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Ausgabe Nr. 38/2021 vom 21.09.2021, Foto: Schäuble
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Mountainbikerin Mona Mitterwallner ist mit 19 Weltklasse.
„Ich will die beste Radfahrerin aller Zeiten werden“
Sie rast furchtlos die steilsten Berghänge hinunter, räumte heuer mit 19 Jahren Gold bei EM und WM gegen teils vier Jahre ältere Kolleginnen der U23-Klasse ab und steht nun vor dem Sprung in die Weltklasse des „Cross Country“. Schon jetzt gibt es keine Mountainbike-Fahrerin, die das Talent Mona Mitterwallner nicht schon geschlagen hätte.
Einen Plan B brauche ich nicht“, stellt Mona Mitterwallner, 19, rasch klar, dass berufliche Alternativstandbeine zum Profisport in ihrer Gedankenwelt wenig Platz haben. „Der Radsport ist meine große Leidenschaft und Stärke, ich investiere keine Energien in andere Ausbildungen.“ Zu einem solch eisernen Willen passend formuliert die junge Tirolerin ihre Ziele dann auch ehrgeizig. „Ich möchte die beste Radfahrerin werden, die jemals existiert hat“, sagt sie, „Zweite und dritte Plätze reichen nicht. Das ist schon immer so gewesen. Schon als Kind wollte ich bei jedem Sport und auch daheim bei Brettspielen immer die Beste sein. Heute traue ich mich zu sagen, dass es schwer ist, einen Menschen zu treffen, der ehrgeiziger ist als ich.“

Oft, wenn sie nach dem Training noch Zusatzeinheiten anhängt, wollen ihr langjähriger Vertrauenstrainer Christoph Rauch oder die Eltern sie zum Heimgehen überreden, die dritte Zusatzeinheit müsse doch nicht sein. „Dann sage ich: Doch, es muss sein“, erzählt Mitterwallner. „Ich liebe es eben, ans Limit zu gehen.“

Und das zahlt sich aus. Mit Gold bei der U23-WM und Gold bei der U23-EM sowie dem klaren Weltcupsieg in dieser Klasse dominierte das Talent heuer teilweise vier Jahre ältere Kontrahentinnen. In rund einer Woche will Mitterwallner bei der Mountainbike-Marathon-WM auf Elba (Italien) ein nahezu perfektes Jahr krönen. Ehrgeizige Ziele haben ihre Berechtigung. „Durch meine guten Ergebnisse darf ich laut Reglement 2022 erstmals durchgehend in der Eliteklasse starten“, betont die Tirolerin, die sich bereits auf die Feuertaufe unter den Besten der Besten freut. In kleineren Rennen traf sie immer wieder auf Spitzenathletinnen und schlug etwa in Dornbirn (V) die Olympia-SilbermedaillenGewinnerin Sina Frei aus der Schweiz.

"Meine Eltern können mich nicht anbinden"
Aber auch als Straßenradfahrerin ist sie hochveranlagt. Im Mai verpasste sie als zweite der heimischen Qualifikation nur zugunsten der Siegerin Anna Kiesenhofer das Olympia-Ticket, die später sensationell die Goldmedaille gewann.
Dass Mitterwallner bei den Rennen fast nie die Puste ausgeht und sie sich selten müde fühlt, führt sie unter anderem auf ihren strengen Ernährungsplan zurück. „Ich habe seit sechs Jahren keine Schokolade, keinen Zucker, keine Fertigprodukte und keinen Weizen gegessen“, verrät die Tirolerin, die auch Fleisch und Fisch weglässt. „Zusammen mit meiner Mama habe ich hingegen eine Menge zucker- und weizenfreier Kuchen und Riegel erfunden. Für die sind wir in der Mountainbike-Szene bekannt und könnten bald ein Kochbuch darüber schreiben“, sagt sie lachend.

Privat lebt die Radsportlerin in Silz (T) unweit von Imst mit ihrer Katze „Mila“, der drei Jahre älteren Schwester Sara, Mutter Angelika und Vater Walter in einem Einfamilienhaus. „Wir haben einen herrlichen Blick auf die Berge“, beschreibt Mitterwallner. Schon als Kind war sie extrem bewegungshungrig, von Breakdanke und Ballett bis zu Volleyball, Eishockey, Fußball und Taekwondo musste alles ausprobiert werden. „Ich hatte schon damals das Ziel, Profisportlerin zu werden“, erinnert sie sich. Bis Vater Walter sie eines Tages zum Mountainbiken in den Wald mitnahm, da sprang der Funke über. „Danach wollte ich jeden Tag nur aufs Rad“, sagt sie. Auch heute noch begleitet sie der Vater bei jedem Rennen, ist Betreuer und Radmechaniker in einer Person. „Nur beim Training im Wald braucht der Papa heute schon ein E-Bike, um mit mir mithalten zu können“, meint sie schmunzelnd.

Angst vor Stürzen würde sie auf dem Rad kaum verspüren, obwohl der Mountainbike-Sport als besonders verletzungsgefährdet gilt. Doch bislang gab es keine gröberen Unfälle, die Eltern sind trotzdem selten tiefenentspannt. „Sie sind immer besorgt. Aber sie können mich nicht anbinden.“
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