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Ausgabe Nr. 29/2021 vom 20.07.2021, Foto: Bryan Adams
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Amy Winehouse
Sie hatte eine Stimme für die Ewigkeit
Ihr Talent war ihre Stimme, die wohl gewaltigste ihrer Generation. Doch die britische Soul- und Jazz-Sängerin Amy Winehouse konnte nur acht Jahre lang Kapital daraus schlagen. Denn ihre Karriere war kurz und chaotisch. Drogen und Alkohol, gepaart mit einer Essstörung waren ihre ständigen Begleiter. Vor zehn Jahren, am 23. Juli 2011, starb sie daran in London (GB). Anlässlich ihres zehnten Todestages erzählte der ehemalige Band-Bassist Dale Davis dem WOCHE-Reporter Olaf Neumann, wie er Winehouse erlebt hat.
Herr Davis, wie haben Sie Amy Winehouse kennengelernt?
Als Amy im Jahr 2003 ihre erste Band zusammenstellte, wurde ich zum Vorspielen eingeladen. Sie war damals noch ein unbeschriebenes Blatt, aber die Musikindustrie
war bereits auf sie aufmerksam geworden. Unser erster gemeinsamer Auftritt fand in einem kleinen Klub in Westlondon statt. Ich habe sofort gesehen, wie talentiert sie war. Zwei Wochen später, bei unserer dritten Show, wurde mir bewusst, ich hatte es hier mit einer Ausnahmekünstlerin zu tun. In dem Moment, wo sie die Bühne betrat, nahm sie das Publikum gefangen und die Menschen hingen an ihren Lippen.

War ihre gewaltige Stimme vom ersten Tag an vorhanden?
Ja, absolut. Sie hat mir Stücke vorgespielt, die sie mit 15, 16 Jahren aufgenommen hat. Da war ihre Stimme bereits ausgereift. Sie war ein Naturtalent und hatte eine Stimme für die Ewigkeit.

Was hat Winehouse angetrieben?
Vor allem die Musik. Sie wollte sich durch ihre Lieder ausdrücken. Sie hatte einen hohen Anspruch an sich selbst und wollte immer alles richtig machen.

Stimmt es, dass sie oft betrunken zu den Proben gekommen ist?
Am Anfang war die Zusammenarbeit nicht anders wie mit Tina Turner auch. Sie war nicht im Geringsten chaotisch, das kam erst später. Aber das ist bei jedem Künstler von derart großem Format der Fall. Es ist nicht so, dass niemand versucht hat, ihr zu helfen. Gegen Ende ihrer Karriere, als sie oft ziemlich betrunken war, konnte sie immer noch singen und auftreten.

Die meisten Menschen kennen nur ihre dunkle Seite. Wie war Amy Winehouse wirklich?

Sie war großzügig. Sie war intelligent und hatte einen wunderbaren Humor.

Was hat Sie an der Künstlerin am meisten fasziniert?
Ihre Art zu singen. Ihre Darbietung. Ihr Texten. Allein ihre Bühnenpräsenz war magisch. Das erste Mal sah ich sie bei einem meiner eigenen Auftritte. Sie stand im Publikum und schaute mir direkt in die Augen. Was für strahlende Augen sie hatte. Sie war erst 18 Jahre alt und hatte schon dieses Licht in den Augen. Amy war ein besonderer Mensch.

Wie erinnern Sie sich an ihr letztes Konzert im Juni 2011 in Belgrad (Serbien), das zum Desaster wurde? Winehouse wirkte neben der Spur und statt zu singen, umarmte sie ihre Bandmitglieder …
Es war das schwierigste Konzert meiner Karriere. Ich kann bis heute nicht glauben, dass wir fast eineinhalb Stunden auf der Bühne standen. Uns allen war bewusst, dass diese Show das Ende der Band markierte.

Wann haben Sie sie das letzte Mal gesehen?

Zwei Tage vor ihrem Tod bin ich noch mit ihr ausgegangen. Und in der Nacht ihres Todes haben wir sogar noch miteinander telefoniert. Sie erzählte mir von ihren Plänen. Sie wollte ein ganz normales Leben führen.

Wie haben Sie von ihrem Tod erfahren?
Während der Proben mit anderen Künstlern. Plötzlich kam jemand herein und schrie: „Amy ist tot!“ Mir wurden die Knie weich. Wir waren doch für den Abend verabredet. Ich glaube, was sie am Ende umgebracht hat, war ihre Essstörung. Wer nichts isst, der wird über kurz oder lang sterben. So einfach ist das.
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