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Ausgabe Nr. 29/2021 vom 20.07.2021, Fotos: Susie Knoll, Piper Verlag
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Hape Kerkeling (im Bild mit Foto-Modell „Oli“, einem Somali-Kater) liebt Katzen und lebt mit ihnen.
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In seinem neuen Buch schreibt Hape Kerkeling über das Glück, mit Samtpfoten zu leben, die seine Gefährten wurden.
„Ich telefoniere mit meinen Katzen“
Als Hape Kerkeling als achtjähriger Bub aus den Ferien zurückkehrte, hieß es, sein geliebter Kater „Peterle“ sei tot. Doch kurz darauf stolzierte die Samtpfote höchst lebendig umher. Anhand weiterer tierisch amüsanter „Miau“-Geschichten erzählt der 56jährige in seinem neuen Buch aus seinem Leben mit Katzen. Zu denen er auch telefonisch einen guten Draht hat.
Katzen sind meine heimliche Religion. Seit ich denken kann, bin ich mit den Samtpfoten tief verbunden“, sagt Hape Kerkeling, 56.

Nach seinem Reisebuch „Ich bin dann mal weg“ (2006) über seine Pilger-Wanderschaft auf dem Jakobsweg in die spanische Stadt Santiago de Compostela erzählt der deutsche Unterhaltungskünstler in „Pfoten vom Tisch! – Meine Katzen, andere Katzen und ich“ (Piper Verlag, ISBN: 978-3-492-08000-2) aus seinem nie langweiligen Leben mit Katzen.

Es ist eine äußerst persönliche Geschichte und ein augenzwinkernder Ratgeber zugleich. Im Kapitel „Samtpfoten-Atlas“ beschreibt Kerkeling die prägenden Eigenschaften der zehn wichtigsten Katzenrassen und listet Regeln für die Sicherheit der Fellnasen auf. Er erklärt, warum Katzen im alten Ägypten mit der Göttin des Mondes verglichen wurden, und stellt die zwölf berühmtesten Katzen aller Zeiten vor.

Rührend und komisch erzählt Kerkeling, der am 9. Dezember 1964 in Recklinghausen (D) geboren wurde, aus seiner Kindheit. „Meine Mutter und ich mussten auf den riesigen Pudel einer Bekannten aufpassen. Egal, was wir gegessen haben, ob Leberwurst oder Knackwurst, der Hund hat nach allem geschnappt. Er war immer hinter mir her und knurrte. Mag sein, dass das bei mir ein Hundetrauma verursacht hat. Jedenfalls haben meine Mutter und ich, als wir den Pudel nach zwei Wochen wieder los waren, einen Freudentanz aufgeführt“, erinnert sich der 56jährige, der seit 1984 sein parodistisches Talent unter Beweis stellt. Als Reporter Horst Schlämmer mit auffälligem Überbiss, als polnischer Opernsänger („Hurz“) oder in einer seiner witzigsten Rollen, als niederländische Königin Beatrix.

Weit schlimmer als das „Hundetrauma“ war der frühe Verlust seiner Mutter. Die litt an schweren Depressionen, weil sie nach einer Operation ihren Geruchs- und Geschmackssinn verloren hatte. Darüber schrieb Kerkeling in seiner Autobiografie „Der Junge muss an die frische Luft“, die im Jahr 2018 für das Kino verfilmt wurde. Er war erst acht Jahre alt, als sich seine völlig verzweifelte Mutter 1973 mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben nahm.

„,Peterle‘ war eine herrische Raubkatze“
Daraufhin sind die Großeltern väterlicherseits zu ihm, zu seinem älteren Bruder Josef und zu seinem Vater gezogen, um die Familie zu unterstützen. Mit einem Haustier wollte Oma Bertha die Trauer ihres Enkels lindern. „Aufgrund meines Hundetraumas wünschte ich mir eine Katze und bekam das Kater-Baby ,Peterle‘, eine herrische, kleine Raubkatze mit einem großen Herz. ,Peterle‘ lehrte mich, dass Katzen nicht angestarrt werden möchten. Das empfinden sie als Bedrohung“, erzählt Kerkeling. Ein Jahr später machte der Bub einen Wanderurlaub. Als er zurückkam, teilten ihm die Großeltern deprimiert mit, dass „Peterle“ leider gestorben und schon begraben sei.

„Das konnte ich mir gar nicht vorstellen, ich bin in den Garten gerannt und habe gepfiffen. Drei Mal kurz und drei Mal lang, wie ich es immer getan hatte. Nach ein paar Wiederholungen und etwa fünf Minuten später stand der Kater quicklebendig und maunzend vor mir, was unheimlich war“, erzählt der Komiker. Wie sich herausstellte, hatte sein Opa im Glauben, es sei „Peterle“, die ähnlich aussehende Nachbarskatze beerdigt.

„Peterle“ lebte glücklich noch weitere fünf Jahre. Gegen Ende seines Daseins ist er riesig und moppelig geworden, sodass er kaum noch durch die Klappe in der Haustür kam. „Dass wir ,Peterle‘ nie kastrieren ließen, ist ihm wohl zum Verhängnis geworden“, sagt Kerkeling. „Der Sexualtrieb zwingt Kater, so lange unterwegs zu sein, bis sie ein paarungswilliges Weibchen finden. Dafür lassen sie jede Vorsicht außer Acht und nehmen weite Wanderungen in Kauf. Traurig, aber wahr, die meisten überfahrenen Katzen waren auf verzweifelter Partnersuche“, weiß es der „Katzen-Papa“ heute besser.

„Wer einmal eine Katze hatte, kann nur noch schwer ohne diese Wesen leben“, sagt er. Also legte er sich nach ein paar katzenlosen Jahren die Kater-Brüder „Samson“ und „Spock“ zu. Wohlweislich ließ er sie im sechsten Lebensmonat kastrieren. Neben den beiden hat er das Buch auch seinen Katzendamen „Anne“, „Bolli“ und „Kitty“ gewidmet.

„Miezen-Grüß-Gott ist ein kurzes Miau“
„Ich telefoniere mit meinen Katzen, was viele komisch finden. Das hat sich entwickelt, als ich beruflich oft unterwegs war. Und es funktioniert gut, von meiner Seite sowieso, aber auch von Seite der Katzen, die durchaus auf meine Stimme reagieren.

Eine Vorstellung, wie Kerkeling mit seinen Katzen am Telefon plaudert, bekommt man, wenn der Komiker die Katzenlaute beschreibt. „Das Miezen-Grüß-Gott ist ein ganz kurzes, leicht vibrierendes ,Miau!‘. Das klingt wie ein flüchtig dahingezirptes ,Murr!‘. Mehrere kurze ‚Murrs‘ hintereinander bedeuten ,Gott, du lebst noch!‘ Möchte die Mieze Aufmerksamkeit, kommt ein leicht gequältes ,Miau‘, das einer Mischung aus ,ey‘ und ,mau‘ ähnelt“, übersetzt der Komiker die Sprache der Katzen, die etwa 60 unterschiedliche Laute von sich geben können. „Von klein auf lernen sie, ihre Stimme zu verändern. Je öfter wir ihr antworten, umso gesprächiger wird die Katze“, ist Kerkeling, der in Bonn (D) und mehrere Monate im Jahr in Umbrien (I) lebt, überzeugt.

Am meisten amüsieren ihn die miauenden Selbstgespräche seiner Samtpfoten. „Es ist zum In-die-Hose-Machen lustig, wenn die Katze aus dem Fenster starrt, etwas bebachtet und dabei halb gurrend, krächzend, schimpfend und grunzend vor sich hin plappert. Verblüffend finde ich auch, dass Katzen im Schlaf reden, aber bei diesem Thema gehe ich nicht ins Detail, das wäre zu persönlich“, sagt der Katzen-Liebhaber augenzwinkernd.
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