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Ausgabe Nr. 37/2021 vom 14.09.2021, Fotos: zVg, Amann Köstler
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Eine Scheibe fliegt bis zu 150 Meter weit. Das Ziel: ein Korb.
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Ab ins Körbchen
Sie brauchen zum „Einlochen“ keine Schläger, sondern werfen mit bunten Scheiben auf Metallkörbe. Einer der besten Discgolfer unseres Landes ist Stanislaus Amann, 24.
Seine Erfolgsgeschichte begann im Grunde mit einem Irrtum. „Meine Eltern wollten mir als Kind ein Frisbee kaufen, kamen jedoch aus Versehen mit einer Discgolf-Scheibe nach Hause“, sagt Stanislaus Amann, 24, lachend, wenn er an die ersten Würfe im Garten seines Elternhauses in Pyhra (NÖ) mit Bruder Bonaventura, 23, zurückdenkt, der heute auch zu den Besten unseres Landes zählt. Um die Scheibe zweckgemäß einzusetzen, landete Amann tatsächlich beim Discgolf, trotz anfänglicher Skepsis.

„Beim ersten Mal dachte ich mir noch, wieviel Spaß kann das schon machen? Heute begeistert mich dieser Sport in einer Art, wie ich das noch nie vorher erlebt habe.“ Der Niederösterreicher trainierte, verfeinerte seine Technik, spielte Turniere und ist derzeit der beste Spieler unseres Landes, er wurde heuer Europameister mit dem Team und vor zwei Jahren Zentraleuropameister im Einzel.

Der Gedanke, ein Frisbee mit einer Discgolf-Scheibe zu verwechseln, ringt „Stani“ heute ein müdes Lächeln ab. „Eine Disc ist gar nicht fürs Fangen konstruiert und tut in der Hand weh, wenn es doch gemacht wird“, erklärt er den Unterschied. „Beim Discgolf, das dem normalen Golf ähnlich ist, geht es nur ums Werfen. Wir wollen uns mit möglichst wenigen Versuchen an die in etwa siebzig Zentimeter Höhe montierten Metallkörbe annähern und die Scheibe darin versenken.“ In der Regel wird auf 18 Bahnen gespielt, die jeweils wie im Golf mit einer durchschnittlich zu erwartenden Wurfzahl in „Par“ angegeben sind, ähnlich wie Golfprofis verwenden also auch die Discgolfer Begriffe wie „Putten“ (aus kurzer Distanz). Wird eins über Par geworfen, ist es ein „Bogey“, bei einem Wurf darunter ein „Birdie“.

Am kommenden Wochenende gehen in Wels (OÖ) die Doppel-Staatsmeisterschaften in Szene, zwei Wochen später in St. Pölten (NÖ) die Einzel-Staatsmeisterschaften, wo Amann seiner Favoritenstellung gerecht werden möchte. So wie das Golf-Ass Tiger Woods, der in seiner Tasche aus verschieden geformten Schlägern wählen kann, hat auch Amann 15 bis 20 Discgolf-Scheiben aus unterschiedlichem Kunststoff dabei, die er je nach erforderlicher Weite, Wind oder geplanter Wurftechnik auswählt. „Scheiben zum Putten haben etwa einen höheren Rand, solche für Weiten bis zu 150 Meter sind größer und aerodynamisch geformt“, weiß Amann. „Ich kann dabei mit Vorhand, Rückhand oder einer Überkopftechnik spielen oder die Scheibe am Boden ein Stück rollen lassen.“

Doch nicht nur Proifis haben beim Discgolf ihren Spaß, auch Anfänger oder sogar Kinder verbuchen bei diesem rasch zu erlernenden Sport schnell Fortschritte. Derzeit gibt es in unserem Land rund 25 Discgolf-Anlagen und 300 registrierte Vereinsspieler. „Einige Anlagen wie jene im Wiener Prater oder in St. Pölten können sogar gratis bespielt werden, für andere wie in Eisenstadt (B) kostet die Benützung zwischen fünf und zehn Euro“, klärt der Verbandspräsident Johannes Petz auf (siehe Kasten). „Und fast überall gibt es in der Nähe auch Möglichkeiten, sich Scheiben auszuborgen.“

Der „Meister der fliegenden Untertassen“, Stanislaus Amann, lehrt beruflich seit Kurzem Deutsch und Turnen an einer St. Pöltener Privatschule, privat mag er Musik und ist begeisterter Hobbyimker.

„Seit meinem zwölften Lebensjahr liebe ich Bienen und betreue derzeit sieben Völker an einem Waldrand südlich von St. Pölten“, verrät er. Auf mehr als 50 Kilo Honig beläuft sich der jährliche Ertrag, den er vor allem an Freunde verschenkt. „Mein Blüten-Wald-Mischhonig schmeckt gut“, betont er, „viel besser als alle Supermarkt-Produkte.“

In den vergangenen Jahren stellte Amann aber abseits der Bienen stets seine gesamte Freizeit in den Dienst der Scheibe, mit rund 30 Turnieren pro Jahr gilt er als fleißigster Discgolf-Spieler ganz Europas. „Ich glaube nicht, dass jemand mehr Starts verbucht“, schmunzelt der Vereinsgründer, Turnierveranstalter und Funktionär des heimischen Dachverbandes. Kreuziger
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