. Aber es war glücklicherweise Fehlalarm. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Maschine selbst den Schatten auf der Lunge produziert hatte. Es war also eine Fehldiagnose. Aber einen echten Raucher kann selbst das nicht bewegen, endlich aufzuhören. Der menschliche Körper ist ja auch ziemlich zäh. Mein Vater hatte einen Lungensteckschuss. Die Kugel eines Russen war in seiner Lunge steckengeblieben. Die wanderte dann in der Lunge herum. Interessanterweise hat ihn das überhaupt nicht beeinträchtigt. Mein Vater hatte einen Schultersteckschuss, einen Halssteckschuss und eben diesen Lungensteckschuss. Mit diesen drei Kugeln im Körper ist er für den Rest seines Lebens herumgegangen. Und immerhin 76 Jahre alt geworden. Na ja, jedenfalls, nachdem ich erfuhr, dass mein Lungenkrebsverdacht eine Fehldiagnose war, fand ich in meiner Jackentasche ein Päckchen Zigaretten. Ich habe mir gleich mehrere hintereinander angesteckt.

Ihre dritte Frau Sarah ist 36 Jahre jünger als Sie. Haben Sie je darüber nachgedacht, Kinder zu bekommen?
Das ist ja nun kein Thema mehr. Nachdem bei Sarah mehrere Myome festgestellt wurden, ließ sie sich die Gebärmutter entfernen. Sie hatte einfach zu starke Schmerzen, weil die Tumore auf angrenzende Organe drückten. Dass Sarah jetzt keine Kinder mehr bekommen kann – mit dem Verlust musste sie auch erst umzugehen lernen. Ein gemeinsames Kind zu haben, stand für uns zwar nie im Vordergrund, wir haben es aber auch nicht ausgeschlossen. Für mich wäre es in Ordnung gewesen, mit Sarah noch ein Kind zu haben. Aber andererseits war es ihr selber nie so wichtig.

Sie haben einen Sohn, Oliver, aus einer früheren Ehe. Was macht er beruflich?
Er hat eine kleine Firma für Bühnentechnik, er ist Fach-
mann für Spezialeffekte. Er baut Studios, hat also im weitesten Sinne auch mit Film und Fernsehen zu tun.

Dann gibt es noch einen Stiefsohn, Dominik, den Ihre zweite Frau mit in die Ehe gebracht hat. Haben Sie zu ihm noch Kontakt?
Nein, gar nicht. Das ist irgendwie im Sand verlaufen.

Zur Person:
Claus Theo Gärtner wurde am 19. April 1943 in Berlin (Deutschland) geboren. Er absolvierte ein Schauspielstudium in Braunschweig (D) und hatte erste Rollen an verschiedenen kleinen deutschen Theatern. Ende der 1960er Jahre erhielt er erste Rollen beim Fernsehen.

Weithin bekannt wurde Gärtner als Privat-Detektiv Josef Matula in der Serie „Ein Fall für zwei“, in der er von 1981 bis 2013 mitwirkte. Er ist heute in dritter Ehe mit der Schweizer Regieassistentin Sarah Würgler, 42, verheiratet. Der Schauspieler ist nach wie vor begeisterter Motorsportler. Das Paar lebt in Berlin und Basel (Schweiz).
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