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Ausgabe Nr. 40/2021 vom 05.10.2021, Foto: stock.adobe.com/Petair, zVg
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Trainer oder Spieler – wer ist schuld an der Misere?
Unmittelbar nach der Europameisterschafts-Euphorie ging es für unsere Fußball-Nationalmannschaft steil bergab. Nach den Niederlagen – zuletzt 2:5 gegen Israel, 0:1 gegen Schottland – und vor den WM-Qualifikationsspielen gegen Färöer und Dänemark, haben wir uns im „Fußball-Land“ umgehört, wer nun für die schlechten Leistungen der vergangenen Spiele verantwortlich ist. Liegt es am Trainer, oder sind die hoch bezahlten Spieler schuld an den Misserfolgen?
Arnold Grasser, 62, Pensionist
„Unserer Nationalmannschaft zuzusehen, ist eine Zumutung“
„Für mich als Fußball-Anhänger ist es eine Zumutung, unserer Nationalmannschaft beim Spielen zuzusehen. Alaba, Arnautovic und wie sie alle heißen, bekommen jährlich mehrere Millionen Euro und wofür? Dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, sie top medizinisch gecheckt werden, sich fit und durchtrainiert halten und tausend andere Privilegien haben. Am Fußballfeld bringen sie aber gar nichts zustande. Das alles ist eine einzige Katastrophe.“

Silvia Feffer, 54, Angestellte
„Spieler sollten sich nicht hinter dem Trainer verstecken“
„Wir haben zwar ausgezeichnete Fußballer bei großen Vereinen wie David Alaba bei Real Madrid oder Marcel Sabitzer bei Bayern München, wo sie enorm viel Geld verdienen. Aber kaum sehe ich sie fürs Nationalteam einlaufen, bekomme ich den Eindruck, dass sie viel weniger Lust haben und nicht besonders motiviert sind. Das stört mich. Ich finde, dass immer noch die Spieler die Hauptverantwortung für die schlechten Leistungen der jüngsten Zeit tragen, sie sollen sich da nicht hinterm Trainer Franco Foda verstecken. Sie stehen ja selbst am Platz und könnten kämpfen und rennen.“

Hans Trimmel, 64, Pensionist
„Trainer Foda jetzt schon auszutauschen, wäre besser gewesen“
„Wir haben erstklassige Fußballer. Die Stärken der Spieler zu erkennen, die Fußballer richtig einzusetzen, ist die Aufgabe des Trainers. Franco Foda setzt die Spieler nicht richtig ein. Foda schon jetzt auszutauschen, wäre besser gewesen. Bei der WM-Qualifikation haben wir ohnehin wohl kaum noch eine Chance.
Somit ist das verlorene Zeit für unsere Nationalmannschaft, wertvolle Zeit, in der sich ein neuer Trainer bereits gut einarbeiten könnte. Und vielleicht finden wir ja zur Abwechslung einmal einen österreichischen Nationaltrainer, beispielsweise Andi Herzog. So viel ich weiß, hatten die Deutschen noch nie einen ausländischen Teamchef.“

Christopher Lesiak, 18, Zimmerer
„Die Schuld ist dem Trainer zuzuschreiben“
„Dass unsere Fußball-Nationalmannschaft so schlecht spielt, ist auf jeden Fall Trainer Franco Foda zuzuschreiben. Er wendet wahrscheinlich einfach das falsche Training an und weiß nicht, wie er mit den Fußballern umzugehen hat. Dazu kommt, dass die Spieler nicht motiviert sind, weil sie zu viel Geld für ihre Leistung bekommen. Und das, obwohl sie grottenschlecht mit dem Ball umgehen und die meiste Zeit eh nur die Bank drücken.“

Daniela Himmel, 37, Medizinisch-technische Assistentin
„Die Spieler haben keine Taktik“
„Am besten wäre es, die österreichische Nationalmannschaft überhaupt nicht Fußball spielen zu lassen. Die Spieler haben überhaupt keine Taktik. Sie versuchen einfach, immer nur mit hohen Bällen nach vorne zum Tor zu stürmen. Das Ganze hat einfach keinen Spielaufbau.“

Manuel Tommasi, 58, Geschäftsführer
„Wenn wir von ,Schuld‘ sprechen, liegt die bei beiden“
„Arbeitet der Trainer nicht gut, spielt auch die Mannschaft schlecht und umgekehrt. Wenn wir von ,Schuld‘ sprechen, liegt die bei beiden. In die Arbeit des Trainers habe ich als Zuseher wenig Einblick, aber offenbar schafft er es nicht, Harmonie in die Mannschaft zu bringen. Bei den Spielern habe ich den Eindruck, dass ein Legionär zu sein, nicht unbedingt bedeutet, Weltklasse-Fußball zu spielen. Und unsere Nationalmannschaft hat wohl nicht annähernd Messis und Ronaldos am Platz.“

Verena Wechselberger, 32, Schauspielerin
„Die Spieler müssen aus der Strategie des Trainers was machen“
„Ich habe den Eindruck, dass Franco Foda die Mannschaft gut vorbereitet. Es mangelt an der Energie des Teams auf dem Spielfeld. Den Spielern gelingt es nicht, gut zusammenzuspielen und in Folge bleiben die guten Aktionen aus. Ich arbeite am Theater und weiß, wie wichtig es ist, gut zu improvisieren, um Chancen nützen zu können. Es sind die Spieler, die aus der Strategie des Trainers was machen müssen.“

Dr. Ulrich Schönbauer, 57, Systemischer Berater
„Es liegt beim Trainer, das Beste aus der Mannschaft herauszuholen“
„Es gibt Trainer, die aus durchschnittlichen Fußballern eine überdurchschnittlich gute Mannschaft formen können. Und es gibt Trainer wie Franco Foda, bei denen das Gegenteil der Fall ist. Es gibt keine Philosophie und kein System. So laufen die Spieler wie aufgescheuchte Hühner durcheinander.
Und der Maestro steht im wahrsten Sinne des Wortes daneben und dirigiert, indem er sich dauernd mit dem Taktstock ins Auge fährt. Wenn Foda an der Linie steht, wirkt er ziemlich hilflos, wie ein Beamter, dem nur noch die Ärmelschoner fehlen. Es liegt beim Trainer, das Beste aus der Mannschaft herauszuholen. Wir haben relativ gute Spieler. Denen einen Spirit zu vermitteln, ist definitiv Aufgabe des Trainers.“

Mag. Markus Oberrauter, 46
„Der Trainer war von Anfang an eine Fehlbesetzung“
„Es gibt nicht nur einen Schuldigen, wenn es nicht läuft. Allerdings wussten die Verantwortlichen, dass Franco Foda für einen passiven Stil steht. Der Trainer war also von Anfang an eine Fehlbesetzung, weil seine Ausrichtung nicht zu den Qualitäten der Spieler passt. Endlich haben wir einmal gute Offensivspieler, die beste Spielergeneration seit Krankl und Prohaska, und bringen nichts zusammen. Sicher könnten sich alle mehr anstrengen, wobei es das Gerücht gibt, dass unsere Nationalmannschaft bei der EM deshalb so gut war, weil sie sich nicht an die Strategie des Trainers gehalten hat.
Dazu haben wir das Problem mit dem Sportdirektor. Schöttel verfolgt keine klare Linie, wenn es darum geht, welchen Fußball wir spielen wollen, oder wie wir beim Nachwuchs vorgehen. Es herrscht Planlosigkeit, es gibt kein Trainingszentrum mehr, es existieren nur Baustellen.“
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