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Ausgabe Nr. 35/2021 vom 31.08.2021, Foto: SWR/ORF
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„Die Unschuldsvermutung“
Mittwoch, 8.9., 20.15 Uhr, Das Erste
„Die Unschuldsvermutung“: Der Grapscher vom Stehpult
Dem Salzburger Ex-„Jedermann“ Ulrich Tukur geht‘s an den Kragen. In der Rolle eines berühmten Dirigenten, der sich im zwischenmenschlichen Bereich einige Male angeblich grob danebenbenommen hat, wird er von einer Riege selbstbewusster Frauen bloßgestellt. So bleibt dem Mann mit dem Taktstock nur die Flucht in die Unschuldsvermutung.
In den Hochkultur-Kreisen Salzburgs herrscht Vorfreude. Bei den Festspielen steht eine Neuinszenierung von Mozarts Oper „Don Giovanni“ auf dem Programm, die Proben dafür neigen sich dem Ende zu. Die Ankunft des berühmten Dirigenten Marius Atterson (Ulrich Tukur, 64) wird von allen bejubelt, nur nicht vom ebenfalls berühmten Opernregisseur David Roth (Simon Schwarz, 50). Bei einem Krach zwischen den beiden manövriert sich Roth ins Abseits.

Als Ersatz engagiert die Festspielpräsidentin Hedi Gebetsreuther (Michou Friesz, 59) die als besonders schwierig geltende Regisseurin Beate Zierau (Catrin Striebeck, 55).

Eine gewagte Wahl, denn der Frauenheld Atterson und Zierau waren einmal verheiratet. Für die Journalistin Franziska (Marie-Christine Friedrich, 42) ist das ein Glücksfall, denn sie will den Mann am Stehpult endlich als Grapscher entlarven und hofft dabei auf die Hilfe seiner Exfrau. Ebenso auf die von seiner derzeitigen Meisterschülerin Karina (Laura de Boer, 38), und seiner Agentin Ada (Daniela Golpashin, 36, Bild oben), die er zur Zeit umgarnt …

„In unserer Geschichte haben einige Frauen die Selbstüberschätzung des Maestros satt und sie verbünden sich, um ihn bloßzustellen“, erzählt der heimische Regisseur Michael Sturminger, 58, der auch das Drehbuch zu dem Film verfasste. „Sie wollen ihn vom Sockel, besser vom Pult stoßen. Die sogenannte ,MeeToo‘-Bewegung hat ja tatsächlich etwas bewirkt. Das möchte ich zeigen.“

Der Schauspieler Ulrich Tukur, der in Salzburg von 1999 bis 2001 den „Jedermann“ verkörperte, empfand die Rolle des Dirigenten als große Herausforderung.

„Dieser Typ mit dem Taktstock strotzt so vor Selbstbewusstsein, dass es ihm gelingt, sich gleichzeitig völlig unmöglich und trotzdem noch irgendwie sympathisch zu benehmen“, meint er.

„Doch völlig skrupellos überschreitet er diese Schwelle früher oder später auch, weil er schlussendlich nur an seinem eigenen Erfolg interessiert ist. In Wirklichkeit ist mir solches Verhalten fremd, aber ich denke, ich habe es glaubhaft dargestellt. Schließlich ist das mein Beruf“, sagt Ulrich Tukur und lacht.
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