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Ausgabe Nr. 36/2021 vom 07.09.2021, Foto: ROMA Images/Ludwik Erdmanski
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„Traumschiff“-Schauspielerin Heide Keller († 81).
Sie starb einsam im Pflegeheim
Fast vier Jahrzehnte lang schipperte Heide Keller als Chefhostess Beatrice mit dem „Traumschiff“ über die Meere, bis sie vor drei Jahren für immer von Bord ging. In der vergangenen Woche verlor der Publikumsliebling den Kampf gegen den Krebs. Keller starb einsam in einem noblen deutschen Pflegeheim.
Ich wollte gehen, solange ich in Stöckelschuhen die Zugangstreppe des Schiffes hinunterkomme“, sagte Heide Keller im Jahr 2018 bei ihrem „Traumschiff“-Abschied. Mit ihrer Rolle als Chefhostess Beatrice schrieb sie deutsche Fernsehgeschichte. Dass sie krank war, wusste die Öffentlichkeit, die Diagnose Krebs hielt Keller aber geheim. Am 27. August erlag sie ihrem Leiden. Ihre letzten Monate verbrachte die beliebte Mimin einsam in einem deutschen Pflegeheim.

Ursprünglich wollte der am 15. Oktober 1939 in Düsseldorf (D) geborene Darstellerin Blumenbinderin werden. Doch ihre Lieblings-Oma riet davon ab. „Da hast du immer dreckige Fingernägel und ungepflegte Hände‘“, sagte sie zu ihrer Enkelin. Die träumte ohnehin bald von einer Schauspielkarriere und machte eine entsprechende Ausbildung. Schon bald stand sie auf der Theaterbühne, später auch vor der Kamera.

Im Jahr 1981 legte sie das erste Mal mit dem „Traumschiff“ ab. In ihrer Rolle als gute Seele des Schiffes ging Keller auf. Auch am Drehbuch schrieb sie selbst mit und entwickelte ihre Figur weiter, die zum Kult wurde. Über ihre Erkrankung, die sie damals aber nicht näher benennen wollte, erzählte sie im vergangenen Jahr, „Ich habe die Krankheit seit zehn Jahren. Ich bin damit um die halbe Welt geflogen und auf dem ‚Traumschiff‘ gereist. Es hat mich oft viel Kraft gekostet, auch jetzt bin ich erschöpft. Aber meinen Beruf konnte ich stets gut ausüben.“

Kein Glück mit den Männern
Kein Glück hatte Keller dagegen in der Liebe. Ihre beiden Ehen scheiterten. Die erste Ehe mit dem Autor und Schauspieler Thomas Härtner, der vor einigen Jahren an einem Lungenleiden starb, ging 1979 in die Brüche. „Wir blieben aber gute Freunde“, erzählte sie. Die zweite Ehe mit dem Mimen Hans von Borsody scheiterte nach sechs Jahren. „Erst später gestand er mir, dass ich die Liebe seines Lebens gewesen sei.“

Nach dem zweiten Ehe-Aus war sie mit dem Münchener Zahnarzt Peter Porkert liiert. Er nahm sich zwei Jahre nach ihrer Trennung (1989) das Leben. Anfang der 90er Jahre probierte Keller noch einmal ihr Glück mit dem 21 Jahre jüngeren Innenarchitekten Werner Dehmel. Doch auch diese Beziehung scheiterte nach nur drei Jahren.
Danach hatte sie endgültig genug von den Männern und blieb alleine. „Ich glaube, dass ich in meinem Leben viel an der Liebe gelitten habe. Es hat nie ein gleichwertiger Austausch stattgefunden. Die Männer, die ich geliebt habe, waren nicht bereit, sich darauf so weit einzulassen“, gestand sie einmal.

Der Beruf war ihr damals ohnedies wichtiger. „Ich kann mir auch nicht vorstellen, mein Leben für eine Beziehung ganz aufzugeben. Sicher wäre ich bereit, das eine oder andere nicht zu tun, um Zeit für den anderen zu haben. Aber ich habe mich mit meinem Beruf entwickelt und zu mir selbst gefunden. Das möchte ich für keinen Mann aufgeben.“ Es blieben ihr schöne Jahre auf dem „Traumschiff“.
Nach ihrer Karriere zog sie sich in ihr Haus im Bonner (D) Ortsteil Muffendorf im Stadtbezirk Bad Godesberg zurück. Kraft schöpfte Keller in ihrem Garten, der ihr ganzer Stolz, „aber auch viel Arbeit“ war.

"Sie hat kein leichtes Leben gehabt"
„Vor knapp einem Jahr hat sie dann ihr Anwesen verkauft“, erzählt Irene Diederichs, 89, einst eine ihrer besten Freundinnen. „Sie hat direkt gegenüber von mir gewohnt und auch einmal zehn Jahre bei mir in meinem Häuschen gelebt. Sie kam zu mir und sagte immer, ‚Bei dir kann ich so schön auftanken‘“, erzählt Diederichs, die ihr vier Jahrzehnte nahestand. Ihrer Information nach soll Keller an Speicheldrüsenkrebs gestorben sein, anderen Meldungen zufolge könnte die Schauspielerin an einer seltenen Form der Leukämie gelitten haben.

Ihr letztes Jahr verbrachte Keller jedenfalls in einem vornehmen Pflegeheim am südlichen Stadtrand von Bonn. „Als sie ihr Haus verkaufte und in ein Heim ging, da wusste sie, das ist die Endstation.“
Dort war sie einsam, wie Diederichs erzählt. „Sie hatte kaum Freunde. Einer der wenigen Freunde hat sich aus dem Fenster gestürzt. Sie hat kein leichtes Leben gehabt, aber sie hat mit Beatrice eine wunderbare Figur geschaffen. Und als sie die Rolle an die Mimin Barbara Wussow abgab, sagte sie mir, sie sei froh, dass sich Wussow nicht Beatrice nennen darf. Darüber war sie glücklich, weil die Beatrice mit ihr ging.“

Den 80. Geburtstag von Heide Keller hat Diederichs mit ihr in einem Restaurant gefeiert. „Da ging es ihr gut. Aber wir haben über ihre Krankheit nie intensiv gesprochen.“ Auch nicht über den Tod. „Sie hat nur gesagt, dass sie in Muffendorf auf dem Friedhof liegen will.“ Bekannt ist auch, dass Keller ein handschriftliches Testament aufgesetzt hat, damit klar sei, „wer von meinen Geschwistern und Bekannten was bekommen soll“, wie Keller zu Lebzeiten verriet. Kinder hatte sie nicht.

Irene Diederichs erzählt, dass Keller mit ihren Geschwistern, einer Schwester und einem Bruder, jedoch „ihre Probleme hatte. Gut, sie hatten Kontakt, aber liebevoll war es nicht.“ Auch mit Diederichs kam es kurz vor Kellers Tod zum Bruch. „Sie hat Blumen, die ich ihr schickte, zurückgeschickt und einen Brief von mir zerrissen. So etwas macht man nach 40 Jahren Freundschaft eigentlich nicht. Ich weiß auch nicht, warum sie das tat. Ich möchte nichts Schlechtes über sie sagen und tue es auch nicht, denn wir waren engste Freundinnen. Es kann ja altersbedingt gewesen sein, dass sie sich plötzlich so merkwürdig verhalten hat.“
Einen Gruß zum Abschied sendet ihr langjähriger „Traumschiff“-Partner Nick Wilder, 68, der den Schiffsarzt verkörpert hat. „Du warst immer eine Frohnatur, gute Reise,
liebe Heide.“
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