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Ausgabe Nr. 31/2021 vom 03.08.2021, Foto: Judith M.Troelss
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Parlament
Leitzing 1
3321 Stephanshart
office@parlamentwirt.at
Tel.: 07479/6351
www.parlamentwirt.at
Öffnungszeiten:
Fr.: 10.00 Uhr bis 14.30 Uhr
Sa., So.: 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Mi. und Do. je nach Wetterlage, Mo. und Di. Ruhetag
Eine genussvolle Parlaments-Sitzung
Direkt am Donauradweg gelegen, können Pedalritter nach erlebnisreicher Fahrt beim Parlamentwirt in Ardagger (NÖ) eine genussvolle Rast einlegen. Und dabei den Diskussionen der Gäste lauschen, die namensgebend für das Wirtshaus waren. Es geht auf jeden Fall gesitteter zu als im Hohen Haus am Wiener Ring. Die überdimensionale Holzbirne vor der gastlichen Stätte dient als Wegweiser …
Die Fluten kamen regelmäßig. Alle fünf bis sechs Jahre. Dann stand das Landgasthaus „Parlament“ in Stephanshart in der Marktgemeinde Ardagger im Bezirk Amstetten (NÖ) stets unter Wasser. Die Donau zeigte, wie mächtig sie ist, obwohl sie gut einen Kilometer entfernt liegt.
Im Jahr 2002, als das Hochwasser zum ersten Mal auch den ersten Stock des Hauses überflutete, stand für die Wirte-Familie fest, dass ein neuer Standplatz gefunden werden musste und sie umsiedeln werden. Etwa 400 Meter entfernt, auf der sogenannten „Speckwiese“ in imposanter Anhöhe, erstrahlt nun das Gebäude im frischen Sonnengelb. „Nach zweijähriger Bauzeit konnten wir im März 2005 unser neues Wirtshaus eröffnen. Natürlich gibt es auch jetzt noch Hochwasser, aber wir brauchen uns nicht mehr zu fürchten, denn unser Haus ist davon nicht mehr betroffen. Am früheren Standort haben wir zur Erinnerung eine Kapelle errichtet“, erzählt die Chefin des Hauses Christine Kirchweger, 51.
Sie wurde in den Gastrobetrieb hineingeboren, der sich aus einer Schmiede entwickelt hat. Im alten Stammhaus hat ihr Vater diesen Betrieb geführt. Aus diesem Handwerksbetrieb heraus entstand auch der Name des Wirtshauses, wie die sympathische Wirtin zu berichten weiß. „Wenn die Kundschaft darauf wartete, dass mein Vater mit seiner Schmiedearbeit fertig wird, wurde bei einem Flascherl Bier viel geplaudert, gelacht und natürlich auch politisiert. Als wieder einmal so eine gesellige Runde beisammensaß, kam ein ehemaliger Bewohner von Ardagger vorbei und meinte aufgrund einer hitzig geführten politischen Diskussion, dass es bei uns zugehe wie im Parlament. Durch diese Begebenheit war unser Wirtshausname ,Parlament‘ geboren.“
Im Laufe der Jahre wurde der Schmiedebetrieb eingestellt, woraufhin Maria Brandner, die Mutter der heutigen Chefin, eine Tankstelle mit Flaschenausschank eröffnete. Nach weiteren Umbauarbeiten entstand ein Gastraum, eine Schank und es gab auch das erste frischgezapfte Bier. Im Jahr 1998 übernahm Tochter Christine den elterlichen Betrieb, den sie seither mit viel Engagement und Herzblut führt und an dem Pedalritter, die den Donauradweg entlangfahren, kaum vorbeikommen. Schon von Weitem macht eine sechs Meter große, vier Meter breite und sechs Tonnen schwere hölzerne Mostbirne auf das „Parlament“ aufmerksam.
Sie ist nicht nur das Tor zu feiner Kulinarik, sie steht auch sinnbildlich für die Region, in der die Mostbirne vorherrscht. Natürlich wird herrlicher Most daraus gemacht, im „Parlament“ ist dafür Franz Kirchweger zuständig, der Mann der Wirtin, die selbst in der Küche zu finden ist und gemeinsam mit ihrem Team die Gäste bewirtet.
„Viele Rezepte wurden überliefert. Wir wollen den Spagat zwischen traditioneller Mostviertler Hausmannskost und den veganen und fleischlosen Gerichten schaffen“, erklärt die 51jährige Chefin die Speisekarte, die ausschließlich mit regionalen Produkten aufwartet.
Bei Schweineschnitzel (9,90 Euro), Pute- und Hühnerschnitzel (10,90 Euro) mit Petersilienerdäpfeln aus dem Waldviertel und wahlweise hausgemachter Ribiselmarmelade sowie dem „Mostbirnbörga“, einem Burger mit 200 g Rindfleisch (14,90 Euro) kommen Fleischliebhaber auf ihre Kosten. Vegetarier und Veganer haben ebenfalls eine großzügige Auswahl, zum Beispiel mit der „Linsen Bowl“ mit Gemüse der Saison, Salzerdäpfeln und bunter Linsen-Paradeisersoße (10,50 Euro) oder einem knusprigen Ofenerdapfel mit Bio-Schafskäse überbacken, dazu Wildpesto und buntes Hirsegemüse (12,90 Euro). Für den Durst gibt es einen halben Liter Most gespritzt um 3,50 Euro. Zum Abschluss warten herrliche Mehlspeisen auf hungrige Mäuler.
Die Spezialität des Hauses ist freilich das Mostviertler Bauernbratl. „Dieses Gericht ist ebenso beliebt bei unseren sportlichen Gästen, die mit dem Rad kommen, bei Einkehrern, die das Mostviertel durchreisen, wie bei unseren Stammgästen, die mir äußerst am Herzen liegen“, meint Kirchweger mit einem Schmunzeln, die sich den Spruch: „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen“ zur Philosophie des Hauses gemacht hat und die neben all der Arbeit Ausgleich in ihrem schönen Garten findet. Dort gedeihen Gemüse und Kräuter, die sie in ihre Speisen frisch einarbeitet. Dazu gehören auch Ribiseln, manchmal sitzt sie in der Gaststube und pflückt sie von den Stängeln.
Mostviertler Bauernbratl nach Omas Rezept
Zutaten: 4 Bratenstücke von Schopf oder Karree mit Knochen und Schwartl, Salz, ganzer Kümmel, 4 Zehen Knoblauch, 2 große Zwiebeln, 1/8 l Most
Zubereitung: Die Bratlstücke auf ein tiefes Backblech oder in eine Pfanne geben, Knoblauch feinhacken und Zwiebel blättrig schneiden, das Fleisch mit Salz, Kümmel und Knoblauch würzen und mit den Zwiebeln belegen. Einen kräftigen Schuss Most dazu und die Pfanne so hoch mit Wasser auffüllen, dass das Fleisch gerade nicht untergeht. Im vorgeheizten Rohr, bei 220 Grad, ungefähr 2 Stunden braten.
Sobald es genug Farbe hat, einen Deckel darauf geben und weiter dünsten lassen.
Beilagentipp: Mit Erdäpfelknödeln oder Semmelknödeln und warmem Krautsalat servieren.
Getränke-Tipp: Ein gutes Glaserl Most. Im besten Fall aus dem Hause Kirchweger
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