Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 36/2021 vom 07.09.2021, Fotos: Sony Music
Artikel-Bild
Die Band „Manic Street Preachers“ aus Wales fand Ideen an der heimischen Küste.
Artikel-Bild
Das Album ist seit Freitag im Handel. Es ist näher am Pop als die vorangegangenen und von „ABBA“ beeinflusst.
Ein inspirierendes Strandleben
Ihr Stil ist seit drei Jahrzehnten die hymnische Melodie. Dem sind die Waliser James Dean Bradfield (52, Sänger, Gitarrist und Pianist), Nicky Wire (52, Texter und Bassist) sowie Sean Moore (53, Schlagzeuger) auch bei ihrem mittlerweile 14. Album treu geblieben. Das Werk der Band „Manic Street Preachers“ nennt sich „The Ultra Vivid Lament“. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit Bradfield darüber gesprochen.
Schon der erste optische Eindruck Ihres neuen Albums ist ein angenehmer. Auf der Frontseite ist ein Strand abgebildet. Wo ist das Foto entstanden?
In Tenby, im Westen von Wales.
Nicky Wire, der auch ein begabter Fotograf ist, hat dieses Bild gemacht. Wir verbringen viel Zeit dort. Der Strand ist einer unserer Lieblingsorte und, wie wir finden, einer der Juwelen in der walisischen Krone.
Liegen Sie da regelmäßig im Sand?
Ja. Und Nicky hat dort viel für die neue Platte geschrieben, speziell seine Texte. Der Ort ist also auch inspirierend. Außerdem kommt Tenby noch in den Lyrics zu „The Secret He Had Missed“, eines unserer neuen Lieder, vor. Darin geht es um die Verbindung zweier außergewöhnlicher Geschwister – Augustus und Gwen John. Beide waren renommierte Kunstschaffende, die ihre prägenden Jahre in Tenby verbrachten. Nicky hat eine Menge seiner „Lockdown“-Erfahrungen in Tenby gemacht.
Was war mit den beiden Geschwistern?
Sie hatten eine unterkühlte Beziehung, die sich daraus erklärt, dass sie charakterlich unterschiedlich waren. Sie waren Bruder und Schwester, aber sie malten in gänzlich unterschiedlichen Stilen, sie lebten ihr Leben komplett unterschiedlich und sie sahen die Welt verschieden. Augustus war eine ruhelose Seele. Hätte er sich mehr an der Haltung seiner Schwester orientiert, hätte ihm das vermutlich gutgetan.
Verglichen mit den beiden haben Sie und Ihre beiden Kollegen wohl ein geradezu unkompliziertes Künstlerverhältnis?
Bei uns sind die Voraussetzungen komplett andere. Nick und ich kennen uns seit unserem fünften Lebensjahr. Wir unterscheiden uns in vielerlei Hinsicht voneinander, doch wir teilen eine tiefempfundene Liebe dafür, miteinander zu kommunizieren. Und wir genießen es trotz unserer unterschiedlichen Persönlichkeiten, gemeinsam Musik zu machen und mittels unserer Musik Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. Sean und ich sind Cousins, unser Verhältnis kommt dem von Brüdern schon ziemlich nahe. Wir gehen schon so lange gemeinsam durchs Leben, dass ein natürliches, brüderähnliches Spannungsverhältnis bei uns nicht von der Hand zu weisen ist. Das heißt, unsere Versionen der Wahrheit sind nicht notgedrungen dieselben. Aber trotz der Spannungen kommen wir gut miteinander aus und generieren daraus sogar eine gewisse Energie.
Welchen Stellenwert hat Musik für Sie?
Den allergrößten. Jeden Tag, wenn ich nicht gerade mit meiner Frau und unseren Kindern unterwegs bin, verbringe ich bestimmt zwei Stunden mit bewusstem Musikhören. Musik ist eine Sache in der Welt, von der ich Kenntnis habe, von der ich besessen bin und die mich nie enttäuscht. Wenn ich nichts Aufregendes finde, suche ich mir eben eine Platte aus der Vergangenheit raus. Irgendwas gibt es immer, das den Effekt auf mich hat, mich an Begebenheiten von früher zu erinnern.
Stimmt es, dass Sie erst vor vier Jahren den Führerschein gemacht haben?
Ja, das stimmt. Ich habe ihn gemacht, damit ich die Kinder in der Früh zur Schule fahren kann. Als junger Mann bin ich verbotenerweise, eben ohne Führerschein, bei uns in den Waliser Bergen herumgekurvt. Ich konnte damals und heute besser Motorrad als Auto fahren. Ich selbst gehe lieber überall zu Fuß hin. Meine Heimatstadt Cardiff ist klein genug dafür.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung