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Ausgabe Nr. 40/2021 vom 05.10.2021, Fotos: Shutterstock/Olesia Bilkei, zVg
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In den kleinen Pflanzen von Getreide und Hülsenfrüchten steckt viel Gesundes.
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„Gesund mit Microgreens. Heilsame Pflanzenkraft anbauen, genießen und richtig anwenden“, Verlag humboldt, € 20,–
Kleines Grün, große Kraft
Im Herbst geht die Saison des Frischgemüses zu Ende. Jede Menge Vitamine und Mineralstoffe kann jetzt sogenanntes Mikrogrün verschiedener Pflanzenkeimlinge liefern. Damit helfen die Pflänzchen gegen Dutzende Beschwerden.
Ihre Stängelchen sind zart wie Fäden, die grünen Blätter winzig klein. Doch das filigrane Aussehen täuscht, denn in vielen „Pflanzen-Babys“ steckt eine geballte Nährstoffkraft. „Viele meinen, es handelt sich bei ihnen um Sprossen, es ist jedoch Keimgrün, auch Mikrogrün genannt. Keimgrün entsteht aus Sprossen, die noch bis zu zwei Wochen wachsen dürfen, grün werden und Blätter ausbilden. Im Gegensatz zu Sprossen wachsen sie in der Erde und werden ohne Wurzeln gegessen“, erklärt Anne Wanitschek, Heilpraktikerin und Autorin von „Gesund mit Microgreens“.

Damit sind die Babypflänzchen soger wertvoller als Sprossen, da sie mit ihren grünen Blättern viele Vitalstoffe bilden. „In ‚Microgreens‘ konnten mehr als vierhundert Stoffe festgestellt werden, mit denen wir zum Beispiel die Vielfalt unserer Darmflora positiv beeinflussen können. So sind ‚Microgreens‘, die den Stoffwechsel anregen, bei verschiedenen Verdauungsbeschwerden eine Option. Keimgrün der Zwiebel beispielsweise hilft bei Blähungen und Völlegefühl. Jenes aus Erbsen ist nicht nur schmackhaft, sondern liefert wertvolle Eiweiße für den Energie- und Muskelstoffwechsel. Spinat gehört neben Brokkoli zu den wenigen pflanzlichen Lebensmitteln mit einer nennenswerten Menge an Liponsäure. Sie kann nicht nur freie Radikale abfangen, die in unserem Stoffwechsel entstehen und Zellen schädigen können, sie kann auch unsere körpereigenen und verbrauchten Radikalenfänger wie Vitamin C, Koenzym Q10 oder Glutathion regenerieren“, verrät Wanitschek, die mit Sebastian Vigl, Mitglied bei der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie, zahlreiche Studien zu diesem Thema durchforstet hat. „Mit ‚Microgreens‘ allein lassen sich keine Erkrankungen heilen. Wir können ihre Heilkräfte nutzen, um Heilung und die Linderung von Beschwerden optimal zu unterstützen oder gesund zu bleiben.“

Verwenden lassen sich die Kraftpflänzchen auf vielerlei Art. „Sie können damit Gerichte, Brote und Salate garnieren, sie in einem Pesto verarbeiten oder im Gemüsesaft dazugeben. Ein bis fünf Esslöffel am Tag sind empfohlen.“

Hilfreiches Keimgrün bei …
… Arthrose: Brokkoli, Kapuzinerkresse, Zwiebel, Bockshornklee, Lein, Sellerie.

… „Gefäßverkalkung“: Brokkoli, Grünkohl, Rucola, Rotkohl, Kichererbsen, Linsen, Buchweizen, Rote Rübe,
Koriander.

… Blasenentzündung: Kresse, Mizuna, Rettich, Radieschen, Basilikum, Sellerie, Spinat, Lein.

… Bluthochdruck: Knoblauch, Rettich, Schnittlauch, Erbsen, Rotklee, Mungbohnen, Buchweizen, Lein, Spinat.

… hohem Gesamtcholesterin: Brokkoli, Kresse, Rotkohl, Alfalfa, Kichererbsen, Rotklee, Sonnenblume, Weizen, Zwiebel, Koriander.

… Diabetes: Brokkoli, Radieschen, Rettich, Linsen, Mungbohnen, Alfalfa, Sellerie.

… Erkältung: Kresse, Mizuna, Knoblauch, Schnittlauch, Rucola, Zwiebel, Erbsen, Fenchel, Weizen, Lein.

… Hautalterung: Grünkohl, Erbsen, Koriander, Lein, Spinat.

… Magenschleimhautentzündung: Brokkoli, Grünkohl, Basilikum, Lein, Koriander.

… Osteoporose: Brokkoli, Kohlrabi, Rotklee, Alfalfa, Kichererbsen, Rotklee, Buchweizen, Spinat.

… Paradontose: Kresse, Radieschen, Buchweizen, Rucola.

… Reizdarm: Grünkohl, Basilikum, Fenchel, Lein, Koriander.

… Schlafstörungen: Adzukibohne, Erbsen, Linsen.

… Verstopfung: Brokkoli, Rettich, Mungbohnen, Kichererbsen, Basilikum, Rote Rübe.

Tipps zum Selber-Ziehen von Keimgrün
  • Kaufen Sie nur ungebeizte Samen. Samen für die Freilandzucht sind oft chemisch behandelt und daher nicht geeignet.
  • Waschen Sie die Samen vor dem Keimen.
  • Im Handel sind spezielle Wannen erhältlich. Gut eignen sich auch Pflanztöpfe, Plastikverpackungen wie durchsichtige Plastikbehälter für Obst oder Gemüse, aber auch Joghurt- oder Tofubehälter.
  • Befüllen Sie den Behälter drei bis vier Zentimeter mit Anzuchterde, dann gießen und gleichmäßig festdrücken.
  • Saatgut gleichmäßig auf der Erde verteilen, es soll nahe beieinander, aber nicht aufeinander liegen. Festdrücken.
  • In den ersten drei Tagen das keimende Saatgut zwei Mal täglich mit einer Sprühflasche befeuchten. Danach bewässern Sie das Mikrogrün alle zwei Tage am besten von unten. Dafür sollten die Behälter unten Löcher haben. Behälter kurz ins Wasser stellen, damit die Erde befeuchtet wird.
  • Die Ernte kann nach sechs bis zehn Tagen beginnen, wenn sich satte erste Blätter gebildet haben. Da sie vor dem Verzehr nicht gekocht werden müssen, bleiben die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten.
Bei solcherlei Belastungen sind folgende Keimgrüne zu meiden:
  • Schwangerschaft: Lein, Kresse, Basilikum, Bockshornklee.
  • Systemischer Lupus erythematodes: Alfalfa.
  • Magen-, Darmgeschwüre oder einer Nierenkrankheit: Kapuzinerkresse.
  • Schilddrüsenunterfunktion: Kresse.
  • Nierensteine: Rote Rübe.
  • Brustkrebs: Rotklee.
  • Zu Gerinnungshemmern der Kumaringruppe: Rucola, Rotkraut.
  • Diabetes: Lein, Bockshornklee.
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