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Ausgabe Nr. 40/2021 vom 05.10.2021, Fotos: Ray Burmiston/Camera Press/picturedesk.com, zVg
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Die australische Sängerin und Schauspielerin Natalie Imbruglia, 46, ist alleinerziehende Mutter.
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Auf dem Foto des Albums (bereits im Handel) wirkt Imbruglia, als ob sie meditieren würde. Eine Form der Entspannung, die sie privat seit ihrem 20. Lebensjahr anwendet. Bevorzugt zwei Mal am Tag.
„Mir fehlt auch ohne Partner nichts“
Fast 25 Jahre nach ihrem ersten und bis heute größten Hit „Torn“ hat die in England lebende Australierin Natalie Imbruglia endlich wieder Spaß an ihrem Beruf. Dem neuen Album „Firebird“ (bereits im Handel), einer stimmigen und abwechslungsreichen Sammlung melodischer Poplieder, ist das anzuhören. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth unterhielt sich mit der 46jährigen, die im Oktober 2019 mittels künstlicher Befruchtung und eines anonymen Samenspenders Mutter von Söhnchen Max wurde, über Enttäuschungen durch andere und die Liebe zu sich selbst.
Die 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts feiern derzeit ein musikalisches Comeback – ist das gut für Sie?
Ich finde das phantastisch. Die Neunziger waren eine Superzeit für die Popmusik. So viele Lieder von damals kann ich heute noch auswendig.
Auch Ihre Single „Torn“ aus dem Jahr 1997, mit der Sie berühmt wurden, gehört in den Kanon der unvergesslichen Hits der damaligen Zeit. Wie stehen Sie dem Song heute gegenüber?
Mit den wärmsten Gefühlen und Erinnerungen. „Torn“ läuft immer noch oft im Radio. Wenn ich gerade im Auto sitze, drehe ich lauter und muss immer lächeln. Ich bin stolz auf das Lied und ganz und gar nicht gelangweilt von ihm.
Ihre Kollegin Lorde, 24, sagte kürzlich, Ihre Musik sei für ihr neues Album „Solar Power“ eine wichtige Inspiration gewesen.
Ich weiß und finde das extrem schmeichelhaft. Lorde ist ein Genie. Mit ihrer Musik in Verbindung gebracht zu werden und von vielen jungen Künstlerinnen und Künstlern, die heute prägend sind, so viel Respekt zu bekommen, das ist schön und motiviert mich.
Auf welche Weise hören Sie Musik – verwenden Sie noch klassisch das Albumformat?
Danke, dass Sie mich an mein Alter erinnern (lacht). Aber ja, ich genieße es, mich hinzusetzen und eine Stunde lang alles auszublenden, um ein Album richtig aufzusaugen, das Beiheft durchzulesen, all diese Dinge, die bei den Internet-Diensten verlorengegangen sind. Ich mag auch nicht, wenn Musik nebenbei läuft. Entweder richtig oder gar nicht. Ich habe mir erst vor Kurzem einen neuen Plattenspieler gekauft, der ist super.
Sie haben vor „Firebird“ zwölf Jahre lang kein Album mit eigenen Liedern mehr gemacht. Was war der Grund?
Ich litt jahrelang unter einer hartnäckigen Schreibblockade. Ich durchlebte eine Scheidung (von „Silverchair“-Sänger Daniel Johns, Anm.), mein voriges Album fand sein Publikum nicht, die damalige Plattenfirma ließ mich fallen. Ich fühlte mich ziemlich verloren und niedergeschlagen. Ich hatte einfach kein Vertrauen mehr in meine Arbeit. Diese Furcht zu überwinden und als Mensch daran zu wachsen, war immens wichtig für mich.
Wie haben Sie sich von der Schreiblockade befreit?
Vor allem durch Disziplin. Ich war zum Schreiben in Nashville (US-Staat Tennessee), noch vor der Pandemie, dort arbeiten absolute Vollprofis, und ich bin jeden Tag in der Früh angetreten und habe es einfach probiert. So kam ich aus der Krise. Nach einer Weile fand ich endlich wieder Freude an dem, was ich tue.
Eines Ihrer neuen Stücke heißt „When You Love Too Much“. Wen kann man niemals zu sehr lieben?
Sich selbst. Natürlich nicht in einer selbstzerstörerischen und narzisstischen Weise, sondern auf eine gesunde Art. Es ist nicht gesund, zu sehr äußeren Umständen, beruflichen Erfolgen oder Misserfolgen, selbst deinem Partner oder deiner Partnerin zu vertrauen. All diese Befestigungen im Leben können locker werden oder wegbrechen. Worauf du dich aber immer verlassen können solltest, das bist du selbst, dann hast du gute Chancen auf ein glückliches Leben.
Sie sind vor zwei Jahren Mutter geworden und ziehen Ihren Sohn Max ohne Vater auf. Handelt das Lied „Nothing Missing“ von Ihrer Entscheidung, alleine ein Kind zu bekommen?
Seit meiner Scheidung, die schon 13 Jahre zurückliegt, bin ich daran gescheitert, eine dauerhafte Beziehung zu führen. Irgendwann stellte ich fest, dass mir ohne Partner nichts fehlt. Das war eine große Erleichterung. Ich hätte die Entscheidung für ein Kind nicht treffen können, wenn ich nicht das Selbstvertrauen und die Stärke gehabt hätte, um das auch zu schaffen.
Käme Ihnen ein Mann überhaupt noch ins Haus?
(lacht). Ich bin der Liebe gegenüber definitiv offen. Ich bin keine Auster geworden. Eines Tages werde ich schon den Richtigen treffen.
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