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Ausgabe Nr. 38/2021 vom 21.09.2021, Fotos: mauritius images / Busse & Yankushev, HANS KLAUS TECHT / APA / picturedesk.com
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Was in der Metallindustrie ausverhandelt wird, ist die Richtschnur für andere Branchen.
Heißer Lohn-Herbst
Die „Metaller“ machen traditionell den Auftakt bei den Herbst-Lohnverhandlungen. Heuer will die Gewerkschaft mehr herausschlagen als im vorigen ersten Pandemie-Jahr. Dafür spricht auch der Preisschub der vergangenen Monate. Die Arbeitgeber-Vertreter warnen „vor unvernünftig hohen Forderungen“.
Rainer Wimmer ist optimistisch. „Es soll rascheln im Geldbörsel. Wir wollen, dass die Menschen teilhaben am Erfolg der Unternehmen“, sagt der Chef der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE).
Am 23. September beginnt die Herbst-Lohnrunde. Traditionell mit der Übergabe der Forderungen an die Arbeitgeber. Das Ergebnis der „Metaller“ ist richtungsweisend für die anderen Berufsgruppen. „Die Metallindustrie gibt den Ton an“, weiß Wimmer.
Heuer soll für die fast 200.000 Beschäftigten mehr herausschauen als im ersten Pandemie-Jahr 2020. Gleich in der ersten Runde einigten sich damals die Sozialpartner auf eine Lohnerhöhung von 1,45 Prozent. Das entsprach genau der Inflationsrate. Heuer soll es mehr Geld geben.

„Wir haben die Voraussetzungen für einen guten Lohnabschluss, aber auch die Notwendigkeit“, sagt der Gewerkschafter. „Es gibt ein sensationelles Wirtschaftswachstum, Tendenz steigend. Für heuer werden vier, für nächstes Jahr fünf Prozent vorausgesagt. Die Produktivität in der Warenherstellung steigt zudem um 3,3 Prozent. Auf der anderen Seite haben wir eine relativ hohe Inflationsrate, vor allem in jenen Bereichen, die die Menschen tagtäglich brauchen.“

"Gehackelt bis zum Umfallen"
Tatsächlich ist die Teuerungsrate im August auf 3,2 Prozent geklettert. Die Ausgaben für den wöchentlichen Einkauf stiegen sogar um mehr als sechs Prozent. Für das gesamte heurige Jahr sagt die Nationalbank eine Inflationsrate von 2,2 Prozent vorher. Doch so mancher Wirtschaftsexperte geht von einer höheren Preissteigerung aus.
„Voriges Jahr haben wir sehr verantwortungsvoll gehandelt, weil wir nicht wussten, wo die Pandemie hinführt“, erklärt Wimmer. „Mittlerweile wissen wir, die Unternehmens-Ergebnisse waren gut, auch im Krisenjahr. Die Beschäftigten haben gehackelt bis zum Umfallen, Überstunden gemacht trotz Krise. Das heißt, diese Zurückhaltung werden wir heuer ganz sicher nicht haben, weil die Voraussetzungen anders sind. Und Wirtschaftsforscher bestätigen uns die Situation.“

Doch die Zeichen deuten auf einen heißen Lohn-Herbst hin. „Wir warnen vor unvernünftig hohen Forderungen, denn wir holen gerade erst auf, was wir vorher verloren haben“, mahnt Christian Knill, der Obmann des Fachverbandes Metalltechnische Industrie. „Das Konto ist also noch nicht im Plus. Das liegt vor allem auch am schwierigen internationalen Marktumfeld. Die Rohstoffpreise, etwa für Stahl, sind in den vergangenen Monaten explodiert und viele Vormaterialien am Weltmarkt nur schwer und mit großen Verzögerungen lieferbar.“ Erst im nächsten Jahr soll die Branche wieder das Vorkrisen-Niveau erreichen.
Der Fachverbandsobmann, er ist Miteigentümer der steirischen Knill-Gruppe, plädiert für „Vernunft und Augenmaß, von einer Jubelstimmung ist unsere Branche weit entfernt.“ Die rund 1.200 Betriebe der Metallindustrie erzielen vier Fünftel ihrer Umsätze im Export. Mehr als 85 Prozent der Unternehmen seien zudem „Familienbetriebe und mittelständisch strukturiert“.

Manche Ökonomen fürchten angesichts der hohen Teuerungsrate und dementsprechenden Gehaltsforderungen gar eine Lohn-Preis-Spirale. Die Unternehmen könnten zusätzliche Kosten an die Konsumenten weitergeben, was wiederum zu einem Preisschub führt, wodurch die Löhne weiter steigen müssten. Von Inflationsraten wie in den 70er Jahren sind wir aber weit entfernt. Angesichts der Ölpreis-Krise kletterte damals die Teuerung auf bis zu 9,5 Prozent.

Käme Lohn-Preis-Spirale, "verlieren wir alle"
„Wenn Lohnabschlüsse zu stark über der Inflation liegen, besteht natürlich die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale“, erklärt Christian Knill. „Das sollte verhindert werden, denn wenn das eintritt, dann verlieren wir alle.“
Für den Gewerkschafter Rainer Wimmer ist das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale allerdings nur „eine Mär. Was wir für die Arbeitnehmer erkämpfen, wird sofort in den Konsum hineingepumpt, das stützt das Wirtschaftswachstum, wie Studien belegen.“

Der Chef der Produktionsgewerkschaft geht davon aus, „dass es zu keinem weiteren ,Lockdown‘ kommt.“ Wenn doch, „wird er nicht unmittelbar in der Metallindustrie Niederschlag finden. Denn in den vergangenen Monaten, in denen es ,Lockdowns‘ gab, war es ebenfalls so, dass die Unternehmen gute Ergebnisse geschrieben haben und gutes Geld verdient haben trotz Pandemie.“
Wie der Gehalts-Poker bei den Metallern ausgeht, beobachten alle Branchen mit Argus-Augen. Für den Handel mit mehr als 400.000 Mitarbeitern beginnen die Verhandlungen am 21. Oktober.

Unser Leben ist viel teurer geworden
So hoch wie im August war die Inflationsrate seit Dezember 2011 nicht mehr. Die Preise sind gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent gestiegen, zeigen die Zahlen der Statistik Austria. Der Wocheneinkauf verteuerte sich sogar um 6,5 Prozent.
Ein Preistreiber war der Verkehr (plus 9,2 Prozent). Heizöl war um 30 Prozent, Strom um sieben Prozent teurer. In Restaurants mussten wir im Schnitt um 3,4 Prozent mehr berappen.
Im Warenkorb für die Berechnung der allgemeinen Inflationsrate sind derzeit 756 Waren und Dienstleistungen in unterschiedlicher Gewichtung enthalten, neben Ausgaben für Lebensmittel, Kleidung oder Miete auch die Kosten für einen Städteflug, Theater-Karten, Nachhilfe oder einen Computer.
Der sogenannte „Miniwarenkorb“ soll hingegen den wöchentlichen Einkauf widerspiegeln. Neben Brot, Fleisch,
Gemüse oder Waschmittel sind auch Treibstoff und die Rezeptgebühr ein Teil davon.
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