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Ausgabe Nr. 40/2021 vom 05.10.2021, Foto: mauritius images / Hannes Klostermann / Alamy
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Die einen sorgen sich um die Fische, die anderen um die Vögel
Kormorane lassen es sich schmecken
Jetzt im Herbst können in unserem Land dunkle Wasservögel mit hellen Schnäbeln beobachtet werden. Es handelt sich um Kormorane, die auf ihrem Weg ins Winterquartier bei uns Zwischenstation machen. Für den Fischbestand sei das jedoch eine Bedrohung, klagen Petrijünger.
Er war hierzulande fast völlig verschwunden, aber seit 30 Jahren hat sich der Bestand des Kormorans erholt. Der etwa gänsegroße Vogel mit einer Flügelspannweite von 120 bis 150 Zentimetern wird auch Wasser- und Meeresrabe genannt, weil er fast schwarz ist und am Meer lebt.

„Die bei uns vorkommenden Tiere stammen meist aus nordeuropäischen Regionen wie Finnland, Dänemark oder Estland. Ein Großteil rastet hier und fliegt dann ins Überwinterungsgebiet ans Mittelmeer“, erklärt Dr. Andreas Kleewein von der Vogelschutzorganisation „BirdLife“ in Kärnten. Doch gerade in unserem südlichsten Bundesland fühlt sich der Kormoran – der sich nahezu ausschließlich von Fisch ernährt – immer wohler.

„Zwischen 300 und 400 Individuen bleiben jedes Jahr den ganzen Winter über in Kärnten. Am Ossiacher See konnten wir im vergangenen Jahr sogar erstmals eine Übersommerung nachweisen“, sagt der Experte. Das bedeutet, die Zugvögel haben dort ausreichend Nahrung gefunden und mussten nicht in ihre herkömmlichen Brutgebiete ziehen. „Heuer zählten wir in Kärnten bereits acht besetzte Horste“, so Kleewein.
Doch nicht jeden freut‘s, dass sich der Kormoran mit seinen lauten „Chrochrochro“-Rufen bei uns wohlfühlt. Da der Appetit des ungefähr drei Kilo schweren Vogels doch recht groß ist, haben die Fischer keine Freude mit ihm. „Vor allem, wenn wir bedenken, dass ein Tier pro Tag rund ein halbes Kilo Fisch verputzt“, heißt es von Seiten des Fischereivereines am Ossiacher See, wo zeitweise bis zu 200 Kormorane ihr Winterquartier beziehen.

Nach Rechnung der Kärntner Petrijünger braucht diese Vogelschar also täglich rund 100 Kilo Nahrung, was auf rund fünf Monate gerechnet die unglaubliche Zahl von 15 Tonnen Fisch pro Saison ergibt. „Da wird viel Geld in den Aufbau der Fischpopulation gesteckt, und dann wird jahrelange Arbeit in kurzer Zeit zunichte gemacht“, lautet die Kritik.
Um den Bestand zu regulieren, werden deshalb jedes Jahr 30 Prozent des Kormoran-Winterbestandes zum Abschuss freigegeben. Doch das ist den Fischern zu wenig. Sie wollen die Abschussquote erhöhen. Tierschützer dagegen fordern, dass die Jagd auf den Kormoran komplett verboten wird. Schließlich war er in den 60er Jahren in Folge von intensiver Bejagung europaweit bereits vom Aussterben bedroht.

Unbestritten bleibt in diesem heiklen „Sorgerechtsstreit“ somit nur die Tatsache, dass Kormorane mit ihrem markanten Hakenschnabel äußerst geschickte Jäger sind, die bis zu 30 Meter tief tauchen können. „Im Gegensatz zu anderen Wasservögeln wie Enten sind ihre Federn aber nicht wasserabweisend. Das erleichtert ihnen zwar das Tauchen, allerdings müssen sie danach lange Zeit mit ausgestreckten Flügeln am Ufer sitzen, um ihr Gefieder zu trocknen. Eine gute Gelegenheit für Vogelliebhaber, die Tiere ausgiebig zu beobachten“, erklärt Dr. Andreas Kleewein. Und auch für die Fischer gibt‘s ein wenig Trost, denn erst im April des nächsten Jahres werden die meisten Kormorane wieder in ihre Heimat zurückfliegen.
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