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Ausgabe Nr. 35/2021 vom 31.08.2021, Foto: Victor Demarchelier/AUGUST/picturedesk.com
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Emma Stone, 32, hatte als Mädchen psychische Probleme.
„Mich hat ein kleines grünes Monster gequält“
Sie ist hübsch, erfolgreich, glücklich verheiratet und Mutter eines kleinen Mädchens. Dass sie selbst im Kleinkindalter von Albträumen geplagt wurde und schreiend nachts aufwachte, hat ihre großartige Karriere sogar in Gang gebracht.
Sie ist böse. Richtig böse. Gern hätte sie einen Mantel aus schwarz-weißem Hundefell, deshalb lässt die exzentrische Baroness Von Hellman herzige Dalmatiner-Welpen entführen und töten. Zu sehen ist dies in „Cruella“, einer Neuauflage von Disneys Zeichentrickfilm „Pongo und Perdita“ aus dem Jahr 1961 und dem Kino-Film „101 Dalmatiner – Diesmal sind die Hunde echt“ des Jahres 1996. Damals schlüpfte Glenn Close in die Rolle der bösen Cruella. Dieses Mal ist es Emma Stone, die ihr Unwesen vorerst auf dem Internetkanal Disney+ treibt.

Dabei kann die am 6. November 1988 in Scottsdale, im US-Staat Arizona, geborene Darstellerin Hunden in Wahrheit nichts zuleide tun. Im Gegenteil, die Vierbeiner begleiten sie ihr ganzes Leben. Bereits als Vierjährige hatte sie einen kleinen Hund zum Kuscheln. Und beruflich schlüpfte sie vor zehn Jahren sogar in die Rolle eines Australischen Schäferhundes. Im Film „Marmaduke“ lieh sie der verliebten Hundedame „Mazie“ ihre tiefe, heisere Stimme. „Dass ich jetzt ausnahmsweise eine böse Frau spiele, ist eine schöne Abwechslung. Ich will ja nicht immer nur die lieben Rollen haben. Außerdem kam kein Hund zu Schaden“, meint die Darstellerin lachend.

Wenn sie frei hatte, saß sie früher gern in ihrer Lieblings-Sushi-Bar am Sunset Boulevard in Los Angeles (Kalifornien). Aufmerksam studierte sie die Speisekarte.

Stone litt an Panik-Attacken und Albträumen
„Ich darf nichts Scharfes essen“, erklärt sie. Der Grund dafür ist ein Zwerchfellbruch. Das ist eine ungewöhnliche Ausstülpung eines Magenteiles durch das Zwerchfell. „Ich wurde damit geboren. Als junge Frau war ich wie ein alter Mann.“

Körperliche und psychologische Probleme sind Emma Stone nicht unbekannt. Sie erinnert sich noch gut an die Panik-Attacken, als sie sieben Jahre alt war. „Ich war äußerst nervös, und schrie nachts: ‚Das Haus brennt!‘ Ich war überzeugt, von Flammen umgeben zu sein. Ich sah das Feuer, fühlte die Hitze. Meine Brust verengte sich, ich konnte nicht mehr atmen.“

Jahrelang sei das immer wieder geschehen, erzählt die 32jährige. Durch ihre Schreianfälle hätten sich schließlich Knötchen an den Stimmlippen gebildet. „Wie gut, dass Papi und Mami Geduld mit mir hatten.“

Stones Eltern stammen väterlicherseits aus Schweden. Ein Beamter der amerikanischen Einwanderungs-Behörde änderte den Familiennamen von Sten auf Stone. Die Vorfahren der Mutter kamen aus Deutschland. „Mein Vater Jeff hat eine kleine Baufirma gegründet, und bis sich Erfolg einstellte, fehlte ständig Geld. Wir lebten lange auf Kredit.“ Der richtige Vorname der Darstellerin ist auch nicht Emma, sondern Emily. Den Künstlernamen Emma nahm sie an, als sie feststellte, dass es bei der Schauspieler-Gewerkschaft „Screen Actors Guild“ bereits eine andere Emily Stone gab. „Privat stelle ich mich aber immer noch als Emily vor, und so rufen mich auch meine Freunde.“

Angst durch Schauspielen überwunden
Besorgt um ihre nervöse Tochter, hatten die Eltern die kleine Emily zu einem Therapeuten gebracht. Er schlug vor, sie solle niederschreiben, was sie denke und empfinde. „Ich schrieb ein Buch mit dem Titel ‚Ich bin größer als meine Angst‘. Ich zeichnete ein kleines, grünes Monster auf meiner Schulter, das mir Unwahrheiten ins Ohr flüstert. Jedes Mal, wenn ich zuhörte, wurde das Monster größer. Nur wenn ich es ignorierte, verschwand es.“

Stone hat das Buch mit den Zeichnungen aufbewahrt, obgleich es damals nicht half, ihr Problem zu überwinden. Das gelang anders.

Eines Tages fragte der Therapeut: „Hat Emily ein Hobby? Was tut sie am liebsten?“ Ohne lange zu überlegen, erwiderte Krista Stone, die Mutter: „Schauspielen. Emily äfft ständig andere Menschen nach, auch die Schauspieler im Fernsehen.“ So kam es, dass Emily Stone im Alter von neun Jahren Schauspiel-Unterricht nahm. Mit 13 Jahren eröffnete sie ihren Eltern: „Ich verlasse das Gymnasium und werde Filmstar.“

Die Gagen der ersten Rollen reichten nicht zum Leben, deshalb arbeitete die Amerikanerin nebenbei in einem Laden, der Hundekuchen herstellte. Erste Erfolge gab es dann im Jahr 2012, da spielte sie die Freundin des Titelhelden in „The Amazing Spider-Man“. In die erste Riege der Hollywood-Darsteller stieg sie schließlich im Jahr 2017 mit dem Musik-Film „La La Land“ auf. Und das private Glück fand sie nebenbei auch.

In einer Drehpause gab sie dem Komödianten Dave McCary, 35, in New York ein Interview in der Fernseh-Sendung „Saturday Night Live“. „Wir verstanden uns sofort so gut, dass wir danach gemeinsam essen gingen“, erzählt der Produzent. Anfang 2019 postete das Paar ein Foto mit Stones Verlobungsring im sozialen Netzwerk Instagram und im Dezember desselben Jahres heirateten die beiden. Im März dieses Jahres schenkte die Schauspielerin einem gesunden Mädchen das Leben. Dessen Namen hält das Paar geheim.

„Meine Beziehung zu Kindern hat sich mit dem Älterwerden gändert. Ich war nie Babysitterin oder so etwas. Als Teenager meinte ich: ,Ich werde nie heiraten und Kinder kriegen.‘ Das hat sich nun alles geändert. Zum Guten, dafür bin ich dankbar.“ Die kleine Familie lebt mittlerweile im New Yorker Stadtteil Manhattan, auf der anderen Seite von Amerika. Los Angeles, wo Stone lange Zeit zu Hause war, hat sie den Rücken gekehrt. „Ich bin dort von Menschen umgeben, die ständig in ihrer Wichtigkeit auf- und abschwingen. Und das ist alles, worüber sie reden. In New York habe ich neue Freunde gefunden, darunter meine Kollegin Jennifer Lawrence, 31.“
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