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Ausgabe Nr. 37/2021 vom 14.09.2021, Fotos: Gex AG, Stefan Schlumpf, ©saiko3p - stock.adobe.com
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Für die Fahrt von Zermatt nach St. Moritz benötigt der Glacier Express acht Stunden.
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In Zermatt geht die Fahrt los.
Im langsamsten Schnellzug der Welt über die Berge
Der Glacier Express ist einer der schönsten Panoramazüge der Schweiz. Er verkehrt täglich zwischen den Bergdörfern St. Moritz in Graubünden und Zermatt im Kanton Wallis. Während der achtstündigen Fahrt werden die Passagiere über Sehenswürdigkeiten informiert. Zu Mittag wird Essen an den Tisch serviert und die riesigen Fenster bieten einen traumhaften Ausblick.
In der Früh um 8.30 Uhr ist noch nicht viel los im Schweizer Bergdorf Zermatt im Kanton Wallis. Die Gornergratbahn ist zwar bereits in Betrieb, um Passagiere auf den Gornergrat zu bringen, wo die Urlauber einen ausgezeichneten Blick auf das Matterhorn haben, doch nur wenige Gäste sind um diese Uhrzeit schon auf den Beinen. Der Blick auf den 4.478 Meter hohen Gipfel ist auch gemütlich vom Frühstückstisch möglich. Geschäftiges Treiben herrscht zu dieser Tageszeit nur am Bahnhof. Dort tummeln sich Menschen vor einem rot-weißen Zug, dem
Glacier Express.

Es handelt sich dabei um einen Panoramazug, der jeden Eisenbahnfreund in Entzücken versetzt. Auf seiner Fahrt zwischen Zermatt und St. Moritz überquert der Zug 291 Brücken und fährt durch 91 Tunnel.

Für die nicht ganz 300 Kilometer lange Strecke quer über die Alpen benötigt der Zug acht Stunden. „Deswegen wird er gerne als langsamster Schnellzug der Welt bezeichnet“, erzählt Annemarie Meyer, die Geschäftsführerin des Unternehmens. Die riesigen Fenster des Glacier Express reichen bis zur Dachwölbung und bieten einen hervorragenden Ausblick. Jeder Passagier hat genügend Beinfreiheit und wird während der Fahrt laufend über Sehenswertes entlang der Strecke informiert.

Zweimal täglich verkehrt der Zug zwischen Zermatt und St. Moritz in jeweils beide Richtungen. Die erste Abfahrt in Zermatt ist um 8.52 Uhr. Mit Schweizer Pünktlichkeit fährt der Zug ab und rollt die ersten Kilometer bergab durch das Mattertal. Linkerhand tun sich hohe Felsen auf, rechterhand plätschert der Fluss Visp parallel zur Bahnlinie.

Nach gut zwanzig Minuten ertönt plötzlich ein Gong. Er macht die Passagiere auf etwas Wissenwertes aufmerksam. „Wir nähern uns dem steilsten Abschnitt der Fahrt. Zwischen Ackersand und Stalden beträgt die Steigung 125 Promille. Hier kommt zusätzlich das Zahnradgetriebe zum Einsatz, das noch bei weiteren Steilstücken verwendet wird“, erklärt eine Damenstimme über die beigelegten Kopfhörer, die jeder Passagier kostenlos erhält.

Die Kopfhörer kann jeder Fahrgast in eine Art Radio stecken und neben Informationen auch Schweizer Volksmusik lauschen.

Der Glacier Express windet sich von Zermatt ins 1.000 Höhenmeter tiefer gelegene Brig. Die Fahrgäste entdecken Weinreben und das Walliser Schwarznasenschaf, das an seiner schwarzen Schnauze zu erkennen ist.

Danach verschwindet der Zug für 15 Kilometer im Furkatunnel, dem längsten Tunnel auf der Strecke. „Er macht es seit 1982 möglich, die Strecke ganzjährig zu befahren. Bis dahin musste der Dienst zwischen Oktober und Juni eingestellt werden“, sagt die Schweizerin.

Sobald der Zug wieder das Licht erblickt, befinden sich die Passagiere im Kanton Uri, einem der drei ältesten Kantone der Schweiz. Nun ist es nicht mehr weit zum höchstgelegenen Punkt der Strecke. Um auf den 2.044 Meter hohen Oberalppass zu gelangen, braucht die Bahn erneut die Unterstützung des Zahnrades.

Oben angekommen, wird es still im Zug. Alle sind damit beschäftigt, die Aussicht zu genießen. Während das Zugpersonal das Essen serviert. Zuerst werden die Teller gebracht, die angenehm warm in der Hand liegen. Danach schleppen die Zugbegleiter große Töpfe heran und kredenzen die Gerichte direkt bei Tisch.

Bei einem 3-Gang-Menü gibt es überraschenderweise als Vorspeise keine Suppe, sondern einen Salat.

Während leises Klimpern mit dem Besteck den Waggon erfüllt, erreicht der Zug Disentis mit dem gleichnamigen Kloster. Der Glacier Express hält hier kurz, um die Lokomotive zu wechseln. Nun ist keine Zahnradbahn mehr notwendig.

Mit der Überquerung des Oberalppasses sind die Passagiere im Kanton Graubünden angekommen. Eine gute Gelegenheit, um sich nach dem Mittagsmahl eine Graubündner Spezialtät als Absacker zu gönnen. Der „Röteli“ ist ein Kirschenlikör, der am besten kalt genossen wird.

Währenddessen rückt die Rheintalschlucht ins Blickfeld. „Der Fluss hat zwischen Ilanz und Reichenau tiefe Furchen gegraben. Der Glacier Express fährt dicht daneben vorbei in Richtung Chur, der ältesten Stadt der Schweiz“, informiert Meyer.

Nach einem 20minütigen Aufenthalt wird die Fahrt fortgesetzt. Kurz vor Filisur erklärt der Schaffner, dass gleich das Landwasserviadukt zu sehen sein wird. Die 65 Meter hohe und 136 Meter lange Eisenbahnbrücke führt in einer schwungvollen Kurve über das Landwassertal in einen Tunnel.

Ein Raunen erfüllt den Zug, als das Gebilde zu sehen ist. Kameras werden gezückt und Fotos vom spektakulären Bauwerk gemacht. Nun rollt der Glacier Express seinem Ziel entgegen, dem weltbekannten Kurort St. Moritz, das wunderschön am Moritzsee gelegen ist. widlak

Reisen mit
dem Glacier Express
Preise: Zermatt – St. Moritz um 140 Euro (2. Klasse),
247 Euro (1. Klasse), verpflichtende Reservierung um 36 Euro (Nebensaison) oder um 45 Euro (Haupts.).

Tipp: Besitzer eines „Interrail-Passes“ oder „Swiss Travel Passes“ fahren gratis.

Information:
Tel.: 0041 81 288 65 65,
www.glacierexpress.ch
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