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Ausgabe Nr. 41/2021 vom 12.10.2021, Foto: Lodenwalker
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Der Chef, Jörg Steiner, mit dem Ausgangsprodukt. Seine Frau Karin sorgt im hauseigenen Gastwirtschaftsbetrieb fürs leibliche Wohl der Besucher.
Geschäfte mit Geschichte Teil 4 – Die Wolle in Form gebracht
Janker und Gilets oder auch Decken aus feinstem Loden werden in der steirischen Ramsau hergestellt. Die Heimat des Schladminger Lodens liegt am Fuß des Dachsteins. Die Lodenwalke besteht seit fast 600 Jahren. Sie kann besichtigt werden.
Jörg Steiner greift in den riesigen Korb voller Schurwolle. Für den 40jährigen ein Griff ins Glück, denn daraus erzeugt er mit seinen Mitarbeitern im ältesten Gewerbebetrieb der Steiermark wunderbare Kleidungsstücke, die jedem Wetter trotzen.
„Bei uns wird aus reiner Schurwolle Loden erzeugt, verarbeitet, veredelt und verkauft“, sagt Steiner. „Es erfüllt mich mit Stolz und Ehrfurcht, was die vielen Generationen vor mir geleistet und geschaffen haben. Ich bin Lodenwalker mit Leib und Seele und möchte so auch meinen Teil zur Geschichte beitragen.“

Die Geschichte seines Betriebes in Rössing in der Gemeinde Ramsau am Dachstein ist lang. Bereits im Jahr 1434 scheint im Güterverzeichnis der Mönche des Stiftes Admont der Name auf und wird als „Walchstampf im Rössing“ beschrieben. Aus einem Kaufbrief vom 24. April 1608 geht hervor, dass diese Walchstampf an das andere Ufer des Wildbaches verlegt werden musste, da sie bereits drei Mal vom Hochwasser zerstört wurde. Um das Jahr 1825 wurden erste Krempelmaschinen angeschafft. Ein unglaubliches Ereignis, denn die Maschinen mussten aus dem fernen, südlich gelegenen Leoben mit Ochsenkarren herangebracht werden. Das dauerte gut zwei Wochen.

Nicht nur die Arbeitsweise änderte sich, auch die Produkte wurden an die Bedürfnisse der Menschen angepasst. Deshalb entwickelte sich der Betrieb vom reinen Dienstleister, der nur das Walken anbot, zur vollstufigen Produktion und wurde ein wichtiger Stofflieferant für die ganze Region in der Obersteiermark.
Durch die Heirat der Lodenwalkertochter Susanna Walcher mit dem Bergführer Johann Steiner kam eine andere Familie in den Betrieb. Nach dem Tod des einstigen Besitzers Zacharias Walcher erbten die Kinder von Susanna und Johann Steiner die Lodenwalke.

Dann machte das Hochwasser im Jahr 1938 wieder einmal die komplette Anlage der Lodenwalke zunichte. Nachdem aber die Wasserkraft nicht mehr die einzige Energiequelle war, konnte das neue Gebäude sicher auf einer Anhöhe über dem „wilden Ramsaubach“ errichtet werden.
Die Lodenwalke Ramsau, wie das Unternehmen heute heißt, ist zutiefst mit der Region verwurzelt. Vor allem, weil die Bauern der Umgebung die Grundlage der Existenz bildeten. Sie lieferten die benötigte Schafwolle.

„Die Wolle wurde ursprünglich von den Bauern mit zwei mit Nägeln beschlagenen Brettern aufgelockert (gekrempelt) und mit dem Spinnrad von den Bäuerinnen und ihren Mägden an den langen Winterabenden zu festen Fäden gesponnen“, erzählt Jörg Steiner. „Ein gelernter Weber wanderte von Hof zu Hof und webte auf einem Webstuhl das lockere Gewebe. Dieses rohe Lodengewebe brachten die Bauern von weither zum Lodenwalker. Dort wurde es in warmem Wasser mit schweren Holzhämmern, die durch Wasserkraft betrieben waren, energisch gewalkt und gestampft. So schrumpft das Gewebe zusammen, die einzelnen Haare verfilzen untereinander, bis der wasser- und winddichte Loden entsteht. Der Loden schrumpft um mehr als die Hälfte zusammen und gewinnt dabei die doppelte Dicke. Daraus erklärt sich die außerordentlich große Festigkeit und Lebensdauer dieses Stoffes. Gewalkt wird zum Teil noch nach dem Urverfahren, ähnlich wie vor fast 600 Jahren.“

Der Geist und die Liebe zum Handwerk sind geblieben. So wird auch noch heute der Loden an der frischen Luft getrocknet und die Decken werden mit Natur-Disteln aufgeraut. „Unsere 35 Mitarbeiter tragen das Erfolgsrezept mit. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung. Wir arbeiten fair und regional nach dem Motto: ,Gesund kleiden, gesund bleiben‘“, sagt der 40jährige Chef, der mit dem neuen Format LWS – Loden Walker Steiner ein moderneres Design anbietet. Und damit einen Tragekomfort für jeden Anlass.
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