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Ausgabe Nr. 35/2021 vom 31.08.2021, Fotos: Ärztekammer, Parlamentsdirektion/Simonis
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Thomas Szekeres, Dagmar Belakowitsch
1G-Regel: Zutritt nur für Geimpfte?
In der Nachtgastronomie könnte die 1G-Regel kommen, wenn die „Infektionszahlen weiter steigen“, droht die Regierung. Dann dürften nur noch Geimpfte in Diskotheken und Bars. Derzeit werden dort auch PCR-Tests anerkannt. Doch immer öfter wird ein Zutrittsverbot für Ungeimpfte auch für andere Bereiche ins Spiel gebracht. In Theatern, Fitnesscentern, beim Friseur und in Restaurants gilt derzeit die 3G-Regel. Getestete, Geimpfte und Genesene haben Zutritt.
JA:
Thomas Szekeres,
Ärztekammer-Präsident

„Bei der Impfquote verliert Österreich von Tag zu Tag mehr an Boden, auch im EU-Vergleich geraten wir immer mehr ins Hintertreffen. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, denn bei der dominanten Delta-Variante des Virus hilft nur ein vollständiger Impfschutz. Experten gehen davon aus, dass die nächste Welle eine unter Ungeimpften sein wird. Doch wenn Ungeimpfte, wie es zu befürchten ist, bald in großer Anzahl Spitalskapazitäten benötigen, dann leiden darunter alle Menschen. Durch verschobene Operationen und zu wenig Ressourcen für ihre Behandlung. Mit der Covid-Schutzimpfung haben wir bereits ein wirksames und sicheres Gegenmittel. Wenn sich die Impfquote aber nicht nennenswert steigert, dann müssen andere Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergriffen werden. Denn einen ‚Lockdown‘ will niemand mehr. Die 1G-Regelung wäre daher eine sinnvolle Maßnahme. Unter Geimpften ist die Ansteckungsgefahr sehr gering und es spricht daher nichts dagegen, wenn der Zutritt in die Nachtgastronomie, Kino oder Theater auf geimpfte Personen beschränkt wird. Es liegt nun an der Politik, ihren Mut zusammenzunehmen und eine klare Entscheidung zu treffen.“

NEIN:
Dagmar Belakowitsch,
FPÖ-Sozialsprecherin

„Eine 1G-Regel, der Zutritt nur für geimpfte Personen in bestimmte Bereiche, ist sowohl aus gesundheitspolitischer wie auch aus verfassungsrechtlicher Sicht problematisch. Die Ungleichbehandlung, die Bevorzugung bestimmter Bevölkerungsgruppen – in diesem Fall der geimpften Mitbürger – ist nur dann gerechtfertigt, wenn es tatsächlich einen medizinischen Nachweis gibt, dass von dieser Personengruppe die Ansteckungsgefahr geringer ist. Fundierte wissenschaftliche Studien zeigen aber ein gegenteiliges Bild. Eine Studie der US-Gesundheitsbehörde ‚Centers for Disease Control and Prevention‘ (CDC) hat gezeigt, dass die Viruslast der Geimpften jener der Ungeimpften entspricht, womit beide Gruppen die gleiche Menge an Viren weitergeben. Ein Blick in die Spitäler nach Israel oder Island zeigt, dass mehr als die Hälfe aller Covid-Patienten doppelt geimpft war. Auf der anderen Seite wissen wir, dass Genesene eine stabile Immunität aufweisen, auch noch zwölf Monate nach durchgemachter Infektion. Die 1G-Regel ist ein reiner politischer Willkürakt, um Ungeimpfte zu Sündenböcken zu machen. Das führt nur zur weiteren Spaltung unserer Gesellschaft und ist strikt abzulehnen.“
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